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Pressemitteilung: Verpflichtender Unterricht ist wie ein Händedruck, um das Kontaktverbot zu besiegeln

Verpflichtender Unterricht ist wie ein Händedruck, um das Kontaktverbot zu besiegeln

Die Corona-Krise hat unsere Gesellschaft nachhaltig auf den Kopf gestellt und die durch neoliberale Sparpolitik geschaffenen Probleme in vielen Bereichen deutlich gemacht: In Krankenhäusern, auf dem Wohnungsmarkt, aber auch in Schulen. Schulischerseits sind nun besonders die Abitur- und Abschlussjahrgänge in hohem Maße von der Krise betroffen. In ganz NRW sind die Schulen seit zwei Wochen geschlossen, der Verlust der Unterrichtszeit ist vor allem für Schüler*innen belastend, die einen Abschluss erwerben wollen. Seit Wochen schweben die Schüler*innen in Unwissenheit, wie sich die Situation entwickeln wird. Nun hat sich das MSB in Form einer Schulmail geäußert. Trotzdem bleiben manche Details unklar.

Die LSV begrüßt, dass auf verpflichtende Abweichungsprüfungen schon in diesem Jahr verzichtet wird. Außerdem sieht sie es positiv, dass das Ministerium ihrer Forderung, Unterricht für Abiturient*innen anzubieten, nachgekommen ist, sofern das zum gegebenen Zeitpunkt mit dem Infektionsschutz vereinbar sein wird.
Allerdings kritisiert die LSV NRW scharf, dass dieses Unterrichtsangebot nun verpflichtend geplant ist – wie aus einzelnen Schulen zu hören ist – und möglicherweise auch die Zulassung zu den Prüfungen von Leistungen in diesen drei Wochen abhängig gemacht werden soll: „Gerade für die Abiturient*innen ist dieser Unterricht wichtig, um den letzten Stoff durchzuarbeiten. Jedoch ist es in dieser Zeit nicht angebracht, die Abiturient*innen in den Unterricht zu zwingen. Zu groß sind die Ängste vor einer Infektion durch das Virus.“, kritisiert Moritz Bayerl, aus dem Landesvorstand der LSV NRW. In letzter Zeit erreichen die LSV NRW viele Nachrichten von besorgten Abiturient*innen, die sich über das Vorgehen des Ministeriums beschweren, denn dass „die Entscheidung des Kultusministeriums per Telefonkonferenz getroffen wurde, um möglichen Ansteckungen vorzubeugen, zeigt einen erschreckenden Widerspruch in sich selbst, wenn Schüler in einem Monat dennoch zusammen kommen und Prüfungen ablegen sollen.“, so ein Schüler per E-Mail. Dieses Unverständnis lässt sich auf den nun verpflichtenden Unterricht für Abiturient*innen übertragen. „Teils existenzielle Ängste, die Gefahr einer Ansteckung und die Angst davor – das alles spricht rational gegen eine Verpflichtung, zum Unterricht zu gehen“, ergänzt Sophie Halley, auch Abiturient*in und im Landesvorstand. Weiterlesen

Pressemitteilung: Verschiebung von Prüfungen – aber nicht ohne Wahlmöglichkeit!

Verschiebung von Prüfungen – aber nicht ohne Wahlmöglichkeit!

Die Landesschüler*innenvertretung NRW begrüßt einzelne Entscheidungen des MSB zu den Abschlussprüfungen 2020, sieht aber an zahlreichen Stellen Verbesserungsbedarf: „Aufgrund der unterschiedlichen Ausgangssituationen der Schüler*innen halten wir an der Forderung fest, dass diese individuell darüber entscheiden, ob sie eine Abschlussprüfung ablegen oder ein sogenanntes “Durchschnittsabitur” erhalten möchten.“, so Landesvorstandsmitglied und angehende Abiturientin Sophie Halley, „Dass Abweichungsprüfungen nur auf freiwilliger Basis durchgeführt werden sollen, ist hingegen eine gute Entscheidung. Leider sieht das MSB aber mehrere Maßnahmen vor, die wir im Interesse der Schüler*innen ablehnen.“

