Stellungnahme kostenfreies Schüler*innenticket für NRW

Sehr geehrte Abgeordnete des Verkehrsausschusses,
sehr geehrte sachkundige Bürger*innen,
sehr geehrte Damen und Herren,

als Landesvorstand der Landesschüler*innenvertretung NRWs, im Folgenden nur noch LSV NRW genannt, vertreten wir stellvertretend die 2,6 Millionen Schüler*innen, also die zukünftigen Wähler*innen des Landes Nordrhein-Westfalens.

Die LSV NRW fordert seit mehreren Jahren, auch schon zu Regierungszeiten der Antragstellenden, ein kostenloses Schüler*innen-Ticket für NRW. Deswegen finden wir es begrüßenswert, allerdings auch überfällig, dass die Politik endlich bemerkt, vor welchen Problemen wir Schüler*innen stehen.

Es ist für uns ein Problem, dass wir an den teuren öffentlichen Personennahverkehr gebunden sind, um beispielsweise zur Schule zu kommen oder am sozialen Leben teilzunehmen. Auch Schüler*innen haben ein Recht auf ein soziales Leben; und das findet nicht immer direkt vor der Haustür statt. Mit Freunden trifft man sich, zum Sport oder zu anderen Freizeitaktivitäten, welche nicht immer direkt neben dem Wohnhaus liegen. Autofahren geht wegen der finanziellen Verpflichtungen (viele Familien können sich kein Auto leisten) und der Altersbeschränkung oft nicht, Reisen mit dem Fahrrad sind nicht bei jedem Wetter und jeder Jahreszeit sicher möglich und die Radwege in NRW sind wenig bis überhaupt nicht ausgebaut und somit wiederum nicht sicher für Kinder und Jugendliche. Durch diese Beschränkungen bleibt nur der ÖPNV für uns, und diesen zu bezahlen, hindert viele Schüler*innen an der Teilnahme am sozialen Leben und grenzt so Schüler*innen von der Teilhabe aus, was auch eine soziale Spaltung der Gesellschaft begünstigt. Wer sich zum Beispiel die 13 Euro Ticketkosten pro einfache Fahrt von Essen nach Düsseldorf nicht leisten kann, gehört nicht dazu. Somit sorgen die enorm hohen Kosten für den ÖPNV für eine weitere Selektion im Bereich des sozialen Lebens, die die bereits bestehende Selektion in der Schule weiter vorantreibt.

Wir Kinder und Jugendliche kämpfen also inzwischen an mehreren Fronten. Wir kämpfen in der Schule gegen Versagensängste und Leistungsdruck, in der Freizeit um die Möglichkeit, uns ein soziales Leben leisten und daran teilnehmen zu können, und auch für ein lebenswertes Klima, in dem wir und unsere Kinder leben können. Auch hier wäre ein kostenfreies Schüler*innenticket für alle Schüler*innen in NRW – und nicht nur für Schüler*innen unter 14 Jahren -, ein wirkungsvolles Mittel, um die Klimakatastrophe zu vermindern. Wenn wir den Schulweg mit öffentlichen Verkehrsmitteln bestreiten könnten, wenn wir alleine ins Kino fahren könnten, wenn wir zum Sportverein alleine fahren könnten, dann würden viele Autofahren von sogenannten Elterntaxis vermieden werden können. Denn uns ist bewusst, dass die aktuelle Situation und Politik unseren Planeten tötet und es keinen “Planet B” gibt. Wohlmöglich gelangt die Politik ja auch noch zu dieser Erkenntnis und vielleicht – und ich sage ganz bewusst vielleicht – gibt es dann ja noch eine Chance, das Überleben des Planeten und damit so vieler Spezies zu sichern, trotzdem sollte uns allen das Klima viel zu wichtig sein, um es nur den sogenannten politischen “Profis” zu überlassen.

Ein paar dieser Probleme wären einfacher zu bewältigen mit einem kostenfreien Kinder- und Jugendticket. Dieses Ticket würde es uns ermöglichen, auf das Auto (der Eltern) zu verzichten und somit zumindest eine winzige Kleinigkeit für den Klimaschutz zu tun. Ebenfalls würde uns damit die Möglichkeit gegeben werden, unser soziales Leben etwas einfacher zu gestalten, da keine Fahrtkosten mehr auf uns zukämen, wenn wir mal eben zur Eishalle, in den Nachbarort, in eine Großstadt oder einfach eine*n Freund*in besuchen wollen. Des Weiteren ist damit eine sichere Fahrt zur Schule möglich, somit muss nicht bei jeder Wetterlage, die uns der Klimawandel noch bringen mag, eine Lösung für den Schulweg gefunden werden. Dementsprechend muss das ÖPNV-Netz um einiges weiter ausgebaut werden, was besonders bedeutet, dass gerade die kleinen Orte und Gemeinden viel regelmäßiger von beispielsweise Bussen angefahren werden müssen, um auch den dort lebenden Schüler*innen zu ermöglichen, dass sie eine Großstadt erreichen können. Denn wenn die Schüler*innen in NRW einen gut ausgebauten und funktionierenden öffentlichen Nahverkehr kennenlernen würden, wären sie auch die zahlenden Kunden der Zukunft, die dieses Verkehrsmittel von Klein auf kennen- und schätzen lernen – und somit auch später zufrieden damit ihren Alltag bestreiten könnten.

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