Pressemitteilung: Cornonakrise beeinflusst auch Nichtprüflinge

Die Coronakrise stellt sowohl die Gesellschaft als auch das Schulsystem vor große Schwierigkeiten. Während in den letzten Wochen vor allem die Abschlussklassen im Vordergrund standen, dürfen auch die anderen Schüler*innen nicht vergessen werden. „Alle Jahrgänge sind von den Konsequenzen des E-Learnings und dem Ausfall des Unterrichts betroffen. Hier müssen sowohl kurzfristige als auch langfristige Lösungen gefunden werden, um diese Schüler*innen nicht gegenüber früheren Jahrgängen zu benachteiligen“, erklärt Johanna Börgermann aus dem Vorstand der Landesschüler*innenvertretung NRW (LSV NRW).

Der Unterrichtsausfall lässt eine Vielzahl an Problemen auftreten, die vor allem durch die Schwierigkeit des E-Learnings in den Vordergrund treten: Es fehlen Kontrollinstanzen, die Aufgaben auf Angemessenheit bezüglich ihres Aufwands und Schwierigkeitsgrades überprüfen und auch dafür sorgen, dass die Aufgaben nicht benotet werden. Dies führt dazu, dass Schüler*innen teilweise mit den gestellten Aufgaben überfordert sind und die Partizipation an diesen nachlässt. Da die Möglichkeiten zur Kommunikation zwischen Lehrkräften und Schüler*innen sich individuell stark unterscheiden, bleibt Kritik oder Feedback über solche Schwierigkeiten oft verborgen. Dies wird durch eine fehlende Ausbildung im digitalen Bereich noch verstärkt.
Der Lehrkräftemangel, der schon vor Coronazeiten ein großes Problem darstellte, wird durch die Pandemie noch verstärkt, da Lehrkräfte aus Risikogruppen weiterhin fehlen.
Um langfristige negative Folgen für die Schüler*innen NRWs zu verhindern und das Lernen bis zu den Sommerferien so schüler*innenfreundlich wie möglich zu gestalten, begrüßen wir als LSV den wiedereinsetzenden Unterricht für alle Jahrgangsstufen; Jedoch nur unter der strikten Voraussetzung, dass die Hygienemaßnahmen in den Schulen sichergestellt werden können – was immer noch nicht überall der Fall ist. Um diesen Prozess gleichermaßen gesundheitlich wie didaktisch sinnvoll zu gestalten, halten wir täglich und wöchentlich rotierenden Unterricht für sinnvoll.

Um einen reibungslosen Einstieg in den Präsenzunterricht zu ermöglichen, sollen in allen Jahrgängen Erhebungen der im Homeschooling erarbeiteten Inhalte stattfinden, dies darf aber in keinem Fall Einfluss auf die Bewertung haben, um die ungleichen Voraussetzungen der Schüler*innen nicht noch weiter zu verstärken. Um die Defizite bezüglich der im E-Learning erlernten Inhalte auszugleichen, müssen die Kernlehrpläne an die verkürzte Unterrichtszeit angepasst werden. Dies soll ab dem Abschlussjahrgang 2022/23 geschehen und den entfallenen Unterricht und die dadurch verloren gegangenen Inhalte berücksichtigen.
Im selben Zuge fordern wir als LSV auch, am Ende dieses Schuljahres für die Jahrgänge, die keinen Abschluss erwerben, keine Zeugnisse zu verteilen. „In dieser stressigen Zeit, in der Schüler*innen sich Sorgen um ihre eigene Gesundheit und die ihrer Familienmitglieder oder Freunde machen müssen, ist zusätzlicher Notenstress einfach zu viel“, plädiert Timon Nikolaou, ebenfalls aus dem Landesvorstand.
„Nur weil der Präsenzunterricht jetzt wieder startet, dürfen wir aber nicht aufhören, das E-Learning weiter zu verbessern.“, schlägt Johanna Börgermann vor.

Onlinesprechstunden und andere Angebote können den Präsenzunterricht ergänzen. Gruppenarbeiten in digitalen Räumen und Langzeitaufgaben sind Möglichkeiten hierfür. Dafür muss aber für die Lehrkräfte eine Ausbildung oder kurzes Briefing zum Thema „digitaler Unterricht“ angeboten werden, um die technischen Kompetenzen zu verbessern und solche Maßnahmen zu ermöglichen. In diesem Zuge müssen auch Konzepte zum Online-Unterricht erarbeitet und verbreitet werden.
Timon Nikolaou ergänzt: „Außerdem müssen wir die langsam anlaufenden Lockerungen im öffentlichen Leben nutzen, um kreative Lösungen für den Unterricht zu finden. So kann zum Beispiel Sportunterricht im Freien und in Kooperation mit Vereinen stattfinden. Öffentliche Einrichtungen wie Bibliotheken und Jugendzentren können für Lerngruppen und die Bereitstellung für Lehrmaterial genutzt werden.“

Obwohl die vorgeschlagenen Maßnahmen den Online-Unterricht so gut wie möglich ergänzen können, steht es außer Frage, dass sie in keinem Fall den Lernerfolg eines Präsenzunterrichts erreichen können. Deshalb müssen langfristige Maßnahmen ergriffen werden, um die Schüler*innen auch in den nächsten Schuljahren nicht zu benachteiligen.
„Um den durch die Coronakrise zusätzlich auftretenden Stress aufzuarbeiten, ist es unumgänglich, so schnell wie möglich Schulpsycholog*innen und Schulsozialarbieter*innen einzustellen. Diese können fachliche Beratung und Anlaufstellen anbieten, die einen Gegenpol zu häuslichen Problemen bieten kann.“, ergänzt Börgermann.
Allerdings bietet die Corona-Krise auch eine gute Möglichkeit, die Vorteile des Homeschoolings zu erkennen und in den kommenden Unterricht einzuarbeiten. So könnte man sich eine jährliche „Homeschoolingwoche“ vorstellen, in denen Schüler*innen eigenverantwortlich von zuhause lernen dürfen. Dies könnte die Eigenständigkeit und das selbstorganisierte Lernen stärken und daher den Schüler*innen wichtige Erkenntnisse und Lernkompetenzen vermitteln.

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