„Die Wahlmöglichkeit – “Durchschnittsabitur” oder Prüfungen wie üblich – ist aus mehreren Gründen sinnvoll.“, erklärt Johanna Börgermann, ebenfalls Landesvorstandsmitglied: „Zum Beispiel sinkt die Infektionsgefahr, weil nicht alle Schüler*innen an den Klausuren teilnehmen, und die Schüler*innen, die durch die Corona-Krise psychisch belastet sind – z.B. aufgrund von Erkrankungen naher Verwandter -, laufen nicht Gefahr, in den Prüfungen unter ihren Möglichkeiten zu bleiben.“

Des Weiteren kritisiert die LSV NRW, dass die Lehrkräfte nicht – wie von der LSV NRW am 26.3. gefordert – die Möglichkeit erhalten, aus einer größeren Anzahl von Klausuren die für ihre Lerngruppe passenden auszuwählen. „Selbst wenn Frau Ministerin Gebauer in Aussicht stellt, dass die Schüler*innen nach den Ferien in der Schule mit ihren Lehrer*innen gemeinsam die Prüfungen vorbereiten können, ist doch fraglich, ob alle daran teilnehmen werden, da viele vermutlich Angst vor Ansteckung haben oder weil ihre Eltern nicht wollen, dass sie sich dieser Gefahr aussetzen.“, so Sophie Halley.

Als besonders problematisch sieht die LSV NRW zudem, dass durch die Schulschließungen ausgefallene Vorabiturklausuren in der kurzen Zeit zwischen dem Ende der Osterferien und dem Beginn der (verschobenen) Abiturprüfungen nachgeholt werden sollen. „Das stellt eine unzumutbare Härte für die betroffenen Schüler*innen dar, die ja keinerlei Schuld daran haben, dass sie die Klausuren nicht schreiben konnten“, protestiert Johanna Börgermann. Weiterlesen

Abiturprüfungen in Zeiten von Corona: Forderungen der LSV NRW

Wie in unserem gestern veröffentlichten Positionspapier (abrufbar unter: lsvnrw.de/corona) dargelegt, stellt die aktuelle Situation rund um das Coronavirus fast alle Bereiche des Lebens vor Herausforderungen und wirft dadurch Schlaglichter auf alle jene Teile unserer Gesellschaft, die sich bereits vor der Corona-Pandemie in der Krise befanden.

Dies gilt auch für die für Ende April bzw. Anfang Mai geplanten Abitur- und zentralen Abschlussprüfungen. Nach der Schließung aller Schulen in NRW war in den letzten Tagen nicht klar, ob bzw. in welcher Form die Prüfungen in diesem Jahr stattfinden würden. Nach einigem hin und her stellte die Kultusminister*innenkonferenz (KMK) am Mittwoch klar, dass alle Prüfungen wie geplant oder zu einem Nachholtermin stattfinden sollen. Dieser Plan bringt für Schüler*innen jedoch eine ganze Reihe an Problemen mit sich:

