Resolution: Sparen. Selektieren. Konkurrieren. Burnout!

Genau so leiden die Beteiligten der Schulzeitverkürzung „G8“, seitdem diese im Jahr 2004 in NRW eingeführt wurde. Die Idee, das Abitur um ein Jahr zu verkürzen, stammte ursprünglich von den Finanzministerien. In Anbetracht der finanziellen Aspekte scheint es zugegeben ziemlich sinnvoll, die SchülerInnen ein Jahr früher Abitur machen zu lassen. Denn für die einzelnen SchülerInnen werden im Jahr pro Kopf durchschnittlich 4.900 Euro ausgegeben. Bei ca. 129.000 (Fach-)AbiturientInnen, welche die Schule nun früher verlassen, ergeben sich daraus etwa 632 Millionen Euro. 632 Millionen Euro, welche unsere Landesregierung jedes Jahr direkt an den Schulen spart. In diese Summe ist dabei nicht eingerechnet, dass die Schülerinnen und Schüler durch die Verkürzung auch ein Jahr früher (und somit länger) Steuern zahlen können. Dazu kommen noch unzählig viele weitere kleine Ersparnisse als Nebenwirkungen der Schulzeitverkürzung.

Ein weiteres Argument der Regierenden, mit dem sie uns die G8 Reform schmackhaft machen wollen, lautet: SchülerInnen dürften ein Jahr früher ihr Glück auf dem Arbeitsmarkt suchen, sie sollten doch froh sein, nicht so lange zur Schule gehen zu müssen. Dadurch solle die deutsche Wirtschaft international konkurrenzfähig bleiben. Daran lässt sich ablesen, dass die Belange der SchülerInnen den Regierenden als nicht so bedeutsam erscheinen, wie diejenigen der Wirtschaft. Doch anstelle dieser erwünschten Entwicklung produziert die G8-Reform nur Schulmüdigkeit, körperliche und psychische Belastungen.
Aber wo liegt denn die Ursache darin, dass SchülerInnen nicht gerne zur Schule gehen? Die Ursache liegt darin, dass sie in viel zu kleinen und teilweise verwahrlosten Klassenräumen mit viel zu vielen anderen SchülerInnen viel zu lange Frontalunterricht erleiden müssen. Die Ursache liegt darin, dass sie nicht in einer Klassengemeinschaft lernen können, sondern in Konkurrenz mit ihren MitschülerInnen Stoff pauken müssen. Die Ursache liegt in einem ungerechten, selektiven, von Konkurrenz und Kürzungen geprägten Bildungssystem, in dem SchülerInnen nicht individuell gefördert werden.
Natürlich gibt es auch immer wieder Schülerinnen und Schüler, welche durch eine außergewöhnliche Begabung oder besonderen Fleiß dazu in der Lage wären ohne Probleme und Abstriche ihr Abitur auch nach acht Jahren zu bestehen. Diesen SchülerInnen soll es auch weiterhin ermöglicht werden, Klassen zu überspringen oder durch besondere Maßnahmen wie zum Beispiel Forderunterricht an Schulen ihrem Potential gerecht zu werden.
Unser Bildungssystem ermöglicht zwar Elitenbildung für wenige SchülerInnen mit einem entsprechenden sozialen Umfeld, bietet für die meisten aber nur Schmalspurbildung. Bereits vor G8 hatten LehrerInnen keine Zeit, alle SchülerInnen ausreichend zu fördern. Jetzt, mit G8, müssen unsere Lehrkräfte den Stoff so schnell durchgehen, dass es kaum SchülerInnen gibt, die dem Unterricht ohne Nachhilfe folgen können. Wer sich das nicht leistenkann, der hat verloren.
Anstatt eines kreativen, abwechslungsreichen Nachmittagsangebots erhalten SchülerInnen straffen Unterricht bis in die Abendstunden. Die Lehrpläne wurden hauptsächlich den ökonomischen Gesichtspunkten angepasst: Den SchülerInnen sollen nur noch fachlich-methodische Kompetenzen vermittelt werden, dabei bleiben soziale Kompetenzen wie Hilfsbereitschaft, Solidarität und Teamfähigkeit außer Acht. Stattdessen wurde die durchschnittliche Wochenstundenzahl an den Schulen von 30 auf 34 Wochenstunden erhöht, sodass den SchülerInnen ihre persönlichen Freiräume für Freizeitaktivitäten und ehrenamtliches Engagement genommen wurden. Nicht nur die SVen, auch die Sportvereine und Jugendorganisationen haben Nachwuchsschwierigkeiten.
Letztlich wird die nächste Generation nicht mehr wissen, warum es wichtig ist, sich für seine Interessen einzusetzen. Auch Gewerkschaften, Bürgerinitiativen und Parteien wird der Nachwuchs ausgehen. Außerschulisches Engagement und soziale Kompetenzen stehen nicht mehr hoch im Kurs, SchülerInnen sollen für den Arbeitsmarkt und nicht mehr auf das Leben vorbereitet werden.
Das alles ist kein alleiniges Problem von Gymnasien und Gesamtschulen.
Realschulen und Hauptschulen sind zwar nicht so offensichtlich, aber ebenso drastisch betroffen. Ein Aufstieg in die gymnasiale Oberstufe ist fast unmöglich. So schaffen nach der G8 Reform nur noch 0, 3% der SchülerInnen, welche nicht ab der 5. Klasse ein Gymnasium oder eine Gesamtschule besucht haben, ihr Abitur. Doch das aktuellste Problem steht uns erst noch bevor. Der Doppeljahrgang, also der letzte G9 und der erste G8 Jahrgang, macht im Jahr 2013 das Abitur. Das bedeutet, dass sich deutlich mehr Abiturienten an den Universitäten in NRW bewerben werden. Die Folgen sind nicht schwer zu erahnen: Universitäten und Hochschulen, die noch überfüllter sind, als sie es ohnehin schon waren; die NC steigen in schwindelerregende Höhe; es werden massenhaft SchülerInnen ohne Studienplatz bleiben.
Uns wird gesagt, wir sollen flexibel sein. Wir sollen uns einen alternativen Studiengang und / oder eine andere Universität suchen. Aber wer kann sich einen Umzug, Unterbringung und Studiengebühren leisten? Wer möchte ein Fach studieren, das sie / ihn nicht interessiert? Wir fordern nicht nur ein formales, sondern ein reales Recht auf Bildung! Wir wollen gemeinsam mit unseren MitschülerInnen in der Schule lernen und leben können. Wir wollen eine Schule als Lebensraum und nicht als Lernfabrik. Wir wollen abwechslungsreichen Unterricht und individuelle Förderung. Wir wollen über unsere Lehrinhalte demokratisch mitbestimmen können. Wir wollen auf ein Leben in unserer Gesellschaft und nicht nur auf einen bestimmten Beruf vorbereitet werden. Wir wollen so viel Zeit zum Lernen haben, wie wir brauchen. Wir wollen kein
G8! Wir wollen eine Inklusive Ganztagsgesamtschule für Alle! Wir fordern die Landesregierung auf, die Universitäten und Fachhochschulen auszubauen, die Kürzungen im Bildungssektor sofort zu beenden und massiv in unser Schulsystem zu investieren. Wir fordern die Landesregierung auf, die Schulzeitverkürzung zu beenden und die SchülerInnen endlich angemessen zu fördern.

