Gesundheitsschutz statt standardisiertes Bewerten!

Pressemitteilung:

Gesundheitsschutz statt standardisiertes Bewerten!

 

Die Landesschüler*innenvertretung (LSV) NRW fordert, dass das Ministerium für Schule und Bildung (MSB) die körperliche und seelische Gesundheit der Schüler*innen priorisieren soll, anstatt weiterhin Abschlüsse (Abitur/Zentrale Prüfungen) in den Fokus zu stellen. Daher müssen die Abschlüsse weiter angepasst werden. Zudem kritisiert die LSV NRW die Bewertung des Distanzunterrichts, denn es existiert keine zum Präsenzunterricht vergleichbare Bewertungsgrundlage.

 

Die LSV NRW fordert seit Beginn des Schuljahres 2020/2021 eine Dezentralisierung der Abschlussprüfungen sowie die Einführung einer Wahlmöglichkeit zwischen dem Ablegen der Prüfungen und einer Durchschnittsnote. Auf diese Forderung ging das MSB nicht ein, sondern blieb trotz monatelangen Schulschließungen bei der Anpassung vom Sommer 2020. Damit verpasste die Regierung die Möglichkeit, “fairere” Abschlüsse zu ermöglichen. Deshalb sieht die LSV sich gezwungen, ihre Forderungen an den kurzen Handlungszeitraum bis zu den Abschlussprüfungen zu ergänzen. Daher bedarf es einer noch stärkeren Anpassung der Abschlüsse, denn die bereits getroffenen Maßnahmen reichen nicht annähernd aus, um die Zeit des Distanzunterrichts zu kompensieren. Deswegen sollen Abschlüsse so schulindividuel wie möglich stattfinden. Dies soll durch mindestens zweimal so viele Prüfungsvorschläge für die Lehrer*innen gewährleistet werden. Zudem sollen die Schüler*innen auch in Mathematik und den naturwissenschaftlichen Fächern, wie Chemie, die Möglichkeit bekommen, zwischen Prüfungsaufgaben zu wählen, wie es zum Beispiel in Deutsch oder Geschichte der Fall ist. Zudem muss die Zentrale Prüfung in der Mittelstufe wie letztes Schuljahr dezentral stattfinden. Des Weiteren sollen alle Schüler*innen bei allen Abschlüssen einen Freiversuch erhalten. Das bedeutet konkret, dass die Schüler*innen die Möglichkeit haben, die Prüfung noch einmal abzulegen. 

Jedoch sollen nicht nur die Prüfungsbedingungen geändert werden, auch der Ablauf der Prüfung an sich muss verändert werden. „Das ständige Tragen einer Maske bei einer Prüfung beeinträchtigt stark die Konzentration der Schüler*innen. Daher müssen  Schüler*innen mehr Zeit bekommen, um diesen Konzentrationsverlust durch individuelle Pausen alleine an der frischen Luft ohne Maske zu kompensieren”, meint Sophie Halley aus dem Landesvorstand. Außerdem sollen auch die Schüler*innen der gymnasialen Einführungsphase von G8-Schulen als Abschlussklasse betrachtet werden. Schließlich erwerben die Schüler*innen anschließend ihre Fachoberschulreife, mit der sie sich gegebenenfalls auf eine Stelle oder an einem Berufskolleg bewerben können. 

 

Eine zentrale Forderung der LSV NRW ist – wie bereits oben genannt – die Abschaffung der Bewertung des Distanzunterrichts. In vergangenen Pressemitteilungen hat die LSV NRW mehrfach darauf aufmerksam gemacht, dass die Pandemie die soziale Ungleichheit verstärkt. Die Digitalisierung ist längst nicht überall angekommen (siehe Pressemitteilung: Trauerspiel Digitalisierung im Kontext der Krise). “Es kann nicht sein, dass Schüler*innen vor diesem Hintergrund bewertet werden. Das widerspricht jeglicher Auffassung von Chancengleichheit”, kritisiert Samuel Bielak aus dem Landesvorstand.

Abgesehen von der Bewertung kritisiert die LSV NRW, dass Entscheidungen bzgl. des Distanzunterrichts automatisiert und zentralisiert gefällt werden. Es gibt keine Möglichkeit für die Kommunen, das individuelle Infektionsgeschehen in die Entscheidungen mit einzubeziehen. Es können nicht die gleichen Regelungen für Kommunen gelten, die einen Inzidenzunterschied von über 50 aufweisen. Infolge der von Schule zu Schule unterschiedlich langen Distanzunterrichtszeiten wegen der unterschiedlichen Infektionsgeschehen, müssen auch die Klausuren angepasst werden. “Die Schulen sollen die Möglichkeit haben, die Anzahl der Klausuren auf die verbleibende Zeit des Schuljahres individuell anzupassen. Die Schüler*innen sollen auch die Möglichkeit bekommen, nur ausgewählte Klausuren werten zu lassen”, so Samuel Bielak.

 

Die langanhaltende Pandemie und die daraus resultierende Belastung führt zu einer Beeinträchtigung der seelischen Gesundheit der Schüler*innen. Deswegen braucht es verstärkte Angebote der Schulsozialarbeiter*innen bzw. Schulpsycholog*innen. Diese sollen jedoch, wenn es nötig ist, von Therapeut*innen, externen Organisationen oder dem Jugendamt unterstützt werden. Das Angebot soll sowohl digital als auch analog als Eins-zu-Eins Gespräch stattfinden können.

 

Abschließend fordert die LSV NRW das MSB auf, mehr Transparenz gegenüber den Beteiligten des Schullebens zu schaffen. Für diese ist es mittlerweile eine Normalität geworden, dass offizielle Beschlüsse nicht einmal eine Woche vor der geplanten Umsetzung bekannt gegeben werden. Eltern, Lehrer*innen, Schulleiter*innen und vor allem Schüler*innen sind der ständigen Ungewissheit ausgesetzt. “Es kann nicht sein, dass die Presse als erstes Bescheid weiß, was in den Schulen passieren soll.”, sagt Sophie Halley. Dazu kommt, dass das MSB ungefähr zwei Wochen lang Zeit hatte, um ein durchdachtes Konzept zu entwickeln und vorzustellen, damit die Schulen und Kommunen mehr Vorbereitungszeit bekommen. Stattdessen werden erst fünf Tage vor Schulbeginn die Ergebnisse verkündet. Das ist nach über einem Jahr Pandemie eine untragbare Vorgehensweise!

 

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