LDK-Beschluss: Leitantrag 143. LDK

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Der folgende Antrag wurde von der 143. Landesdelegiertenkonferenz beschlossen:

Antragstext

Feminismus wird immer noch gebraucht und ist keineswegs unnötig. Dass dieser 
immer noch gebraucht wird zeigt sich daran, dass Sexismus, Vorurteile und 
Diskriminierung im schulischen Alltag weit verbreitet sind und das Lernklima 
negativ beeinflussen. Sie können sowohl durch internalisierte Misogynie*1 als 
auch durch die Popularität sogenannter „Alpha-Podcasts“ entstehen. Diese Formen
der Diskriminierung führen dazu, dass sich viele Schüler*innen zunehmend 
unwohler fühlen, während Lehrkräfte entweder keine Maßnahmen ergreifen oder 
deren Bemühungen von den Schüler*innen ignoriert werden. Darum ist es nun 
wichtig, dass über Feminismus aufgeklärt wird und Feminismus aktiv in der Schule 
gelebt wird – und dass nicht nur von Frauen. Feminismus geht alle etwas an.

Feminismus ist die Antwort auf Sexismus, es ist die Antwort auf 
geschlechtsspezifische Gewalt, es ist die Antwort auf Stereotype und 
Benachteiligung. Feminismus ist unsere Antwort auf das Patriachat. Im 
gesellschaftlichen Diskurs werden die Errungenschaften und Ziele des Feminismus
gerne auf Alltagsthemen und Verbale Aussagen runter gebrochen. Dabei geht 
schnell die Struktur der Gewalt und unser Kampf gegen diese verloren und wenn 
wir über System reden, müssen wir vor allem unser Wirtschaftssystem 
thematisieren welches sich dann natürlich wieder auf Schule ausübt.

Sexismus zeigt sich oft in alten Strukturen und stereotypischen Aussagen von 
Lehrkräften wie „Ich brauche starke Jungs, um die Tische zu tragen“ oder „Wer 
von den Mädchen kann mit schöner Handschrift an die Tafel schreiben?“. Solche 
Äußerungen vermitteln Rollenbilder, die Mädchen als schwach oder Jungen als 
technisch begabt darstellen. Hartnäckige Vorurteile wie „Mädchen sind schlecht 
in naturwissenschaftlichen Fächern“ oder „Jungen sind schlecht in Sprachen“ 
verstärken diesen Sexismus und beeinflussen das Selbstwertgefühl der 
Schüler*innen negativ. Besonders im Sportunterricht werden stereotype Aussagen 
wie „Du wirfst/läufst wie ein Mädchen“ häufig verwendet, was Stereotypen und 
Geschlechterbilder weiter festigt.

Die Geschlechtliche Arbeitsteilung in der der Mann als „Oberhaupt“ und Ernährer 
tätig und die Frau für die Hausarbeit zuständig ist, bleibt auch wenn nicht so 
extrem wir früher traurige Realität. Der Großteil der Reproduktionsarbeit wird 
von Frauen geleistet. Die zur Reproduktion benötigte Arbeitszeit ist immer 
niedriger als die Arbeitszeit. Das heißt 8 Stunden Arbeitszeit können sich z.B.
in nur 4 Stunden reproduzieren. Der Arbeiter arbeitet also z.B. die ersten 4 
Stunden seines Arbeitstages nur um das Äquivalent von seinem Benötigten Essen, 
Wohnung, Urlaub usw. zu Produzieren. In den anderen 4 Stunden jedoch produziert
er neuen Wert, auch genannt Mehrwert. Dieser geht jedoch an den Kapitalisten, da 
dieser sich mit der Arbeitskraft auch alle Produkte dieser Kauft. Die 
Reproduktionsarbeit (Wäschewachen, Essenkochen, Kindererziehung, Carearbeit) 
schafft jedoch keinen Mehrwert, da sie nur die Arbeitskraft erhält. Deswegen hat 
der Kapitalist auch ein Interesse daran diese Privat, also in der Familie 
geschehen zu lassen. Frauen wenden im Durchschnitt in Deutschland 52,4 % mehr 
Zeit für unbezahlte Sorgearbeit auf (bei 34-Jährigen sind es sogar 110,6 %), und 
fast die Hälfte aller Frauen arbeitet in Teilzeit (bei Männern sind es 12,7%). 
Dadurch wurde die Frau besonders Stark an die Familie und ihren Mann gebunden. 
Dieses Modell wenn auch leicht verändert stellt bis heute die Vorherrschende 
ideologische Form der Familie, wie sich z.B. am Gender-Pay-Gap sehen lässt. Der
Gender Pay Gap und die geschlechtsspezifische Struktur der Arbeitswelt verlieren 
zunehmend ihre gesellschaftliche Legitimation, obwohl sie massiv fortwirken. Für 
den einzelnen Kapitalisten jedoch ist jeder Cent für gesellschaftliche 
Reproduktionsarbeit eine Verschwendung und möglichst zu minimierender Kosten. 
Mit den Kürzungen der Sozialabgaben und zusammenbrechenden Sozialsystemen wird 
die Kettung der Frau an die Familie nur noch extremer. Zusätzlich bleibt 
Sexismus ein wichtiges Mittel zur Spaltung der Arbeiterinnenklasse, welches vor
allem in Krisenphasen wichtiger wird.

