Pressemitteilung: Bring Your own Device – Modern um jeden Preis

Im Koalitionsvertrag zwischen FDP und CDU ist festgeschrieben, dass es unter anderem ein Ziel ist, die „notwendigen Strukturen für die Nutzung von mobilen digitalen Endgeräten im Unterricht“ zu schaffen. Weiter heißt es: „Wir beschleunigen zudem die Nutzung von Tablets und eBooks und werden sicherstellen, dass Endgeräte im notwendigen Umfang zur Verfügung stehen.“ Gleichzeitig fordern beide Koalitionspartner die Förderung des Konzeptes „Bring your own device“ (Bring dein eigenes Gerät mit). Die Landesregierung wälzt damit nicht nur die Verantwortung für die Umsetzung des eigenen Koalitionsvertrags auf die Bürger*innen unseres Landes ab, sie sorgt im gleichen Augenblick auch für neuen sozialen Sprengstoff im ohnehin schon konfliktgeplagten Klassenzimmer.

Hinter „Bring your own device“ steckt ein Konzept, durch das die starke Nutzung von digitalen Geräten wie Smartphones, Tablets oder Notebooks im Unterricht gefördert wird. Dabei gehören die privat genutzten Geräte den Kindern, müssen aber auch von ihnen selbst gekauft und gewartet werden. „Was für viele Erwachsene hierzulande ein schnelles Auto ist, ist für viele Jugendliche ein gutes Handy, am besten noch von einer bekannten Marke“, bemerkt Philipp Schultes aus dem Vorstand der Landesschüler*innenvertretung NRW (LSV NRW). „Durch Bring your own device würden die unterschiedlichen finanziellen Möglichkeiten der Kinder noch stärker zutage treten. Zwar sieht die LSV NRW auch die Chancen, die die Digitalisierung den Schulen bringen kann. Auch mehr Eigenverantwortung für Schüler*innen befürwortet die Schüler*innenvertretung, doch „mehr Eigenverantwortung ließe sich viel einfacher durch ausgeprägtere Schüler*innenmitwirkung und Schüler*innenrechte erreichen. Doch dazu ist das Bildungsministerium leider nicht bereit“, bemerkt Moritz Bayerl, ebenfalls Mitglied im Landesvorstand der LSV NRW. Er führt weiter aus: „Auch die Lehrer*innen sind noch überhaupt nicht auf die Einbindung digitaler Endgeräte der Schüler*innen in den Unterricht vorbereitet. Vielen fehlen Weiterbildungen, aber auch die Möglichkeiten, effektiv mit den Geräten zu arbeiten. Dann noch bei jedem Kind ein anderes Gerät – wie sollen die Lehrer*innen sich darauf vorbereiten und dafür geschult werden?“ Ein weiteres Problem sei die Kompatibilität: „Manche Schüler*innen haben ältere Geräte, die die Programme überhaupt nicht mehr unterstützen, oder einige jüngere Schüler*innen noch überhaupt kein Smartphone.“

Ein viel einfacheres und sozial gerechteres System wäre es, Geräte an den Schulen bereit zu stellen. So könnten Schüler*innen von den Schulen Laptops oder Tablets geliehen bekommen und mit diesen arbeiten. „Dies würde gleiche Voraussetzungen für alle bieten, Kosten für Schüler*innen minimieren, die Anzahl nicht unterstützter Programme senken und auch das Administrieren für Lehrer*innen aufgrund des einheitlichen Betriebssystems vereinfachen“, begründet Conny Schmetz den Alternativvorschlag der LSV NRW.

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