SchülerInnen zeigen Protestkompetenz

Zum Zentralabitur in Mathematik bezieht die LandesschülerInnenvertretung NRW wie folgt Stellung:
Bildungsministerium hat sich verrechnet: SchülerInnen zeigen Protestkompetenz

Am Dienstag, dem 16.04., sprach unsere Bildungsministerin Frau Löhrmann auf dem Transferforum der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung noch davon, wie wichtig Zeit zum Lernen für Schülerinnen und Schüler sei, einen Tag später werden die Abiturklausuren im Grund- und Leistungskurs Mathematik so gestellt, dass tausende (!) SchülerInnen nicht die Zeit haben, alle Aufgaben zu bearbeiten. Die Aufgabenstellungen waren extrem kompliziert und zum Teil unverständlich formuliert, und das Niveau der Aufgaben war überdurchschnittlich hoch und nicht mit dem Schwierigkeitsgrad der Aufgaben im letzten Jahr vergleichbar.

Dies sind keine Berichte von ein paar wenigen Schülerinnen, die sich mit Mathe vielleicht noch nie anfreunden konnten, das sind Berichte von tausenden SchülerInnen aus ganz NRW. Das Ministerium meldet zurück, die Masse der unzufriedenen SchülerInnen sei mit dem Doppeljahrgang zu begründen. Wir empfinden diese Aussage als eine Frechheit. Gerade weil dieses Jahr zwei Jahrgänge gleichzeitig auf den Studien-, Ausbildungs- und Arbeitsmarkt kommen, ist es doch von besonderer Relevanz, diesen, zumindest in dem noch möglichen Maße, die Chance auf ein gutes Abitur zu geben. Gerade, weil es doppelt so viele Schülerinnen sind, als in bisherigen Jahrgängen, die befürchten in die Nachprüfung zu müssen oder ihr Abitur gar nicht zu erhalten, muss es die Möglichkeit einer Wiederholung der Klausur geben. Auch versucht das Ministerium, die Schuld an die LehrerInnen zu delegieren, diese hätten beim Download feststellen müssen, dass die Aufgaben nicht lösbar seien. Diese Aussage ist, aus unserer Sicht, in keinster Weise zu rechtfertigen.

Das zentrale Abitur sollte dafür sorgen, dass die Qualität des Abiturs NRW-weit und jahrgangsstufen- übergreifend vergleichbar ist. Das Ministerium trägt die Verantwortung dafür, dass für die Schülerinnen und Schüler in NRW lösbare und über die Jahre vergleichbare Klausuren gestellt werden. Bei dieser Aufgabe hat es versagt: Das Ministerium hat es zum wiederholten Mal – 2008, 2011, 2013 – nicht geschafft, Klausuren auf einem angemessenen Niveau zu stellen. Das zentrale Abitur hat versagt.

Dieser Abiturjahrgang war bisher schon keine Glanzleistung des Ministeriums. Der durch die Schulzeitverkürzung verursachte Doppeljahrgang in NRW wurde schon an mehreren Stellen enormen Belastungen ausgesetzt: Durch eine Ausbildungs- und Prüfungsordnung, welche zum Start nicht einmal die LehrerInnen erklären konnten, Stundenpläne, die regelmäßig Unterricht bis 18 Uhr vorsehen und keinen Raum für Freizeit und soziale Kontakte lassen, und den mangelhaften Versuch, genügend Perspektiven zu schaffen für zwei Jahrgänge, die gleichzeitig ihren Abschluss machen. Die „G8-Reform“ entpuppt sich endgültig als Sparmaßnahme, deren „Innovationskraft“ ausschließlich darin besteht, denselben Stoff auf weniger Zeit zu verteilen, den Konkurrenzkampf zwischen den SchülerInnen und somit die Selektion zu erhöhen.

Wir, die LandesschülerInnenvertretung NRW, erklären uns solidarisch mit den gegen diese Abiturprüfungen protestierenden Schülerinnen und Schüler. Wir rufen mit zur Demonstration am 23.04. um 12 Uhr in Düsseldorf auf und fordern:

  • Eine schriftliche, ausführliche Stellungnahme zu allen Kritikpunkten
  • Die Veröffentlichung der kompletten Aufgaben inklusive Lösungswegen und Ergebnissen
  • Die Möglichkeit der freiwilligen Wiederholung der Matheklausur
  • Eine Auflockerung des Erwartungshorizontes!
  • Die Abschaffung des Zentralabiturs
  • Die Abschaffung der „G8-Reform“: SchülerInnen brauchen Zeit zum Lernen!

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