  • Der Unterrichtsausfall durch Schulschließungen in den letzten drei Wochen vor den Osterferien hat dazu geführt, dass teilweise nicht einmal alle obligatorischen Unterrichtsinhalte behandelt werden konnten, er führte aber vermutlich an fast allen Schulen dazu, dass eine zielgerichtete Wiederholung der gesamten Inhalte der Qualifikationsphase gemeinsam im dem Kurs und der Lehrkraft nicht stattfinden konnte. Dadurch werden die Ungerechtigkeiten aufgrund sozialer Ungleichheit, die das mehrgliedrige Schulsystem in Deutschland ohnehin mit sich bringt, noch verstärkt: Manche Schüler*innen haben Eltern, die ihnen entweder unmittelbar als Unterstützung zur Seite stehen oder Nachhilfe finanzieren können, andere nicht. Die Unfairness, die ein Zentralabitur ohnehin mit sich bringt – trotz ungleicher Ausgangsbedingungen werden innerhalb einer Schule, aber auch zwischen Schulen in unterschiedlich “starken” Sozialräumen die gleichen Maßstäbe angelegt – wird folglich noch größer werden. Die Willkürlichkeit der Notengebung, die notwendigerweise mit dem Zentralabitur verbunden ist, wird so noch vergrößert.
    Es wird Zeit, sich endlich von einem Benotungssystem zu verabschieden, dessen mangelnde Aussagekraft und Vergleichbarkeit seit Jahrzehnten wissenschaftlich untersucht und belegt ist.[1] Es sollten endlich alternative Möglichkeiten der Bewertung der Leistungen von Schüler*innen etabliert werden, die den Fokus nicht auf das Abfragen standardisierter “Kompetenzen” legen, sondern auf die individuelle Entwicklung jedes einzelnen Kindes. Das wäre übrigens auch eine Grundvoraussetzung für ein inklusives Schulsystem, das diesen Namen verdient und den Zielen der UN-Behindertenrechtskonvention gerecht werden würde.
  • Das Ausweichen auf “virtuelle Klassenräume” und “E-Learning” offenbart die Probleme, die mit dieser angeblich revolutionär-neuen Unterrichtsweise verbunden sind. Es wird deutlich, dass “digitales Lernen” eben kein adäquater Ersatz für das ist, was im vermeintlich veralteten “klassischen” Unterricht in der Schule stattfindet, sondern im besten Fall eine sinnvolle Ergänzung hierzu darstellen kann.
    Es kann eben nicht vorausgesetzt werden, dass jede*r Schüler*in zu Hause einen ruhigen Arbeitsplatz mit Computer, schnellem Internetzugang und Drucker zur Verfügung hat, sowie Eltern, die ihre Kinder inhaltlich unterstützen können.
    Zudem hat sich gezeigt, dass die bisher eingesetzten Plattformen wie Moodle sowie die informationstechnologische Infrastruktur des Bildungssystems kollabieren, wenn tatsächlich mal mehrere Klassen oder gar Jahrgangsstufen gleichzeitig versuchen, in die “virtuellen Klassenzimmer” zu gelangen. Die alltägliche Erfahrung aus dem “digitalen Unterricht” (“Der Beamer / das WLan / der Zugriff auf das Video funktioniert nicht.”) wird quasi potenziert. Es zeigt sich, dass die jahrzehntelange Sparpolitik im Bereich des Bildungswesens im Fall einer Krise mindestens zu einer noch deutlicheren Überforderung und Überlastung führt, wenn nicht zum Kollaps.
    Wenn schon vor Jahren damit begonnen worden wäre, die Infrastruktur in Schulen auszubauen, Lehrkräfte fortzubilden (und in ausreichender Zahl auszubilden…), sinnvolle Konzepte und Plattformen für “digitales Lernen” zu entwickeln, kurz: Wenn für Bildung so viele personelle und finanzielle Ressourcen zur Verfügung gestellt worden wären, wie das in Sonntagsreden über “Bildung als unsere Zukunft” formuliert wurde, dann hätte das Bildungssystem viele der problematischen Folgen einer solchen Krise möglicherweise abfedern, zumindest aber verringern können.
  • Alles in allem wird durch die Entscheidung, die Abiturprüfungen trotz der Belastungen für Schüler*innen durch die Corona-Krise wie geplant durchzuführen (“business as usual”), die Last jahrelanger Unterfinanzierung und Unterausstattung des Schulsystems auf dem Rücken der Abiturient*innen abgeladen.

Deswegen fordert die LSV im Bezug auf das Abitur und die zentralen Abschlussprüfungen:

