Pressemitteilung: Verpflichtender Unterricht ist wie ein Händedruck, um das Kontaktverbot zu besiegeln

Verpflichtender Unterricht ist wie ein Händedruck, um das Kontaktverbot zu besiegeln

Die Corona-Krise hat unsere Gesellschaft nachhaltig auf den Kopf gestellt und die durch neoliberale Sparpolitik geschaffenen Probleme in vielen Bereichen deutlich gemacht: In Krankenhäusern, auf dem Wohnungsmarkt, aber auch in Schulen. Schulischerseits sind nun besonders die Abitur- und Abschlussjahrgänge in hohem Maße von der Krise betroffen. In ganz NRW sind die Schulen seit zwei Wochen geschlossen, der Verlust der Unterrichtszeit ist vor allem für Schüler*innen belastend, die einen Abschluss erwerben wollen. Seit Wochen schweben die Schüler*innen in Unwissenheit, wie sich die Situation entwickeln wird. Nun hat sich das MSB in Form einer Schulmail geäußert. Trotzdem bleiben manche Details unklar.

Die LSV begrüßt, dass auf verpflichtende Abweichungsprüfungen schon in diesem Jahr verzichtet wird. Außerdem sieht sie es positiv, dass das Ministerium ihrer Forderung, Unterricht für Abiturient*innen anzubieten, nachgekommen ist, sofern das zum gegebenen Zeitpunkt mit dem Infektionsschutz vereinbar sein wird.
Allerdings kritisiert die LSV NRW scharf, dass dieses Unterrichtsangebot nun verpflichtend geplant ist – wie aus einzelnen Schulen zu hören ist – und möglicherweise auch die Zulassung zu den Prüfungen von Leistungen in diesen drei Wochen abhängig gemacht werden soll: „Gerade für die Abiturient*innen ist dieser Unterricht wichtig, um den letzten Stoff durchzuarbeiten. Jedoch ist es in dieser Zeit nicht angebracht, die Abiturient*innen in den Unterricht zu zwingen. Zu groß sind die Ängste vor einer Infektion durch das Virus.“, kritisiert Moritz Bayerl, aus dem Landesvorstand der LSV NRW. In letzter Zeit erreichen die LSV NRW viele Nachrichten von besorgten Abiturient*innen, die sich über das Vorgehen des Ministeriums beschweren, denn dass „die Entscheidung des Kultusministeriums per Telefonkonferenz getroffen wurde, um möglichen Ansteckungen vorzubeugen, zeigt einen erschreckenden Widerspruch in sich selbst, wenn Schüler in einem Monat dennoch zusammen kommen und Prüfungen ablegen sollen.“, so ein Schüler per E-Mail. Dieses Unverständnis lässt sich auf den nun verpflichtenden Unterricht für Abiturient*innen übertragen. „Teils existenzielle Ängste, die Gefahr einer Ansteckung und die Angst davor – das alles spricht rational gegen eine Verpflichtung, zum Unterricht zu gehen“, ergänzt Sophie Halley, auch Abiturient*in und im Landesvorstand.

Ob es letztlich überhaupt medizinisch vertretbar sein wird, unmittelbar nach den Ferien freiwilligen Unterricht anzubieten, lässt sich als Schüler*innenvertretung nicht beurteilen.
Allerdings kritisiert die LSV, dass ausgefallene Vorabiturklausuren in der Zeit zwischen den Osterferien und den Abiturprüfungen nachgeholt werden sollen. Dies ist nicht nur eine psychische Belastung, sondern stellt allein wegen der zeitlichen Nähe zu den geplanten Abiturterminen eine unzumutbare Härte für die betroffenen Schüler*innen dar, die die LSV ablehnt.

Im Kreis Heinsberg sind die Schulen durch die hohe Anzahl der Infektionen sogar schon seit über vier Wochen geschlossen, vor allem die Abiturient*innen haben damit zu kämpfen, dass ganze Unterrichtsthemen nicht bearbeitet wurden und teilweise sogar Vorabiturklausuren noch nicht stattfinden konnten.
„Diese besondere Situation für uns kam bislang in den politischen und medialen Berichten und Diskussionen überhaupt nicht zur Geltung und Beachtung“, so ein Schüler aus Heinsberg in seiner Mail an den Landesvorstand. Zwar hat das Ministerium für diesen Kreis besondere Lösungen in Aussicht gestellt, „Wir möchten als LSV der Bitte der Schüler*innen aus dem Kreis Heinsberg, ihnen mehr Gehör zu verschaffen, bei dieser Gelegenheit entsprechen. Das Ministerium muss unbedingt mit den betroffenen Schüler*innen das Gespräch suchen, um gemeinsam eine Lösung für die Situation zu entwickeln.“, so Carlotta Gehring aus dem Landesvorstand.
Die Landesschüler*innenvertretung NRW vertritt die Interessen der knapp 2,6 Millionen Schülerinnen und Schüler des Landes Nordrhein-Westfalen. Am Donnerstag veröffentlichte Sie eine umfangreiche Liste mit Forderungen zum diesjährigen Abitur (Abruf unter: lsvnrw.de/corona-abi). Dem vorrausgegangen war die Veröffentlichung eines Positionspapier zur Corona-Pandemie (Abruf unter: lsvnrw.de/corona). Grundlage ihrer Arbeit sind die NRW-Schulgesetze. Sie mischt sich in landespolitische Diskussionen ein und unterstützt Schüler*innenvertretungen an Schulen und auf Bezirksebene.

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