Diese Kommentare sind nur die Spitze des Eisbergs und die Grundlage der Femizid-
Pyramide. Zunächst als harmlos eingestufte Kommentare führen durch die 
Verschiebung von gesellschaftlichen Diskursen und dem gesellschaftlichen Konsens 
zur öffentlichen Akzeptanz von Sexismus und schließlich zu Gewaltandrohungen 
sowie tatsächlich ausgeübter Gewalt.

Neben der strukturellen Diskriminierung der Arbeiterin als Arbeitskraft, hat der 
Kapitalismus durch seine Natur auch die Frau selbst zum Produkt gemacht. Der 
Körper, die Bekleidung, die Existenz von Frauen als sexuelle Wesen, runter bis 
zur Persönlichkeit und Verhalten. „Die Frau“ wird zum Objekt was gekauft werden
kann, offensichtlich wird dies, wenn man sich die gezielte Vermarktung von 
Schönheitsoperationen an Frauen anschaut. Deshalb muss Feminismus auch 
intersektional sein, weil das Bild von Weiblichkeit nicht mehr verkauft werden 
kann, wenn Frauen anfangen sich selbst zu definieren. Feminismus, der Trans-
Frauen, der schwarze Frauen, der Frauen mit Behinderungen oder Frauen in Sex-
Arbeit, als weniger Frau oder weniger weiblich ansieht, ist kein Feminismus. Da
er versagt zu erkennen das Frau sein eben nicht klar, und somit vermarktbar, 
ist.

Sexismus ist kein einzelnes Phänomen, sondern ein strukturelles Problem. 
Sexistische Erzählungen werden vor allen in Krisenphasen prominenter. Ein 
Feministischer Kampf muss verbunden sein mit einem Kampf gegen rechts und 
Ausbeutung.
Um effektiv gegen Sexismus vorzugehen, ist es notwendig, frühzeitig auf die 
Gefahren, wie Gewalt gegenüber Frauen oder Femizide, aufmerksam zu machen und 
aktiv Maßnahmen zu ergreifen, um diskriminierenden Strukturen entgegenzuwirken 
und diese letztlich zu überwinden.

Unsere Forderungen:

