Resolution: Ganztag? Wir sind dafür.

Ganztag ist für uns entscheidend für eine gelingende Schullaufbahn. Der Ganztag hat deshalb auch im Konzept der LandesschülerInnenvertretung NRW einen wichtigen Platz.
Schule ist ein Platz, an dem Schülerinnen und Schüler viel Zeit ihres Lebens verbringen. Er soll deshalb nicht nur ein reiner Lernraum sein. Schule muss sich viel mehr fortentwickeln zu einem Lebensraum, in dem man frei, gleich und viel lernt. Ganztag bedeutet für uns nicht die Verschiebung der Unterrichtsstunden in den Nachmittag an möglichst vielen Tagen in der Woche, möglichst noch mit Hausaufgaben für den Bereich nach der Schule. Er ist mehr! Ganztag verbindet in seiner Konzeption Freizeit und Schulzeit. Dazu ist es notwendig auch mit anderen Akteuren außerhalb von Schule zu arbeiten, und diese in den Schulalltag zu integrieren. Ganztag ermöglicht es Schülerinnen und Schülern mehr zu lernen außer dem, was in Lehrplänen steht. So müssen zu den Angeboten einer guten Ganztagsschule neben dem üblichen Fächerkanon auch fächerübergreifende Themen gefunden werden, die in Arbeitsgemeinschaften ihren Ausdruck finden.
Soziale Ungleichheiten vermag der Ganztag zwar nicht abzuschaffen jedoch reduziert er diese Ungleichheiten entscheidend. Wie die Studie zur Entwicklung der Ganztagsschule belegt, kann der Ganztag das Sozial- und Arbeitsverhalten von Schülerinnen und Schülern messbar positiv beeinflussen. Außerdem sank das Risiko der Klassenwiederholungen gegenüber Halbtagsschulen. Das Geld was Klasssenwiederholungen kosten, ist wohl besser investiert im Ganztag. Somit ist der Ganztag auch präventiv tätig. Im europäischen Vergleich sind wir das einzige Schulsystem mit Österreich, was noch in der Halbtagsschule verharrt. Der Nachhilfebedarf steigt stetig. Dieser Zustand liegt zum Einen an der Schulzeitverkürzung und zum Anderen an zu wenig und schlecht rhythmisierten Ganztagskonzepten. Dieser Zustand ist zu beheben. Schulleitungen müssen fortgebildet werden zu Schulentwicklern und nicht zu Schulverwaltern. Die LehrerInnen brauchen eine bessere pädagogische Ausbildung und die Landesregierung muss besonders gute Beispiele fördern.
Schulen, in den der Ganztag nicht so gut funktioniert, müssen gefördert werden durch aktive Maßnahmen der Verbesserungen. Durch die Qualitätsanalyse an den Schulen verändert sich hierbei allerdings nur recht wenig. Zum Einen liegt es am Konzept der Analyse, zum Anderen an der oft nicht vorhandenen Ehrlichkeit der Schulgemeinde; kommt es zu solch einer Kontrolle, wird an manchen Schulen „Theater“ gespielt. Wir wollen, statt Kontrolle, ein besseres System der Selbstevaluation. Statt den PrüferInnen sollte man viel mehr BeraterInnen einsetzen. Gut ausgebildete und fortgebildete Schulleitungen sind zum Gelingen des Ganztages für uns von zentraler Bedeutung. Man sollte aber genauso die SchülerInnenvertretungen und Schulpflegschaften mit ins Boot holen und diese in die Lage versetzen, das Schulleben mitzugestalten.
Schule ist nur möglich, in dem man alle Beteiligten so weiterbildet, dass Ganztag kein Fremdwort mehr ist, sondern Selbstverständlichkeit. Dies gilt nicht nur für neue Ganztagsschulen sondern auch für die alten, da sich dort vereinzelt ein gewisser Trott entwickelt hat, den es zu beheben gilt. Für uns als LSV NRW ist hierbei eines klar: Der Ganztag in NRW kann nur durch Mithilfe aller Akteure gestaltet werden.
Viele Eltern, SchülerInnen und LehrerInnen haben jedoch Vorbehalte gegen den Ganztag. Meist aus komplett unterschiedlichen Sichtweisen. Eltern sind gegen Ganztag, da dadurch die Kinder später nach Hause kommen und weniger Zeit für außerschulische Bildung haben. SchülerInnen, weil niemand gerne im derzeitigen Schulsystem länger als unbedingt notwendig bleiben möchte. Die LehrerInnen zu allerletzt, da diese ihre Arbeit verlagern müssen und ihr Berufsbild sich komplett verändert. Allen muss man entgegnen mit ausreichend Argumenten. Ganztag dauert länger als die gewohnte Halbtagsschule, jedoch sind dort auch außerschulische Lernpartner, wie Jugendorganisationen und Musikschulen integriert. Ganztag ist für uns nur von Erfolg gekrönt, wenn er verbunden ist, mit unseren Konzept der Inklusiven Ganztagsgesamtschule. Wenn die Klassen kleiner, mehr LehrerInnen vorhanden und die Noten abgeschafft sind, dann werden auch die SchülerInnen freiwillig wieder gerne zur Schule gehen. Denn zur Grundschule gehen die meisten SchülerInnen gerne, dies liegt zum Einen an den kleineren Klassen, als auch an den Unterrichtskonzepten; bis zur vierten Klasse kann auf die Vergabe von Ziffernnoten verzichtet werden. Im Bildungsvergleich schließen die Grundschulen besser ab. Aber auch für LehrerInnen hat diese Änderung große Verbesserungen, sie werden von NotengeberInnen zu BildungspartnerInnen.
Deshalb ist unser Appell klar formuliert:
Weg von der Lernfabrik hin zur Inklusiven Ganztagsgesamtschule!

Beschlossen auf der 111. Landesdelegiertenkonferenz der LSV NRW am 24.05.2014

Wir sind mehr wert!

falt-unter-smallSo lautet der Titel unserer Kampagne gegen die chronische Unterfinanzierung des Bildungssystems. Es fehlt an allen Ecken: Zu wenig Lehrer*innen, zu wenig Schulsozialarbeit, marode Schulgebäude, schlechte Ausstattung, vielerorts gibt es nicht einmal spezielle ÖPNV-Tickets für Schüler*innen.
Mehr Infos zum Thema und unseren Forderungen sind zu finden in unserem
Faltblatt (pdf, 799kB), das auch kostenfrei bestellt werden kann.