Auch die LSV NRW fordert: Erinnerung! Gerechtigkeit! Aufklärung! Konsequenzen! 

Pressemitteilung:

 

Auch die LSV NRW fordert: Erinnerung! Gerechtigkeit! Aufklärung! Konsequenzen! 

 

Heute, am 19.02., jährt sich der rechtsextremistische Anschlag in Hanau, bei dem neun Menschen aufgrund eines rassistischen Motivs ermordet wurden, zum ersten Mal.

Wir gedenken all jener Menschen, die täglich unter rechtsextremistischen Taten leiden müssen – heute insbesondere derjenigen, die in Hanau ermordet wurden:

Gökhan Gültekin, 37 – Sedat Gürbüz, 30 – Said Nesar Hashemi, 21 – Mercedes Kierpacz, 35 – Hamza Kenan Kurtović, 22 – Vili Viorel Păun, 23 – Fatih Saraçoğlu, 34 – Ferhat Unvar, 22 – Kaloyan Velkov, 33. 

Unser Mitgefühl gilt ihren Angehörigen und Freund*innen.

Den Nährboden für solche Anschläge bieten Patriotismus und der rassistische Traum einer “deutschen Leitkultur”, welche zwischen “Deutschen” und “Fremden” unterscheidet. Um diesen Nährboden für das Erstarken rechtsextremer Kräfte zu entziehen, fordert die Landesschüler*innenvertretung NRW (LSV NRW) anlässlich dieses Tages weitreichende Bildungskampagnen gegen Rassismus und Diskriminierung, die Abschaffung des diskrimierenden mehrgliedrigen Schulsystems durch eine Inklusive Ganztagsgesamtschule (IGGS) und die Anerkennung der Tatsache, dass wir in einer Migrationsgesellschaft leben, was unter anderem bedeutet, Abschiebungen grundsätzlich als inhumane Maßnahme abzulehnen.

Anschläge wie in Hanau sind keine plötzlich auftretenden Einzelfälle – sie finden ihren Ursprung nicht in der Tat selbst, sondern sind das Resultat eines strukturellen Rassismus, der sich auf alle gesellschaftlichen Ebenen zurückführen lässt und damit auch nicht vor Schulen halt macht. Der Schule ist daher eine hohe Verantwortung zuzusprechen, rassistische Stereotypen zu hinterfragen und einen Beitrag gegen rechte Strukturen zu leisten. “Wo sollen Schüler*innen demokratisch partizipieren und lernen, was eine Demokratie ausmacht – wo treffen Jugendliche mit so unterschiedlichen Hintergründen aufeinander und können lernen, gemeinsam statt gegeneinander zu interagieren – wo werden Jugendliche und somit auch die Gesellschaft derartig geprägt, wenn nicht in der Schule? Die Schule trägt maßgeblich zur Meinungsbildung und zur Sicht von Schüler*innen auf Demokratie und Gesellschaft bei und sollte dieses Potenzial auch nutzen!”, so Sophie Halley aus dem Vorstand der LSV.

Daher müssen zunächst anhand von verschiedenen Bildungskampagnen, wie der Bildungsinitiative Ferhat Unvar, aber auch durch fächerübergreifende Änderungen der Lehrpläne Rassismus, Ausgrenzung und Rechtsextremismus viel intensiver im Unterricht thematisiert werden. Denn auch, wer Rassismus “nur” toleriert, trägt damit maßgeblich zu solchen Anschlägen bei. 

Im Zentrum der Erinnerungsarbeit müssen dabei auch an Schulen die Erfahrungen unserer migrantisierten Mitbürger*innen stehen. Ihre Stimmen müssen gehört und ihre Forderungen nach konsequenter Aufklärung und Präventionsarbeit umgesetzt werden. Dass die Bereitschaft hierzu bisher fehlt, zeigt sich beispielsweise am Kabinettausschuss „zur Bekämpfung von Rechtsextremismus und Rassismus“, welcher ausschließlich mit nicht von Rassismus betroffenen Menschen besetzt ist.

