Schüler legen Konzept im Streit um den Ganztag vor

DÜSSELDORF. Die Elterninitiative “G9 Jetzt!” fordert die Politik in einem Volksbegehren dazu auf, das Abitur nach acht Jahren Gymnasialzeit (G8) aufzugeben und zur neunjährigen Schulzeit (G9) zurückzukehren. Auch das gebundene Ganztagssystem soll nach dem Willen der Initiative abgeschafft werden. Die Landesschüler*innenvertretung NRW macht derweil auf den seit einiger Zeit bestehenden eigenen Lösungsvorschlag aufmerksam: Die “Inklusive Ganztagsgesamtschule” (IGGS) soll den Schülern mehr individuelle Lernmöglichkeiten geben und die Schule auch als Lebensraum sinnvoll gestalten.

Die Initiative gegen das seit einigen Jahren praktizierte “Turbo-Abitur” in NRW hat viele Reaktionen von Organisationen und Interessenverbänden hervorgerufen.
Die Landesschüler*innenvertretung NRW (LSV NRW) spricht sich seit einigen Jahren gegen jede Form von Schulzeitverkürzungen aus. Auf dieser Grundlage äußern die Schüler Verständnis für die Initiative. “Wir Schülerinnen und Schüler fühlen uns unter Druck gesetzt und sind häufig stark überlastet. Unsere Jugend verbringen wir mit Hausaufgaben und Pauken für die nächsten Klausuren, nach denen uns keine Freizeit mehr bleibt das zu tun und zu lernen, was wir wollen”, beschreibt Christian Mohr, Mitglied im Vorstand der LSV NRW, die Situation. Die Abschaffung des G8-Abiturs wird von den Schülervertretern unterstützt. Christian Mohr erklärt weiterführend, dass “nicht die Ganztagsschule schuld an der Überlastung der Schülerschaft” sei.

Inklusive Ganztagsgesamtschule soll Lösungen bieten
Die Jugendlichen präsentieren als Alternativvorschlag ihr Konzept, das unter dem Titel “Inklusive Ganztagsgesamtschule” zusammengefasst wird. Darin wird unter anderem die Abschaffung des mehrgliedrigen Schulsystems gefordert, damit die Selektion nach der Grundschulzeit endlich ein Ende hat. Eine Gesamtschule für alle sei das, was in der jetzigen Zeit gebraucht würde. Der Ganztag ist in dieses Konzept eingebettet und ein zentraler Bestandteil der IGGS. Hier bezieht die Landesschüler*innenvertretung NRW klar Stellung und stellt die Vorteile des Ganztagssystems, wie die frei einteilbare Lernzeit mit genügend Regenerationspausen, heraus. Für eine bessere individuelle Förderung sei dann die benötigte Zeit vorhanden. Darüber hinaus ist die IGGS eine Schule für alle, unabhängig von Herkunft, Hautfarbe, Behinderung oder individuellem Förderbedarf. “Wir sprechen uns klar für die Inklusion an den Schulen NRWs aus”, heißt es aus der Landesschüler*innenvertretung. Die Schüler möchten damit unter anderem Vorurteile abbauen und die Chancengleichheit stärken.

Landesschüler*innenvertretung NRW fordert vorerst flexible Oberstufe
“Wir können die Idee der Elterninitiative nicht unterstützen”, äußerte sich der Landesvorstand am vergangenen Sonntag konkret zum weiteren Vorgehen. Man müsse sich über die Ausgestaltung des Ganztags, in dem Angebote im kreativen, sportlichen, künstlerischen und musikalischen Bereich ermöglicht werden, weitere Gedanken machen.
Die LSV NRW unterstützt hingegen das Konzept einer flexiblen Oberstufe. Diese sollen Schüler in zwei bis vier Jahren durchlaufen können. Es soll die Option bestehen, die Einführungsphase zu überspringen. Die darauffolgende Qualifikationsphase kann, je nach individueller Möglichkeit der Schüler, zwei bis drei Jahre dauern. Dadurch würden eine Individualisierung der Lernzeit und das Setzen persönlicher Interessenschwerpunkte im Verlauf der Oberstufe möglich. “Darüber hinaus könnten Schülerinnen und Schüler dank weniger Leistungsdruck auch endlich wieder einmal im eigenen Tempo lernen oder ein Auslandsjahr machen, ohne sich Sorgen um ihre Zukunft machen zu müssen”, unterstützt Luca Samlidis, ebenfalls Mitglied im Vorstand der LSV NRW, die Aussagen im Grundsatzprogramm der LSV NRW.

Erst vor einigen Wochen hatte Schulministerin Sylvia Löhrmann eine Flexibilisierung der Lernzeiten in der gymnasialen Oberstufe gefordert und damit eine langjährige Forderung der Landesschüler*innenvertretung NRW übernommen.

Weitere Materialien:
Grundsatzprogramm der LSV NRW: Grundsatzprogramm der LSV NRW (pdf, 620kB)
Stellungnahme zu Ministerin Löhrmanns Flexi-Abitur

Pressekontakt:
Landessekretariat der Landesschüler*innenvertretung NRW
http://lsvnrw.de
Mail: info@lsvnrw.de
Telefon: 0211 330703 (bitte auch Anrufbeantworter nutzen, wir rufen zurück!)

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