Soziale (Un-)Gerechtigkeit – Schule als Zukunftskiller

Pressemitteilung zum Welttag der sozialen Gerechtigkeit (20.2.)

Soziale (Un-)Gerechtigkeit – Schule als Zukunftskiller

Die LSV NRW fordert anlässlich des Welttags der sozialen Gerechtigkeit
eine an ihre Wurzel gehende Umstrukturierung der Bildungspolitik, da
spätestens durch die aktuelle pandemische Lage deutlich geworden ist,
wo seit Jahren versagt wird.

Konkret bedeutet das die Einführung einer inklusiven
Ganztagsgesamtschule (IGGS) als Regelschule, um dem destruktiven
Konkurrenzkampf entgegenzuwirken, kostenlose Bildung ohne Eigenanteil
und einen Förderungsstopp von staatlichen Subventionen für
Privatschulen.

Zudem kritisiert die LSV NRW, dass Schüler*innen grundsätzlich nur als
“Humankapital” betrachtet werden. Stattdessen muss die vermittelte
Bildung mit höchster Priorität selbstdenkende, kritische und damit
demokratietaugliche mündige Bürger*innen schaffen.
Wir alle leiden unter der aktuellen Situation. Sei es der derzeit
unerfüllbare Wunsch, endlich mal wieder die eigenen Freund*innen zu
treffen, die Angst, den Anschluss zum Unterricht zu verlieren, oder die
Existenzsorgen, wie lange man das alles noch aushält – um nur ein paar
der Probleme zu nennen.

Doch obwohl alle unter der Pandemie leiden, gibt es leider wieder
Menschen, die stärker betroffen sind als andere. Während der*die eine
im Homeschooling stets Unterstützung von seinem*ihrem Umfeld erfahren
darf, müssen andere den Unterricht alleine stemmen. Es gibt Menschen,
die problemlos am Unterricht auf Distanz teilnehmen können, und andere,
bei denen die technischen Mittel nicht vorhanden sind, geschweige denn
eine ausreichende Internetverbindung.

Die aktuellen Maßnahmen der Landesregierung, um diese Probleme zu
beheben, sind dabei nur ein Tropfen auf dem heißen Stein, denn die
Ungleichheit bleibt dennoch bestehen, wenn sich nicht grundsätzlich
etwas an den gesellschaftlichen und bildungspolitischen Strukturen
ändert. Die Ausstattung aller Schüler*innen mit technischen Geräten –
was ja nicht einmal der Fall ist – wird die anhaltende Ungleichheit in
einem mehrgliedrigen selektiven Schulsystem nicht kompensieren.

“Es reicht nicht, technische Geräte anzuschaffen, um die
Chancengleichheit zu gewährleisten, solange wir an einem ewigen
Konkurrenzkampf festhalten und Schüler*innen anhand ihrer Leistung in
Kategorien einordnen. Wir müssen die Probleme an ihrer Wurzel packen
und lösen!”, kritisiert Carlotta Gehring aus dem Landesvorstand.

Daher fordert die LSV NRW die Einführung der Inklusiven
Ganztagsgesamtschule (IGGS) als Regelschule, um an Stelle des
Konkurrenzkampfes Solidarität und Kollektivität unter den
Schüler*innen zu leben und zu lehren.
Darüber hinaus muss aber auch das grundsätzliche Konzept der
Einrichtung Schule überdacht werden.

Ganz nach dem Motto “Schreib gute Noten, damit du dann einen guten
Arbeitsplatz findest, an dem du viel Geld verdienst”, zielt der
Unterricht größtenteils darauf ab, Schüler*innen ausschließlich auf
das Arbeitsleben vorzubereiten. “Doch wollen wir Schüler*innen
wirklich nur auf ihre Leistung reduzieren? Sie als Produkt für ein
Wirtschaftssystem definieren, das auf Konkurrenzkampf und Ausbeutung
basiert? Nein, Schüler*innen sollten als Grundbaustein für die
kommende Gesellschaft lernen, Systeme und Entscheidungen progressiv und
kritisch zu hinterfragen und durch Motivation anstelle von Zwang
Forschung und Entwicklung voranzutreiben.”, so Julius van der Burg aus
dem Vorstand der LSV NRW.

Auch hier muss also ein Umdenken her. Schüler*innen sind keine Ware und
Schulen keine Fabriken, die sie nur auf das spätere Berufsleben
vorbereiten. Denn in diesem Lebensabschnitt werden viele Grundlagen für
das Demokratieverständnis und das soziale Zusammenleben gestellt,
dementsprechend muss die Schule die Schüler*innen vor allem dazu
befähigen, selbstreflektiert, selbstbestimmt und mündig handeln zu
können.
Damit Schule überhaupt gleichberechtigt und chancengleich stattfinden
kann, sind zusätzlich weitere Maßnahmen vonnöten. So muss Bildung
grundsätzlich kostenlos sein, d.h. dass sämtliche Kosten (seien es
Hefte, Schreibmaterial oder auch technische Geräte, wie Tablets) von
den Kommunen, dem Land NRW oder dem Bund übernommen werden müssen.
Am Beispiel des Gesundheitssektors hat sich schon gezeigt, dass die
Pflicht, Gewinne zu erwirtschaften, zu desolaten Zuständen führt.
Dieses Beispiel zeigt erneut – sensible und bedeutende Bereiche wie das
Schulsystem müssen in staatlicher Hand bleiben und dürfen nicht
privatisiert werden. Und schon gar nicht sollte der Staat – in diesem
Fall das Land NRW bzw. einzelne Kommunen – die Einrichtung von
Privatschulen auch noch zusätzlich unterstützen.

Denn neben den Profitinteressen fördert die Existenz von Privatschulen
die Bildung von Eliten und Chancenungleichheit, da diese einerseits
über mehr finanzielle und materielle Mittel verfügen als staatliche
Schulen und andererseits sogar Schulgeld erheben können.
Durch die aktuelle pandemische Lage ist die Bildungskrise in der
Gesellschaft und in den Medien wieder offensichtlich. Aktuell findet ein
völlig anderer Unterricht statt als normalerweise – der beste
Zeitpunkt, mit dem bisherigen Konzept Schule zu brechen und sich endlich
einer demokratischen, integrativen, solidarischen und
schüler*innenfreundlichen Schule zuzuwenden!

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