Zu oft reicht es jedoch nicht, Probleme nur zu thematisieren: Sie müssen konkret angegangen werden, denn rassistische Diskriminierung und Gewalt prägen die Gesellschaft innerhalb und außerhalb der Schule. Zwar kann die Schule den Kampf gegen rechte Strukturen nicht alleine tragen, sollte aber dennoch mit gutem Beispiel vorangehen, um einen antirassistischen Grundstein für die zukünftige Gesellschaft zu legen. Um dem gerecht zu werden, fordert die LSV NRW Inklusion statt Integration: Jeder Mensch bereichert die Gesellschaft – niemand muss sich einer vermeintlichen “Leitkultur” anpassen!

Hierfür ist es nötig, sich von der Vorstellung zu verabschieden, Deutschland wäre kein Einwanderungsland und Zugewanderte müssten sich „integrieren“, also an die „deutsche Leitkultur“ anpassen. Wir leben in einer Migrationsgesellschaft, die so gestaltet werden muss, dass alle Menschen sich wohlfühlen und gut miteinander leben – egal welcher nationalen Herkunft oder religiösen Zugehörigkeit, welcher Hautfarbe, welcher sexuellen Identität oder Orientierung etc.. Methoden wie „Ghettoisierung“ oder die Bildung von „Ausländerklassen“ sind daher nicht hilfreich, da sie zu „Parallel-Existenzen“ oder „Parallel-Gesellschaften“ führen. “Viel sinnvoller wäre die Einführung einer inklusiven Ganztagsgesamtschule und damit die Abschaffung des mehrgliedrigen Schulsystems. Das Konzept dieser Schule legt nämlich grundsätzlich schon dar, dass Schüler*innen mehr als Gruppe lernen und sich gegenseitig als Teil dieser akzeptieren und tolerieren.” erläutert Julius van der Burg aus dem Landesvorstand.

“Schüler*innen helfen sich gegenseitig und interagieren zusammen. Dadurch lernen Schüler*innen, die Besonderheiten der Individuen als Bereicherung aufzufassen und Vorurteile zu hinterfragen und abzubauen.”, so Julius weiter.

In Fällen, wo diese Art der Schulgemeinschaft entstanden ist, passiert es dabei leider häufig, dass geflüchtete Familien und damit auch Schüler*innen, die teilweise hierzulande aufgewachsen sind, urplötzlich in das Herkunftsland abgeschoben werden. Die davon betroffenen Schüler*innen werden aus ihrem Lebensumfeld herausgerissen und in ein Land verfrachtet, in dem sie nie zuvor waren oder sich bewusst dagegen entschieden haben. Alleine die Unsicherheit und die Angst vor einer möglichen Abschiebung sind ein Hemmnis für Geflüchtete. Es fängt damit an, dass die Eltern häufig keine vernünftige Arbeit finden können, da Betriebe grundsätzlich ungern Menschen einstellen wollen, die nach ein paar Jahren plötzlich abgeschoben werden können. Im Schulkontext  führt dies zu noch mehr Ungleichheit, weil die finanzielle Situation immer noch maßgeblich über den schulischen Erfolg bestimmt. Dazu kommen zeitintensive Gespräche mit Anwält*innen bezüglich des Asylverfahrens und eine enorme Ungewissheit, was zum einen großen Einfluss auf die Lernerfolge von geflüchteten Schüler*innen hat und zudem  auch auf die psychische Gesundheit jener.

Um diese Problematik zu lösen, fordert die LSV NRW die grundsätzliche Abschaffung von Abschiebungen, um Geflüchtete nicht dieser enormen Unsicherheit und Belastung auszusetzen.

Der rechtsextremistische Anschlag in Hanau ist eine schmerzliche Erinnerung daran, wie wichtig die Sensibilisierung für Toleranz und ein soziales und solidarisches Miteinander ist. Dies muss vor allem in Schulen gelebt werden, um von Grund auf ein anderes Verständnis herbeizuführen.

 

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen