Pressemitteilung: Schüler*innen in NRW gegen neues Fach Wirtschaft: „Bildungsministerium regiert an uns vorbei!“

Düsseldorf, 23. November 2018. Die Landesschüler*innenvertretung NRW (LSV NRW) lehnt die Einführung eines Fachs Wirtschaft, auch im Gewand des Schwerpunktfachs “Wirtschaft/ Politik”, ab. Das Anliegen der Frau Ministerin Yvonne Gebauer (FDP) stößt auch außerhalb der LSV NRW auf viel Kritik, dennoch stürzt sich die Landesregierung nun mit neuem Tatendrang auf dieses Vorhaben. Statt ein eigenes Fach “Wirtschaft” einzuführen, beabsichtigt das Bildungsministerium, das Fach Politik/ Wirtschaft durch ökonomischen Schwerpunkt umzuformen. Über konkrete Lehrplaninhalte schweigt das Ministerium auch auf Nachfrage beharrlich, trotzdem ist abzusehen, dass der Anteil der politischen Bildung zugunsten “ökonomischer Bildung” sinken wird.

Das Urteil von Interessenverbänden wie der GEW und Experten wie Herrn Professor Dr. Reinhold Hedtke der Universität Bielefeld zu den Planungen des Ministeriums ist überwiegend kritisch. „Das Bildungsministerium regiert an den Bedürfnissen von uns Schüler*innen vorbei“, stellt Moritz Bayerl fest, Mitglied im Landesvorstand der LSV NRW. „Besonders politische Bildung sollte in Zeiten eines erstarkenden Rechtspopulismus gefördert werden.”.

Bei den Verbänden selbst ist besonders die Empörung über die verschlossene Haltung des Ministeriums groß, diese Vorgehensweise wird hinter vorgehaltener Hand als Selbstinszenierung gehandelt. „So kann man doch nicht zusammenarbeiten“, wundert sich Nikolaj Grünwald, ebenfalls Mitglied im Landesvorstand der Landesschüler*innenvertretung NRW, „vor einigen Tagen erst wurde uns eine Einladung vorgelegt, heute werden wir mit Plänen konfrontiert, die uns nur vage vorgetragen wurden. Uns wurden keine Inhalte präsentiert, obwohl sie laut Frau Ministerin intern vorliegen, und schriftlich haben wir rein gar nichts erhalten. Deshalb sind wir besorgt über die weitere Entwicklung bei der Umsetzung der Fächerplanung.”

Gefährlich ist eine Vernachlässigung politischer Bildung in der Schule: Studien wie die ICCS Studie (2016) zeigen, dass es Schüler*innen in besonderem Maße an politischer Bildung mangelt. So machen politische Inhalte in der Sekundarstufe I nur 1,3% des Gesamtunterrichtvolumens aus. Weiterhin belegen Studien der Universität Bielefeld, dass bereits heute nur 32% des Politikunterrichts am Gymnasium politischen und nicht wirtschaftlichen Themen gewidmet ist. Eine Stärkung des Unterrichtsfachs Wirtschaft geht einher mit noch stärkerer Schwächung der politischen Bildung und ist zudem eine offene Tür für unreflektierte Lobbyarbeit der Unternehmen. Nikolaj Grünwald schließt: „Schulen sind keine Orte der Produktion! Die Ideologie der Verwertbarkeit muss raus aus unseren Köpfen, sonst werden wir es irgendwann bereuen. Deshalb: Statt des Faches Wirtschaft müssen wir Gesellschaftswissenschaften im Ganzen stärken!“

Wir sind mehr wert!

falt-unter-smallSo lautet der Titel unserer Kampagne gegen die chronische Unterfinanzierung des Bildungssystems. Es fehlt an allen Ecken: Zu wenig Lehrer*innen, zu wenig Schulsozialarbeit, marode Schulgebäude, schlechte Ausstattung, vielerorts gibt es nicht einmal spezielle ÖPNV-Tickets für Schüler*innen.
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Faltblatt (pdf, 799kB), das auch kostenfrei bestellt werden kann.

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