  • Alle Schüler*innen müssen die freie Auswahl zwischen dem sogenannten “Durchschnittsabitur” (berechnet aus den Leistungen der Qualifikationsphase) und dem Ablegen der Prüfungen (sobald diese aus Sicht des Infektionsschutzes wieder möglich ist) haben. Beide Entscheidungen müssen dabei gleichwertig behandelt werden.
  • Die Abiturprüfungen dürfen nicht auf die gleiche Art und Weise wie bisher zentral gestellt werden. Stattdessen sollen die Lehrkräfte die drei Aufgaben aus den insgesamt sechs zentral gestellten Klausuren (je 3 für den regulären Prüfungstermin und den Nachschreibtermin) auswählen, die ihrer Ansicht nach am besten zur Vorbereitung im Unterricht in der Qualifikationsphase passen. Diese Vorgehensweis ermöglicht es ihnen, Rücksicht darauf nehmen, dass bestimmte Themengebiete nicht mehr oder nur unzureichend (z.B. im “home office”) bearbeitet werden konnten. Darüber hinaus sollen die Lehrkräfte auch bei der Bewertung in erhöhtem Maße die jeweiligen unterrichtlichen Voraussetzungen beachten.
    Für eventuell anfallende Nachschreibklausuren entwerfen die Lehrkräfte eigene Klausuren, entsprechend der bisherigen Vorgehensweise bei Schüler*innen, die sowohl am regulären als auch am Nachschreibtermin krankheitsbedingt oder unverschuldet die Prüfung nicht ablegen konnten.
  • Alle Prüfungstermine müssen, wenn sie verschoben werden, den Schüler*innen mindestens vier Wochen vor den eigentlichen Terminen ankündigt werden. Dabei sollte kein*e Schüler*in mehr als zwei Prüfungen pro Woche ablegen müssen.
  • Unabhängig von Überlegungen des Infektionsschutzes muss allen Schüler*innen bis Ende des Schuljahres ein Abschlusszeugnis vorliegen, im Zweifel auch ohne Abitur-Prüfung im klassischen Sinne. Schüler*innen, die nicht mit dem “Durchschnitts-Abitur” zufrieden sind, sollten zunächst ein solches Zeugnis erhalten, aber die Möglichkeit haben, Einspruch dagegen einzulegen und – sobald dies wieder möglich ist – die Prüfungen nachzuholen und dann die Abschlussnote auf Grundlage der Vornoten sowie dieser Prüfung erhalten.
  • Sollten die Prüfungen – wie bisher vorgesehen – in naher Zukunft durchgeführt werden, sollte den Schüler*innen zuvor mindestens zwei Wochen Unterricht angeboten werden. Nur so kann sichergestellt werden, dass die vor den Ferien verlorengegangene Zeit angemessen nachgearbeitet werden kann. Den Schüler*innen sollte freigestellt sein, ob sie an diesem Unterricht teilnehmen (was empfehlenswert erscheint) oder ob sie selbständig lernen wollen.
  • Schüler*innen, die praktische Leistungen bei der Ablegung des Abiturs zeigen müssen, dürfen nicht benachteiligt werden. Beispielsweise darf im Fach Sport nicht einseitig auf Einzelsportarten (z.B. Leichtathletik) fokussiert werden, wenn Schüler*innen z.B. in Teamsportarten zu besseren Ergebnissen gelangen könnten. Gleichfalls darf die Prüfung nicht ausschließlich auf theoretische Leistungen reduziert werden.
  • Die Landesregierung NRW und die Bundesregierung müssen sich auf europäischer Ebene dafür einsetzen, dass unabhängig von der für die Abiturprüfung gefundenen Lösung eine gegenseitige Anerkennung der Abschlüsse in den verschiedenen (europäischen) Ländern erfolgt.

Bezogen auf die zentralen Prüfungen fordert die LSV NRW, dass analog zu den Forderungen zu den Abiprüfungen in jeglicher Hinsicht pädagogisch und zu Gunsten der Prüflinge mit den durch die Corona-Krise verursachten Problemen umgegangen wird.


[1] Siehe z.B. Ursula Leppert: Ich hab eine Eins! Und DU?: Von der Notenlüge zur Praxis einer besseren Lernkultur; München 2010, Kap. 1.7.

Abiturprüfungen in Zeiten von Corona: Forderungen der LSV NRW

Wie in unserem gestern veröffentlichten Positionspapier (abrufbar unter: lsvnrw.de/corona) dargelegt, stellt die aktuelle Situation rund um das Coronavirus fast alle Bereiche des Lebens vor Herausforderungen und wirft dadurch Schlaglichter auf alle jene Teile unserer Gesellschaft, die sich bereits vor der Corona-Pandemie in der Krise befanden.

