Resolution Schule und Religion

Den VerfasserInnen des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland und der Verfassungen der einzelnen Bundesländer waren Religionsfreiheit und Schutz der Privatsphäre allerhöchste zu schützende Werte. Zu der Zeit, als nach der Gründung der Bundesrepublik Deutschland und der Bundesländer die Verträge (Konkordate) über Schule, Religionsunterricht und die Kirchensteuer mit der römisch-katholischen und der evangelischen Kirche geschlossen wurden, konnte man noch davon ausgehen, dass 97 % der deutschen Bevölkerung einer dieser beiden Religionsgemeinschaften angehörten. Deshalb mag die Annahme, mit diesen Konkordaten dem Willen der Bevölkerung zu entsprechen, zutreffend gewesen sein.

Damals vor über 60 Jahren wurden diesen Kirchen folgende Privilegien
eingeräumt:
Universität

  • Entgegen allen anderen Fächern darf in Theologie nur gelehrt werden, was die Kirchen gestatten.
  • EinE ProfessorIn wird nicht, wie üblich, von der Universität allein eingestellt, sondern braucht eine zusätzliche Erlaubnis der Kirchen.
  • Wenn das, was einzelne ProfessorInnen lehren, der Kirche nicht passt, muss die Universität die- / denjenigen aus der theologischen Fakultät entlassen, selbst wenn es sich um international renommierte Fachleute handelt (z.B. Hans Küng, Eugen Drewermann).

Schule

  • Religionsunterricht der beiden Religionsgemeinschaften ist Teil des Fächerkanons in NRW und muss unterrichtet werden.
  • Die Unterrichtsinhalte und Lehrbücher werden von den Kirchen „abgesegnet“.
  • Anders als in allen anderen Unterrichtsfächern muss einE LehramtsreferendarIn das 2. Staatsexamen auch vor KirchenvertreterInnen ablegen, um die Lehrerlaubnis für das Fach Religion zu erhalten.
  • Erhält er / sie diese Erlaubnis nicht, darf die staatliche Schule diese Person nicht im Fach Religion einsetzen. Auch wenn die Kirche die Lehrerlaubnis entzieht, gilt Entsprechendes.

Die Neutralität der Schule und deren Schutz vor Einflussnahme einzelner Interessengruppen ist ein wichtiges Gut der Schule. Im Falle der genannten Kirchen geschieht die Einflussnahme jedoch mit Zustimmung der staatlichen Instanzen selbst. Im Übrigen entsprechen diese Verträge nicht der gesellschaftlichen Wirklichkeit. So sind die beiden religiösen Vertragspartner nur zwei von vielen christlichen Gemeinschaften. In der multikulturellen Gesellschaft finden sich AnhängerInnen vieler Religionen und auch AtheistInnen, was eine derartige Privilegierung völlig unangemessen sein lässt. Dem Gegenüber steht außer Frage, dass Kenntnisse über Religionen, Religionsgeschichte und religiöse Werte (im Vergleich) notwendige Elemente einer zeitgemäßen Schulbildung sind.
Konfessionsgebundener Religionsunterricht ermöglicht vielleicht auch einen Diskurs über Weltreligionen, jedoch in einer homogenen, nicht heterogenen Diskussionsgemeinschaft. Verkündigung und Lehre im Sinne einzelner bestimmter
Religionsgemeinschaften darf in der Schule nicht mehr stattfinden.

Deshalb fordern wir die Streichung des herkömmlichen Religionsunterrichtes, sowie der Verträge über die „Einmischung“ der beiden Kirchen. Es soll für alle Schulen, für alle SchülerInnen aller Altersklassen das Fach „Praktische Philosophie“ flächendeckend und verpflichtend werden, in dem im Klassen- / Kursverband auch Kenntnisse über Religionen vermittelt werden.
Wir brauchen ein Fach, welches dem Menschen und seiner Würde als gesetzgebendem, autonomem Wesen (Immanuel Kant) gerecht wird.

Als Resolution R1 beschlossen von der 106. Landesdelegiertenkonferenz der
LandesschülerInnenvertretung NRW am 28.10.2012 in Bonn.

Wir sind mehr wert!

falt-unter-smallSo lautet der Titel unserer Kampagne gegen die chronische Unterfinanzierung des Bildungssystems. Es fehlt an allen Ecken: Zu wenig Lehrer*innen, zu wenig Schulsozialarbeit, marode Schulgebäude, schlechte Ausstattung, vielerorts gibt es nicht einmal spezielle ÖPNV-Tickets für Schüler*innen.
Mehr Infos zum Thema und unseren Forderungen sind zu finden in unserem
Faltblatt (pdf, 799kB), das auch kostenfrei bestellt werden kann.