Stellungnahme zur geplanten Erhebung des erteilten und ausgefallenen Unterrichts an NRWs Schulen

Die Frage nach dem tatsächlich stattfindenden Unterricht an NRWs Schulen geht in die nächste Runde. Seit Jahren wird sie intensiv diskutiert. Zuletzt war sie ein entscheidendes Wahlkampfthema bei den Landtagswahlen. Da war man sich einig: Die von der ehemaligen Landesregierung veröffentlichte Angabe, es fielen 1,8% der zu erteilenden Unterrichtsstunden in NRW aus, liegt deutlich unter den tatsächlichen Werten. Genaue, realistische Zahlen gibt es jedoch nicht wirklich.
Ursachen von Unterrichtsausfall sind offensichtlich
Die ausschlaggebende Ursache für Unterrichtsausfall ist hingegen offensichtlich: Lehrer*innenstellen fehlen, und zwar nicht zu knapp. Nach Berechnungen der GEW NRW müssten mehr als 3500 neue Lehrstellen geschaffen werden, um diesen Mangel zu beheben. Die aktuelle Landesregierung positionierte sich zum Thema deutlich. So titelte die CDU auf ihren Wahlplakaten „Mehr Lehrer, weniger Unterrichtsausfall“. Christian Lindner sprach in einem Interview mit der Rheinischen Post sogar von einer von CDU und FDP gewünschten Unterrichtsgarantie.

NRW braucht kleinere Klassen und mehr Lehrkräfte
Die Landesschüler*innenvertretung NRW (LSV NRW) sowie Eltern- und Lehrer*innenverbände haben konkrete Vorstellungen für entsprechende Maßnahmen.
Zunächst müssen Lehrer*innenstellen geschaffen werden, um dem strukturellen Mangel an Lehrkräften Abhilfe zu schaffen. Aber es reicht nicht, nur bestehende Löcher zu stopfen, um das Bildungssystem in NRW qualitativ zu reformieren.
Es braucht kleinere Klassen und mindestens zwei Lehrpersonen pro Klasse. Erst dann können die Lehrer*innen den Bedürfnissen der Schüler*innen wirklich gerecht werden, statt nur das Unterrichtsprogramm zu füllen. Zudem entlastet das die Lehrer*innen, auf denen im Moment schlicht unerfüllbare Erwartungen lasten: 30 Kinder sollen gleichzeitig unterrichtet und dabei gleichermaßen gefördert wie gefordert werden- und das von einer einzigen Person, die von Lehrplänen getrieben dafür unmöglich Zeit finden kann.
Es braucht entschiedenes Handeln statt weiterer Jahre bloßen Versprechens, in denen sich die Situation unseres Bildungssystems weiter verschlechtert. Es ist an der Zeit, Schüler*innen, Lehrer*innen und Eltern endlich fair zu behandeln. Schule in NRW benötigt entscheidende Reformen, um langfristig Erfolge zu erzielen. Die nötigen Maßnahmen dazu können schlichtweg nicht mehr aufgeschoben werden, sie müssen effektiv und vor allem dringend in Angriff genommen werden.

Lehrer*innen und Schüler*innen endlich fair behandeln
Der Lehrer*innenberuf muss endlich wieder attraktiver werden. Lehrer*innen sollen für das wichtigste Fundament unserer Gesellschaft sorgen: Bildung. Das verlangt, ihnen entsprechende Voraussetzungen dafür zu schaffen.
Lösungen stehen zur Verfügung und die neue Landesregierung kündigte an, schnell und konsequent zu handeln. Umso mehr kritisiert die LSV NRW nun, dass NRWs Schulen offenbar noch ein Jahr, wenn nicht Jahre länger, auf Lösungen warten sollen. Denn die neue Landesregierung hat angekündigt, im kommenden Schuljahr zunächst eine Erhebung zu dem erteilten und ausgefallenen Unterricht in NRW durchzuführen. Wirkliche Maßnahmen sind hingegen noch nicht in Sicht. Ginge es tatsächlich um schnelle Lösungen für NRWs Bildungssystem, dann müsste Frau Gebauer jetzt schon für deren Umsetzung sorgen.

Die Probleme scheinen bei den Schulen gesucht zu werden
Das Ministerium für Schule und Bildung möchte bei den Erhebungen auf „Transparenz und Genauigkeit“ achten, wie sie in der Schulmail an die Schulleiter*innen NRWs schreiben. Doch was bedeutet „Transparenz“? Frau Gebauer liebäugelte zwischenzeitlich mit Schulrankings, bei denen die Ausfallzeiten der einzelnen Schulen öffentlich gemacht würden. Dazu haben sich die Schülervertreter*innen bereits sehr kritisch geäußert. Es bleibt die Frage, ob eine statistische Erhebung des Unterrichtsausfalls darauf hinauslaufen soll.
Falls dem so ist, halten die Schüler*innen das weiterhin für äußerst gefährlich und unzweckmäßig und empfehlen der Landesregierung dringend, die Schulen für die Zahlen des entfallenen Unterrichts in keinster Weise in die Verantwortung zu nehmen. Unter Druck wird eine Erhebung wieder keine realistischen Zahlen zu Tage fördern, weil dann die Schulen beinahe zur Beschönigung der Zahlen durch vermeintlich stattfindenden EvA-Unterricht gezwungen wären.
Stattdessen brauchen die Schulen die Sicherheit schneller Verbesserungen durch eine Landesregierung, die nicht weiter aufschiebt, was nicht mehr aufzuschieben geht: Bereitwilliges Handeln zugunsten der Bildung in NRW.

Wir sind mehr wert!

falt-unter-smallSo lautet der Titel unserer Kampagne gegen die chronische Unterfinanzierung des Bildungssystems. Es fehlt an allen Ecken: Zu wenig Lehrer*innen, zu wenig Schulsozialarbeit, marode Schulgebäude, schlechte Ausstattung, vielerorts gibt es nicht einmal spezielle ÖPNV-Tickets für Schüler*innen.
Mehr Infos zum Thema und unseren Forderungen sind zu finden in unserem
Faltblatt (pdf, 799kB), das auch kostenfrei bestellt werden kann.