Dies gilt auch für die für Ende April bzw. Anfang Mai geplanten Abitur- und zentralen Abschlussprüfungen. Nach der Schließung aller Schulen in NRW war in den letzten Tagen nicht klar, ob bzw. in welcher Form die Prüfungen in diesem Jahr stattfinden würden. Nach einigem hin und her stellte die Kultusminister*innenkonferenz (KMK) am Mittwoch klar, dass alle Prüfungen wie geplant oder zu einem Nachholtermin stattfinden sollen. Dieser Plan bringt für Schüler*innen jedoch eine ganze Reihe an Problemen mit sich:

  • Der Unterrichtsausfall durch Schulschließungen in den letzten drei Wochen vor den Osterferien hat dazu geführt, dass teilweise nicht einmal alle obligatorischen Unterrichtsinhalte behandelt werden konnten, er führte aber vermutlich an fast allen Schulen dazu, dass eine zielgerichtete Wiederholung der gesamten Inhalte der Qualifikationsphase gemeinsam im dem Kurs und der Lehrkraft nicht stattfinden konnte. Dadurch werden die Ungerechtigkeiten aufgrund sozialer Ungleichheit, die das mehrgliedrige Schulsystem in Deutschland ohnehin mit sich bringt, noch verstärkt: Manche Schüler*innen haben Eltern, die ihnen entweder unmittelbar als Unterstützung zur Seite stehen oder Nachhilfe finanzieren können, andere nicht. Die Unfairness, die ein Zentralabitur ohnehin mit sich bringt – trotz ungleicher Ausgangsbedingungen werden innerhalb einer Schule, aber auch zwischen Schulen in unterschiedlich “starken” Sozialräumen die gleichen Maßstäbe angelegt – wird folglich noch größer werden. Die Willkürlichkeit der Notengebung, die notwendigerweise mit dem Zentralabitur verbunden ist, wird so noch vergrößert.
    Es wird Zeit, sich endlich von einem Benotungssystem zu verabschieden, dessen mangelnde Aussagekraft und Vergleichbarkeit seit Jahrzehnten wissenschaftlich untersucht und belegt ist.[1] Es sollten endlich alternative Möglichkeiten der Bewertung der Leistungen von Schüler*innen etabliert werden, die den Fokus nicht auf das Abfragen standardisierter “Kompetenzen” legen, sondern auf die individuelle Entwicklung jedes einzelnen Kindes. Das wäre übrigens auch eine Grundvoraussetzung für ein inklusives Schulsystem, das diesen Namen verdient und den Zielen der UN-Behindertenrechtskonvention gerecht werden würde.
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Positionspapier der LSV NRW zur Corona-Krise

Mit dem Fortschreiten der COVID-19-Pandemie vermehren sich auch die an uns gerichteten Anfragen, wie aus unserer Sicht mit der aktuellen Situation umzugehen sei. Da wir als Schüler*innenvertreter*innen jedoch weder Mediziner*innen noch Expert*innen für öffentliche Gesundheit sind, sehen wir es nicht als unsere Aufgabe, Stellung zu Fragen des Infektionsschutzes zu beziehen. Stattdessen möchten wir im Folgenden einen Blick auf die durch Pandemie gestellten oder vernachlässigten (schul-)politischen Fragen werfen.

#1 Corona ist nicht nur eine gesundheitliche Krise
Vor dem Hintergrund hunderttausender Erkrankter und tausender Toter gilt es einen Blick auf alle Bereiche unserer Gesellschaft zu werfen, die sich, verstärkt durch die voranschreitende Pandemie, in der Krise befinden:

Während man sich noch vor wenigen Monaten weigerte, Gesundheits- und Krankenpfleger*innen ein angemessenes Gehalt zu zahlen, und der Vorschlag, die Hälfte aller Krankenhäuser zu schließen, öffentlich diskutiert wurde, beklagt man heute den Mangel an Fachkräften und Betten auf Intensivstationen.

Während Unternehmen in den letzten Jahrzehnten ihre Produktion nach China verlagerten, um durch den Einsatz von billigeren Arbeitskräften ihren Gewinn zu maximieren, mangelt es heute an lebenswichtiger Schutzausrüstung und Beatmungsgeräten.

