Resolution: „Gute Nacht, G8!“ bleibt aktuell

Die LandesschülerInnenvertretung Nordrhein-Westfalen (LSV NRW) setzt sich dafür ein, die Schulzeitverkürzung zurück zu nehmen. Mit der Verkürzung des Gymnasiums von neun auf acht Jahre wurde der Schulalltag für viele Schülerinnen und Schüler unerträglich, da sie in kürzerer Zeit immer mehr pauken. Die Diskussion kommt endlich wieder in Fahrt, zwar im Zeichen der Kommunalwahlen 2014, aber ein runder Tisch im Ministerium ist schon mehr als nichts. Trotzdem dürfen wir nicht einfach verharren, sondern müssen viel mehr unsere Meinung verdeutlichen und zeigen, was wir an Stelle von G8 fordern.

Ganztag?!
In der Vergangenheit führte diese Entwicklung zu der Verschiebung von zentralen Fächern in die Nachmittagsstunden. Diese Entwicklung ist falsch und das, was im G8-Gymnasium abläuft, ist kein Ganztag. Im krassen Gegensatz zu den meisten Elterninitiativen in NRW fordern wir eben einen echten Ganztag an allen Schulen, nicht eine reine Verlängerung des Schultags bis in den späten Nachmittag hinein. Schule soll ein Lebensraum sein und kein Albtraum. So kann es nicht sein, dass pflichtweise zu belegende Fächer in den Nachmittag fallen. Hier sollen vielmehr Neigungsfächer und Ausgleichsfächer angeboten werden, die der Entwicklung der Schülerinnen und Schüler und der Entfaltung ihrer Interessen dienlich sind.

Für wen ist die Schule da?
Seitdem die Schulzeitverkürzung im Jahr 2004 in NRW eingeführt wurde, leiden alle an Bildungsbetrieb Beteiligten darunter. Die Idee, das Abitur um ein Jahr zu verkürzen, stammte ursprünglich von den Finanzministerien. In Anbetracht der finanziellen Aspekte scheint es zugegeben ziemlich sinnvoll, die SchülerInnen ein Jahr früher Abitur machen zu lassen. Denn für die einzelnen SchülerInnen werden im Jahr pro Kopf durchschnittlich 4.900 Euro ausgegeben. Bei ca. 129.000 (Fach-)AbiturientInnen, welche die Schule nun früher verlassen, ergeben sich daraus etwa 632 Millionen Euro. 632 Millionen Euro, welche unsere Landesregierung jedes Jahr direkt an den Schulen spart. In diese Summe ist dabei nicht eingerechnet, dass die Schülerinnen und Schüler durch die Verkürzung auch ein Jahr früher (und somit länger) Steuern zahlen können. Dazu kommen noch unzählig viele weitere kleine Ersparnisse als Nebenwirkungen der Schulzeitverkürzung. Aber diese Rechnung ist nicht aufgegangen. Durch die Erhöhung der Jahreswochenstunden in den Schulen stieg automatisch auch der Bedarf nach weiteren LehrerInnenstellen. Es musste also noch mehr Geld in Schulen gesteckt werden.
Schülerinnen und Schüler haben scheinbar, nach Aussagen der Landesregierung, auch noch das Glück früher auf den Arbeitsmarkt zu kommen. Unsere Wirtschaft soll schließlich konkurrenzfähig bleiben. Aber sollte nicht die Schülerschaft im Mittelpunkt von Bildung stehen und nicht die Wirtschaft? Wir Schülerinnen und Schüler leiden immer mehr an psychischen Problemen. Wir leiden an Schulmüdigkeit, Depressionen und Burn-Out. Wie sollen wir so in der Wirtschaft erfolgreich sein? Wir fordern hier ein System der Nachhaltigkeit im Umgang mit Schülerinnen und Schülern.
Scheinbar war unser Land auch ohne eine Schulzeitverkürzung jahrelang konkurrenzfähig.

Betroffen sind wir alle
Realschulen und Hauptschulen sind zwar nicht so offensichtlich, aber ebenso drastisch betroffen. Ein Aufstieg in die gymnasiale Oberstufe ist fast unmöglich. So schaffen nach der G8 Reform nur noch 0,3% der SchülerInnen, welche nicht ab der 5. Klasse ein Gymnasium oder eine Gesamtschule besucht haben, ihr Abitur. Wir wollen gemeinsam mit unseren MitschülerInnen in der Schule lernen und leben können. Wir wollen eine Schule als Lebensraum und nicht als Lernfabrik. Wir wollen abwechslungsreichen Unterricht und individuelle Förderung. Wir wollen über unsere Lehrinhalte demokratisch mitbestimmen können. Wir wollen auf ein Leben in unserer Gesellschaft und nicht nur auf einen bestimmten Beruf vorbereitet werden. Wir wollen so viel Zeit zum Lernen haben, wie wir brauchen.

Die Ursache für das scheiternde System
Aber wo liegt denn die Ursache dafür, dass SchülerInnen nicht gerne zur Schule gehen? Die Ursache liegt darin, dass sie in viel zu kleinen und teilweise verwahrlosten Klassenräumen mit viel zu vielen anderen SchülerInnen viel zu lange Frontalunterricht erleiden müssen.
Die Ursache liegt darin, dass sie nicht in einer Klassengemeinschaft lernen können, sondern in Konkurrenz mit ihren MitschülerInnen Stoff pauken müssen. Statt Veränderungen im Sinne der Stärkeren durchzuführen, sollte man doch viel mehr an die Schwachen denken. Denn unser Schulsystem hat keine Durchlässigkeit und diskriminiert wirtschaftlich und finanziell Benachteiligte.
Es ist Zeit für unser Konzept der Inklusiven Ganztagsgesamtschule! Es muss endlich Schluss sein mit dem System der Selektion und Konkurrenz in der Schule. Nach über hundert Jahren gehört dieses System ins Freilichtmuseum und nicht in den Alltag der Schülerinnen und Schüler!
Deshalb bleiben unsere Forderungen weiterhin die gleichen:

  • Schulzeitverkürzung G8 abschaffen!
  • Einstellung der Sparmaßnahmen! Kostenlose Bildung für Alle!
  • Ausbau und Modernisierung der Schulgebäude, insbesondere im Ganztag
  • Bildung statt Betreuung! Für sinnvolle Persönlichkeitsentwicklung auch im Nachmittagsbereich
  • Engagement fördern statt behindern!
  • Mehr LehrerInnen! Kleinere Klassen!
  • Mitbestimmung der Lehrinhalte durch die SchülerInnen!
  • Platz für monatlich mindestens einen Klassenrat sowie eine wöchentliche Stunde für SV-Treffen innerhalb der regulären Schulzeit
  • Ermöglichung eines gesellschaftswissenschaftlichen Schwerpunktes im Abitur!
  • Studienplätze für Alle! Ausbau der Universitäten und Fachhochschulen
  • Wir wollen eine Inklusive Ganztagsgesamtschule für alle!

    Beschlossen auf der 111. Landesdelegiertenkonferenz der LSV NRW am 24.05.2014

Wir sind mehr wert!

falt-unter-smallSo lautet der Titel unserer Kampagne gegen die chronische Unterfinanzierung des Bildungssystems. Es fehlt an allen Ecken: Zu wenig Lehrer*innen, zu wenig Schulsozialarbeit, marode Schulgebäude, schlechte Ausstattung, vielerorts gibt es nicht einmal spezielle ÖPNV-Tickets für Schüler*innen.
Mehr Infos zum Thema und unseren Forderungen sind zu finden in unserem
Faltblatt (pdf, 799kB), das auch kostenfrei bestellt werden kann.