Pressemitteilung: Talentschulen in NRW: Top oder Flop?

Schulen in Nordrhein-Westfalen sind chronisch unterfinanziert und ungerecht. Große Investitionen im ganzen Land wie auch grundlegende Veränderungen im Schulsystem und in der Gesellschaft sind notwendig, damit Schüler*innen in NRW wirklich erfahren können, was ihnen bei jeder Wahl von jeder Partei versprochen wird: beste Bildung, „Aufstiegschancen für alle“.¹ Die Realität sieht aber noch ganz anders aus. Für die Landesregierung scheint die Lösung der desolaten Lage der Schulen in NRW in der Schaffung und Förderung sogenannter „Talentschulen“ zu liegen. Damit sollen insgesamt 60 der rund 5.700 Schulen im Land nach Bewerbung und Jury-Entscheid als zeitlich begrenzter „Modellversuch“ besonders finanziell und personell gefördert werden. Diese 60 Schulen sollen dann darstellen, wie gute Bildung aussieht. Für die Landesschüler*innenvertretung ist das ein mangelhaftes Vorhaben: „Nur sechzig Schulen zu stärken, das ist ungenügend. Es ist noch dazu absurd, dass die Mehrheit der Schulen, die eine Förderung wirklich nötig haben, nichts aus dem Topf abbekommt. Das spaltet auch innerhalb von Schulbezirken! Die Förderung muss flächendeckend erfolgen.“, sagt Landesvorstandsmitglied Timon Nikolaou.

Talentschule kann eine Schule werden, wenn sie und ihr Konzept vor einer Jury standhalten. Der Schulträger muss außerdem bauliche und digitale Ausstattung garantieren, damit die Schule in die engere Auswahl kommt. Grundschulen sind von der Förderung ausgeschlossen – für die LSV NRW ein klarer Fehler: „Wer über Bildungsungerechtigkeit spricht, muss in der Grundschule anfangen“, ergänzt Nikolaj Grünwald, ebenfalls im Mitglied im Landesvorstand. „Die Landesregierung spielt hier ein Nullsummenspiel. Personal, das an Talentschulen eingesetzt wird, fehlt wieder woanders. Gegen die desaströse bauliche Situation wird nichts getan, neue Lehrer*innen dürfen also unter tropfenden Dächern lehren. Außerdem fragen wir uns: Wieso begrenzt die Landesregierung den Versuch zeitlich? Ist nicht seit Jahren klar, dass Geld und Stellen in der Bildung fehlen? Es ist Zeit, endlich angemessen in Bildung zu investieren.“

Die Landesschüler*innenvertretung nimmt mit einer Vertreterin am Auswahlverfahren der Talentschulen teil, um den Prozess „zu beobachten und für die Schüler*innen in NRW zu sprechen“, das Format der Auswahl kritisiert sie zugleich scharf: „Kommune und Schule müssen bereits vor der Bewerbung erhebliche Ressourcen in Sicherstellung baulicher und konzeptioneller Ressourcen investieren. Dabei fehlt es doch gerade hier! Ungerechtigkeit ist und bleibt in diesem System vorprogrammiert. Wir brauchen kein ‚Deutschland sucht die Super Schule‘, sondern nachhaltige und flächendeckende Finanzierung!“


¹ CDU-Fraktion u. FDP-Fraktion, Koalitionsvertrag für Nordrhein-Westfalen 2017 – 2022, 2017, 11.

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