Infomaterial Chancengleichheit

„In keinem Bundesland kann von einem hinreichend gerechten Schulsystem ausgegangen werden.“, zu diesem ernüchternden Ergebnis kommt der Chancenspiegel der Bertelsmann Stiftung. Das soll und darf so nicht sein. Aber was bedeutet Chancengleichheit & wie steht es um diese in Deutschland? Im folgenden Material findet ihr mehr dazu!

Was ist Chancengleichheit?
„Gleichheit der beruflichen, rechtlichen und sozialen Möglichkeiten für alle, ohne Rücksicht auf Geschlecht oder Herkunft.”, sagt Wikipedia.
Was heißt das für uns?
Dass jede*r Schüler*in, unabhängig des Geschlechts, der ethnischen Herkunft oder des Elternhauses, die gleichen Bildungschancen haben soll. Wie ihr im Folgenden sehen werdet, ist dass nicht der Fall.

Und was läuft bisher schief?

  • häusliches Milieu bestimmt Bildungschancen
  • Arbeiterkinder sind genauso intelligent – aber weniger gebildet
  • Schulzeit in Deutschland ist zu kurz
  • die Schulformen sind zu unterschiedlich
  • Migrant*innen brechen öfter ab & haben weniger Chance auf einen Ausbildungsplatz
  • NRW hängt besonders bei der Durchlässigkeit & Kompetenzenförderung zurück

    Es beginnt in der Grundschule:
    Wissenschaftler untersuchten, nach welchen Kriterien Grundschullehrer die Empfehlungen für die weiterführende Schule aussprechen. Die Forscher testeten die Grundschüler mittels eines standardisierten Intelligenztests und verglichen die Ergebnisse mit den Empfehlungen der Lehrer. Ein Viertel aller Kinder hatte von den Lehrern unterschiedliche Empfehlungen erhalten, obwohl sie im Test gleich abgeschnitten hatten. Vorallem, weil die Lehrenden auf die Kompetenzen achten, die man für z.B. das Gymnasium mitbringen muss. Das ist ein Diskussions-Verständnis und ein weiter Wortschatz
    Daran scheitern viele Kinder aus Arbeiter & Migrantenfamilien, weil sie kein differenziertes Sprachvermögen zuhause erwerben konnten. Dies erklärt, warum auch Kinder, die bei einem reinen Intelligenztest gut abschneiden, versagen, wenn verlangt wird Sachverhalte mit eigenen Worten beschreiben. Die Lehrenden bewerten nicht die soziale Herkunft ihrer Schüler*innen, sondern die in der familiären Sozialisation erworbenen Fähigkeiten. Je früher und häufiger Bildungswahlen der Eltern in einem gegliederten Schulsystem die weitere Schullaufbahn bestimmen, desto stärker wird der Einfluss der sozialen Herkunft auf den Schulerfolg sein. Dabei ist der Blick der Lehrer auf das Kind oftmals realistischer als die Sichtweise der Eltern. Jedes Jahr gibt es Schüler*innen, die entgegen der Grundschulprognose von ihren ehrgeizigen Eltern am Gymnasium eingeschult wurden – und scheitern.

    Die Lehre daraus:
    Kinder aus bildungsnahen Schichten sind oft besser in der Schule, nicht weil sie intelligenter sind, sondern weil sie vielfältige Bildungserfahrungen mit in die Schule bringen. Ihnen wird vorgelesen, sie haben ein Verständnis für Musik entwickelt und haben Vorbilder, an denen sie sich orientieren können. Dieser Vorsprung baut sich im Laufe ihres Bildungsweges immer weiter aus: Wer schon früh alles hat, dem wird am Ende mehr gegeben.

    Beim Vergleichstest der Grundschulen zeigte sich, dass bei gleicher Lesekompetenz und gleichen kognitiven Grundfähigkeiten Akademikerkinder eine 2,5-fach höhere Chance auf die Empfehlung für das Gymnasium haben als Facharbeiter-Kinder. Auch der Nachwuchs von mittleren Angestellten ist – bei gleichen Fähigkeiten und Leseleistungen – gegenüber Facharbeiterkindern um den Faktor 1,7 im Vorteil.

    Die letzten PISA-Studien zeigen, dass die gemeinsame Schuldauer in Deutschland zu kurz und die Schulformen zu verschieden sind, als dass alle Schüler eine gleiche Grundausstattung erlangen können. Schulen müssten verstärkt auf den Erwerb verschiedener Kompetenzen achten. Dazu gehören schulische Kompetenzen wie die Lesekompetenz und mathematische Kompetenzen, aber auch der Erwerb von sozialen und politischen Kompetenzen. Nur so können Schüler*innen zu mündigen Menschen und Bürgern werden.

    Deutschlandweit ist der Anteil der Ausländer ohne deutschen Pass, die ohne Abschluss die Schule verlassen, zuletzt leicht gestiegen auf nun 12,9 Prozent. Die Wahrscheinlichkeit, dass einer der 150.000 Schulabbrecher ohne Ausbildung später arbeitslos wird, ist bei Ausländern drei- bis viermal höher als bei Schülern mit deutschem Pass.

    In den Vergleichspunkten „Durchlässigkeit“ & „Kompetenzförderung“ gehört NRW sogar zu den Ländern, die im Chancenspiegel am schlechtesten abgeschnitten haben. Grund dafür ist vor allem die fehlende individuelle Förderung

    Was ist die Lösung?

  • Längere gemeinsame Schulzeit
  • Ein oder zweigliedriges Schulsystem
    Wissenschaftler plädieren für eine längere gemeinsame Schulzeit aller Kinder. Nur so könne allen die gleichen gesellschaftlichen Teilhabemöglichkeiten haben. Realisierungschancen gibt es, das dreigliedrige auf ein zweigliedriges System umzustellen, dievon der LSV geforderte Vereinheitlichung ist dagegen schwerer umzusetzen. Bei der Zweigliedrigkeit empfehlen Wissenschaftler, neben dem Gymnasium eine Schulform einzurichten, in der die Schüler auch Zugang zur Oberstufe haben. Solche Schulen, lautet die Hoffnung, wären auch für bildungsnahe Eltern attraktiv; es entstünde keine neue verkappte Hauptschule. Ob bildungsbürgerliche Schichten eine solche Schule wirklich akzeptierten, ist aber unsicher. Ihr Bedürfnis nach sozialer Distanzierung ist in der Bildung groß.

    Quellen in denen wir auf Infos gestoßen sind und in denen ihr noch weiter nachlesen könnt:

  • https://www.boeckler.de/36707_36767.htm
  • https://www.chancen-spiegel.de/chancenspiegel/uebersicht/
  • http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/…
  • http://www.taz.de/!5385634/
  • http://www.sueddeutsche.de/bildung/chancengerechtigkeit…
  • https://de.wikipedia.org/wiki/Chancengleichheit
  • Wir sind mehr wert!

    falt-unter-smallSo lautet der Titel unserer Kampagne gegen die chronische Unterfinanzierung des Bildungssystems. Es fehlt an allen Ecken: Zu wenig Lehrer*innen, zu wenig Schulsozialarbeit, marode Schulgebäude, schlechte Ausstattung, vielerorts gibt es nicht einmal spezielle ÖPNV-Tickets für Schüler*innen.
    Mehr Infos zum Thema und unseren Forderungen sind zu finden in unserem
    Faltblatt (pdf, 799kB), das auch kostenfrei bestellt werden kann.