  1. Schulung der Lehrkräfte:
    Die LSV NRW soll sich dafür einsetzen, dass Lehrkräfte verpflichtend 
    geschult werden, sexistische Verhaltensweisen zu erkennen und angemessen 
    darauf zu reagieren. Diese Schulungen sollen für alle Lehrkräfte 
    verpflichtend sein.
  2. Gleichberechtigte Förderung:
    Die LSV NRW soll sicherstellen, dass Schüler*innen gleichermaßen in allen 
    Bereichen gefördert werden – insbesondere in jenen, die häufig durch 
    Geschlechterstereotypen gekennzeichnet sind. So sollen einerseits Schüler 
    gleichermaßen in Sprachen gefördert werden wie Schülerinnen und 
    andererseits sollen Schülerinnen in MINT-Fächern gleichermaßen gefördert 
    werden wie Schüler.
  3. Workshops und Projekttage:
    Die LSV NRW soll sich für Workshops oder Projekttage über Feminismus und 
    Sexismus für Schüler*innen einsetzen.
  4. Null-Toleranz-Politik:
    Schulen sollen klare Regeln und eine Null-Toleranz-Grenze gegenüber 
    sexistischem Verhalten entführen. Es sollte immer benannt werden und 
    angemessen reagiert werden.
  5. Mehr Literatur von Frauen im Lehrplan:
    Es sollte mehr Literatur von Frauen in die Lehrpläne aufgenommen werden. 
    Zudem sollte thematisiert werden, welche besonderen Leistungen Frauen 
    erbracht haben oder welche Errungenschaften sie in der Geschichte erzielt 
    haben – diese wurden allerdings oft unter männlichen Decknamen 
    veröffentlicht. Auch darüber muss aufgeklärt werden ( 
    Https://www.sjpl.org/de/blogs/post/womens-history-month-female-writers-
    and-male-pseudonyms/
     ).
  6. Thematisierung von Gleichberechtigung:
    Themen wie Gleichberechtigung vor dem Gesetz sowie deren praktische 
    Umsetzung, Feminismus und Frauenrechte sollen im Unterricht behandelt 
    werden.
  7. Überarbeitung von Schulbüchern:
    Schulbücher und Materialien sollen überarbeitet werden, um mehr diverse 
    Identitäten sichtbar zu machen.
  8. Bessere Aufklärung im Sexualkundeunterricht:
    Im Sexualkundeunterricht wird oftmals der Körper der Frau nur teilweise im 
    Unterricht erklärt, aber nicht auf die Komplexität der Hormone 
    eingegangen. Es muss mehr darüber aufgeklärt werden, dass die Periode – 
    insbesondere In Zusammenhang mit Erkrankungen wie Endometriose – sehr 
    schmerzhaft und belastend sein kann. Trotz medizinischen Beweisen werden 
    Frauen und vor allem Schülerinnen oftmals nicht ernstgenommen, wenn sie 
    davon reden, dass sie starke Schmerzen haben. Deshalb muss darüber schon 
    früh aufgeklärt werden. Ebenfalls muss darauf eingegangen werden, dass 
    FLINTA trotz Hormonen und Periode genauso valide politische Meinungen 
    haben können oder genauso gut in Führungspositionen sind wie Männer. Um 
    diesen schädlichen Stereotypen vorzubeugen / präventiv entgegenzutreten, 
    muss es einen guten Sexualunterricht geben, der genügend Aufklärung 
    bietet.
  9. Teach woman`s history

Die Geschichte der Frauen sollte im Schulunterricht gelehrt werden, da sie 
wichtige Beiträge und Perspektiven liefert, die in der traditionellen 
Geschichtsschreibung fehlen. Beispielsweise zeigt die Beschäftigung mit Frauen 
wie Henriette Goldschmidt, die sich im 19. Jahrhundert für Frauenbildung und 
Emanzipation einsetzte, wie Frauen gesellschaftliche Veränderungen vorantrieben. 
Auch die Rolle der Frauen im Wiederaufbau nach 1945, etwa als „Trümmerfrauen“, 
verdeutlicht ihre zentrale Bedeutung für die Nachkriegsgesellschaft, die im 
Unterricht oft unterschätzt wird. Solche Beispiele fördern das Verständnis für 
Geschlechtergerechtigkeit und bieten Schülerinnen und Schülern vielfältige 
Identifikationsmöglichkeiten

Warum frühe Aufklärung wichtig ist:
Die frühe Aufklärung über Feminismus und die Prävention von Sexismus sind 
entscheidend für eine gerechtere Gesellschaft. Kinder und Jugendliche sind

besonders empfänglich für Werte und Normen, die sie langfristig prägen. Durch 
frühzeitige Bildung entwickeln sie ein Bewusstsein für 
Geschlechtergerechtigkeit, bauen Vorurteile ab und lernen, diskriminierende 
Strukturen zu hinterfragen und abzubauen. Diese Auseinandersetzung stärkt 
Empathie sowie Respekt gegenüber Vielfalt und trägt zur Prävention von 
Diskriminierung bei. Traditionelle Rollenbilder müssen hinterfragt werden, und 
es muss verstanden werden, dass FLINTA-Personen die gleichen Rechte haben und 
verdienen. Ebenso muss erkannt werden, dass die strukturelle Aufklärung, die 
zurzeit stattfindet, nichts ändert. Langfristig bereitet diese Bildung junge 
Menschen darauf vor, aktiv für Gleichberechtigung einzutreten und strukturelle 
Ungleichheiten abzubauen.