Wir sind die Zukunft!
Wir fordern: Schulzeitverkürzung G8 abschaffen!

  • Einstellung der Sparmaßnahmen! Kostenlose Bildung für Alle!
  • Ausbau und Modernisierung der Schulgebäude, insbesondere im Ganztag
  • Bildung statt Betreuung! Für sinnvolle Persönlichkeitsentwicklung auch im Nachmittagsbereich
  • Engagement fördern statt behindern!
  • Mehr LehrerInnen! Kleinere Klassen!
  • Mitbestimmung der Lehrinhalte durch die SchülerInnen!
  • Platz für monatlich mindestens einen Klassenrat sowie eine wöchentliche Stunde für SV-Treffen innerhalb der regulären Schulzeit
  • Ermöglichung eines gesellschaftswissenschaftlichen Schwerpunktes im Abitur!
  • Studienplätze für Alle! Ausbau der Universitäten und Fachhochschulen
  • Wir wollen eine Inklusive Ganztagsgesamtschule für alle!

    Beschlossen am 28.10.2012 auf der 106. Landesdelegiertenkonferenz in Bonn

Wir sind mehr wert!

falt-unter-smallSo lautet der Titel unserer Kampagne gegen die chronische Unterfinanzierung des Bildungssystems. Es fehlt an allen Ecken: Zu wenig Lehrer*innen, zu wenig Schulsozialarbeit, marode Schulgebäude, schlechte Ausstattung, vielerorts gibt es nicht einmal spezielle ÖPNV-Tickets für Schüler*innen.
Mehr Infos zum Thema und unseren Forderungen sind zu finden in unserem
Faltblatt (pdf, 799kB), das auch kostenfrei bestellt werden kann.