Während die “deutsche Wirtschaft” sich durch Lohndumping, Kurz- bzw. Leiharbeit und Exportüberschüsse gegen ihre europäischen Konkurrenten durchsetzen konnte und dadurch Milliardengewinne produzierte, ruft sie nun nach staatlichen Hilfen.

Während prekär Beschäftigten, Arbeitslosen, Geflüchteten und vielen anderen ein menschenwürdiges Leben durch den Staat strukturell verweigert wird, ist die Empörung heute groß, wenn Menschen in der Erwartung, der Staat würde sich weiterhin wenig um sie scheren, Hamsterkäufe tätigen oder gegen besseres Wissen auch mit Fieber noch arbeiten gehen.

Das Coronavirus macht in seiner Ausbreitung keinen Unterschied zwischen arm und reich, aber seine Auswirkungen treffen Arbeiter*innen, Arbeitslose und marginalisierte Menschen besonders hart. Damit ist es nicht nur eine gesundheitliche Krise, sondern eine Krise des Kapitalismus. Weiterlesen

Offener Brief

An die BSV der StädteRegion Aachen,
Bonn, Kreis Borken, Kreis Coesfeld, Kreis
Gütersloh & des Rheinisch-Bergischen Kreises

Offener Brief
des Landesvorstands der LSV NRW,
der Bezirksschüler*innenvertretung Düsseldorf,
der Bezirksschüler*innenvertretung Kreis Herford,
der Bezirksschüler*innenvertretung Kreis Steinfurt,
der Bezirksschüler*innenvertretung Kreis Viersen,
der Bezirksschüler*innenvertretung Leverkusen,
der Bezirksschüler*innenvertretung Bochum,
der Bezirksschüler*innenvertretung Köln,
der Bezirksschüler*innenvertretung Bielefeld,
der Bezirksschüler*innenvertretung Münster
der Bezirksschüler*innenvertretung Hagen,
der Bezirksschüler*innenvertretung Essen,
der Bezirksschüler*innenvertretung Kreis Siegen-Wittgenstein,
der Bezirksschüler*innenvertretung Kreis Düren,
der Bezirksschüler*innenvertretung Kreis Heinsberg und
der Bezirksschüler*innenvertretung Solingen.

Die unterzeichnenden Bezirksschüler*innenvertretungen (BSVen) sowie der Landesvorstand der Landesschüler*innenvertretung NRW (LSV NRW) fordern die BSVen Aachen, Bonn, Borken, Coesfeld, Gütersloh und Rhein-Berg auf, den Antrag auf eine außerordentliche Landesdelegiertenkonferenz (LDK) nach §3.8 der Satzung der LSV NRW zurückzuziehen.

Es steht außer Frage, dass die genannten BSVen das Quorum erreicht haben, eine außerordentliche LDK zu beantragen, und dass diese dann laut Satzung innerhalb von 10 Tagen durchzuführen ist. Diesen Auftrag wird die LSV NRW, wenn der Antrag bestehen bleibt, erfüllen. Soweit die rechtliche Lage.

Wir sehen dennoch keinen Grund der beantragenden BSVen, diese Maßnahme zu ergreifen. Wenn es politische Gründe gäbe, innerhalb von 10 Tagen eine außerordentliche LDK einzuberufen, würden wir diese Gründe vielleicht teilen – in jedem Fall würden wir dann eine außerordentliche LDK durchführen.
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SV-Arbeit außerhalb der Schule

SV-Tipps Ihr wollt als SV eure Projekte auch in Stadt oder Kreis umsetzen? Eure SV benötigt Unterstützung und weiß nicht, wo sie nachfragen kann? Wer sind die Big Player in der Region? Hier geht es um überschulische SV-Arbeit. Mit wem lohnt sich die Zusammenarbeit und wo sind Grenzen? Wie kann man Projekte mit mehreren SVen planen und was ist eigentlich eine Bezirksschüler*innenvertretung?

Worum geht‘s genau?

  • Vernetzung mit anderen SVen
  • Projektplanung und Austausch über aktuelle Projekte
  • Bündnis- und Ansprechpartner*innen in der Region kennenlernen
  • Was bringt mir das?

