Pressemitteilung: Regelbetrieb der Grundschulen ohne Abstand aktuell eine Gefahr für die gesamte Gesellschaft

Die Landesschüler*innenvertretung NRW (LSV NRW) fordert, dass Schule als Teil der Gesellschaft dieselben Abstands- und Hygieneregeln anwenden muss. Ein Regelbetrieb kann frühestens nach den Sommerferien erfolgen, bis dahin muss die Notbetreuung sichergestellt sein und Schulbetrieb, wie bisher nur in einem Maße stattfinden, der den individuellen Möglichkeiten jeder Schule gerecht wird.
Dies stellten bereits am 28. Mai alle an Schule beteiligten Verbände gemeinsam fest, dennoch startet das MSB im Alleingang den Regelunterricht, wenn auch nur für die Grundschulen, bereits vor den Sommerferien.

Innerhalb kürzester Zeit mussten die Schulen ein Konzept für den Distanzunterricht entwickeln, nun, wo alle einigermaßen eingespielt sind, geht es wieder in den Regelbetrieb. Dieser kann jedoch nicht wirklich als solcher bezeichnet werden, da wieder neue Regelungen, wie die Dokumentationspflicht oder die strengen Regelungen für die Schulpflicht in der aktuellen Pandemie, auf die Schulen zukommen. Zudem werden auch einige Lehrkräfte ihre Klasse nicht übernehmen können, da sie zur Risikogruppe gehören, somit haben Schulen nochmal mehr unter dem massiven Lehrkräftemangel zu leiden. Des Weiteren ist die Vorbereitung für solche Konzepte mit den geänderten Hygienemaßnahmen mal wieder viel zu kurzfristig für die Schulen. „Ergänzend dazu stellen die fehlenden baulichen Voraussetzungen, wie die oft nicht ausreichend großen Schulhöfe und die Staffelung der Pausen, ein weiteres Problem dar. Da auf dem Pausenhof selbstverständlich nicht nur im Flüsterton gesprochen wird, wird der entstehende Lärm für Konzentrationsprobleme in den Klassen sorgen, sodass normaler Unterricht wiedermals erschwert wird“, kritisiert Linh Lürwer aus dem Landesvorstand.

Außerdem besteht immer noch das Risiko einer zweiten Welle, welche durch große Klassen und einer folglich großen Infektionskette viele Infizierte zur Folge haben könnte. „Demnach sollte auch das Verhältnis zwischen dem Risiko einer Infektion und dem Nutzen von im Maximum zwei Wochen Regelunterricht ausführlich diskutiert werden“, merkt Sophie Halley, ebenfalls aus dem Landesvorstand, an und ergänzt:, „Gerade für die Jüngeren in unserer Gesellschaft ist die aktuelle Situation bereits verwirrend genug, wenn diese jetzt allerdings je nach Ort unterschiedliche Regeln einhalten müssen, sind Probleme vorprogrammiert.“
In dieser Krise darf nicht das eigentliche Problem aus den Augen verloren werden. Die kapitalistische Wirtschaft übt aktuell auf alle Menschen Druck aus, auf die Politiker*innen, welchen mit Kündigungen von Arbeitnehmer*innen gedroht wird, auf Erziehungsberechtigte, die zwischen Arbeit oder Familie in einem verstärktem Ausmaß entscheiden müssen. Und so wird der Druck auf die Grundschullehrer*innen weitergegeben, die gerne ihre Kinder wiedersehen und in dieser schwierigen Zeit unterstützen wollen. Gleichzeitig müssen sie allerdings auch das Infektionsrisiko tragen und somit die eigene Gesundheit aufs Spiel setzen.
So bestimmt das vorhandene Wirtschaftssystem abermals in eine unmenschliche Richtung unser Handeln, da die Gesundheit an zweite Stelle rutschen muss.

Vor diesem Hintergrund lehnt die LSV NRW die vorschnelle Einführung des Regelbetriebs ab. Wichtig ist dennoch, dass der stattfindende Unterricht vor allem an den seelischen Bedürfnissen der Schüler*innen orientiert gestaltet wird: „Tests, abstraktes Wissen und hohe Erwartungen dürfen keine Rolle spielen. Die Kinder brauchen soziales Miteinander und Erholung von der Isolation“, sagt Linh Lürwer.

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