„Marsch für das Leben“ – Frühsexualisierung?! Was soll das sein?!

Am 19. September fand in Berlin der „Marsch für das Leben“ statt. Hierbei handelt es sich um eine Demonstration von christlichen Fundamentalist*innen, Abtreibungsgegner*innen und Antifeminist*innen. Leise und still, wie auf einem Trauermarsch, wollten die Veranstalter dem „Volkstod im Mutterleib“ gedenken. Dabei ist dies nicht die einzige Sorge, die sich Organisatoren und „besorgte Bürger“ teilen, sondern auch die „Frühsexualisierung“ von uns Schüler*innen.
Die LSV NRW, verurteilt den Marsch für das Leben und lehnt ihn aufgrund seiner sexistischen, homophoben und antifeministischen Ausrichtung ab.

Veranstaltet wird der „Marsch für das Leben“ seit nun sieben Jahren vom Bundesverband Lebensrecht, einem Zusammenschluss mehrerer politischer und kirchlicher Organisationen. Der Bundesverband ist eine starke Vernetzung innerhalb der „Lebensschützer*innenszene“, welche sich für das vollkommene Verbot von Abtreibung einsetzt. Die Aktionsform besteht aus einem Trauermarsch, bei dem die Demonstrant*innen mit weißen Holzkreuzen und Transparenten durch die Straßen marschieren, gefolgt von einer Kundgebung. Das Spektrum an Unterstützer*innen und Mitgliedern reicht von parteilichen wie denen der Jungen Union Deutschlands, über kirchliche wie der Deutschen Evangelischen Allianz hin zu zivilgesellschaftlichen Organisationen.

Ein weiterer Schwerpunkt ist, wie schon erwähnt, die „Frühsexualisierung“ der Schüler*innenschaft. In fanatischer und paranoider Art und Weise wird vor dem Einfluss der „Homo-Lobby“ in Schulen gewarnt, die Schüler*innen gezielt „verwirren“ und selbst Kindergartenkinder mit Geschlechtsidentitäten überfordern würde. Überhaupt würden Schüler*innen zu früh in der Schule der Sexualkunde ausgesetzt. So kam es letztes Jahr in Baden-Württemberg zu Protesten dieser „besorgten Bürger“, als der Bildungsplan 2015 vorsah, Schüler*innen auch über sexuelle Vielfalt aufzuklären. Hinter den Protesten gegen den Bildungsplan BW 2015 standen dieselben Leute, die nun auch den Marsch für das Leben organisieren und möglich machen. Leute wie Beatrix von Storch, rechts-konservative Hetzerin der rechten Partei AfD, die sowohl die Proteste als auch den Marsch fürs Leben unterstützt, schüren in der Bevölkerung Ängste gegenüber sexueller und geschlechtlicher Vielfalt. Einer demokratischen-säkularen Gesellschaft steht dies im Weg.

Für viele der Unterstützer*innen des Marsches für das Leben stellt die Homosexualität eine Bedrohung christlicher Werte dar, denn nach ihnen ist die einzig legitime Form der Lebensgemeinschaft die heterosexuelle. So spricht das „Weiße Kreuz e.V.“ auf seiner Website von „homosexuell empfindenden Menschen“, deren Homosexualität „ein Verhalten ist, das mit der Identität des Menschen entstanden ist“. Für viele Teilnehmer*innen am Marsch für das Leben ist jedoch auch klar, dass Homosexualität eine Krankheit ist, die geheilt werden kann. Weiterhin wird von vielen „Lebenschützer*innen“ die Abtreibung mit dem Holocaust gleichgesetzt. Der „Volkstod“, ein Begriff aus der NS-Zeit, stehe vor der Tür und mit ihm das Ende Deutschlands. Zudem sind viele der „Lebensschützer*innen“ auch der Meinung, Europa noch stärker vor Flüchtlingen abschotten zu müssen, was zwangsläufig zu weiteren unzähligen Toten im Mittelmeer oder ihren Heimatländern führen würde.Unter dieser Prämisse kommt einem schon die Bezeichnung „Lebensschützer*in“ zynisch vor.

Auf dem Marsch für das Leben kommen diskriminierende Äußerungen und Ideologien zum Vorschein, die einer emanzipierten und aufgeklärten Gesellschaft im Wege stehen. Für uns Schüler*innen kann eine sexuelle Aufklärung nur im Zusammenhang mit der Aufklärung über verschiedene sexuelle und geschlechtliche Identitäten gelingen. Wir lehnen jede Form der Homophobie sowie Transphobie ab.


Beispielhafte Berichterstattung:
„Marsch für das Leben“ zieht schweigend durch Berlin – sz.de 19.09.15
Die Bibelstunde hilft nicht weiter – taz.de 20.09.15

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