  • Wissen über Akteure und Strukturen in der Region
  • Neue Projektideen und Tipps zur Umsetzung
  • Ideen für gute Zusammenarbeit zwischen einzelnen SVen
  • 15.-17.05.2020
    FR 18:00 bis SO 13:00 Uhr
    JBZ Hattingen, Am Homberg 44-50, 45529 Hattingen

    Zur Anmeldung
    Dieses Seminar wird von der DGB-Jugend NRW in Kooperation mit der LSV NRW angeboten.

    Pressemitteilung: Kostenlose Schüler*innentickets

    „Klimaschutz und Verkehrswende brauchen mehr als Sonntagsreden“, so lautet ein Antrag der SPD-Fraktion im Landtag NRW im heutigen Verkehrsausschuss. Die NRW SPD möchte ein kostenloses Ticket für Kinder und Jugendliche Nordrhein-Westfalens einführen. Die Landesschüler*innenvertretung NRW (kurz LSV NRW) fordert das, bisher ungehört, nun schon seit mehreren Jahren, auch schon zu Zeiten der ehemaligen SPD/Grünen-Landesregierung. Auch die „Fridays for Future“ Bewegung fordert dieses Ticket seit mehreren Monaten, dort sind viele Schüler*innen auf den Straßen, leider blieben die Ideen für eine verkehrspolitische Wende bisher ungehört. Ein kostenloses Kinder- und Jugendlichen-Ticket wäre zumindest ein kleiner Schritt in die richtige Richtung. Weiterlesen

    Stellungnahme kostenfreies Schüler*innenticket für NRW

    Sehr geehrte Abgeordnete des Verkehrsausschusses,
    sehr geehrte sachkundige Bürger*innen,
    sehr geehrte Damen und Herren,

    als Landesvorstand der Landesschüler*innenvertretung NRWs, im Folgenden nur noch LSV NRW genannt, vertreten wir stellvertretend die 2,6 Millionen Schüler*innen, also die zukünftigen Wähler*innen des Landes Nordrhein-Westfalens.

    Die LSV NRW fordert seit mehreren Jahren, auch schon zu Regierungszeiten der Antragstellenden, ein kostenloses Schüler*innen-Ticket für NRW. Deswegen finden wir es begrüßenswert, allerdings auch überfällig, dass die Politik endlich bemerkt, vor welchen Problemen wir Schüler*innen stehen. Weiterlesen

    Stellungnahme Wahlalter auf 16 Jahre absenken

    Stellungnahme Wahlalter auf 16 Jahre absenken
    Anhörung A05 – 31.10.2019

    Sehr geehrte Abgeordnete des Hauptausschusses,
    sehr geehrte Abgeordnete des Rechtsausschusses,
    sehr geehrte Abgeordnete des Ausschusses für Familie, Kinder und Jugend,
    sehr geehrte sachkundige Bürger*innen,
    sehr geehrte Damen und Herren,

    Der politische Druck von jugendlichen Schüler*innen in Nordrhein-Westfalen ist verschwindend gering. Minderjährige Schüler*innen können weder durch Wahlen aktiv an der (Schul-)politik des Landes teilnehmen, um diesen wichtigen Lebensbereich mitzugestalten, noch aktiv, als Kandidat*innen, für andere Schüler*innen einstehen. Gleichzeitig wird über eine wachsende Politikverdrossenheit der Jugend und ein hohes Durchschnittsalter innerhalb politischer Parteien geklagt. So rangiert NRW bei politischem Wissen von Jugendlichen im Europa-Vergleich hinten¹.

    Wir als Landesschüler*innenvertretung NRW (LSV NRW) sehen einen direkten Zusammenhang zwischen diesen beiden Aspekten. Denn nur die Möglichkeit, sich einzubringen und die aktuelle Situation zu verändern, erzeugt das Interesse und die Motivation, sich politisch zu engagieren. Dies wiederum ist entscheidend für alle 2,6 Millionen Schüler*innen in NRW, denn solange wir Schüler*innen nicht Wähler*innen und Kandidat*innen sein können, die Betroffenen also außen vor sind, wird es auch keine schüler*innenorientierte Schulpolitik geben. Weiterlesen

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