Pressemitteilung: „Lernen muss man wollen”

Schüler*innen fordern Abschaffung der Schulnoten

Jüngst wurde die Forderung der Vorsitzenden der GEW Marlies Tepe in die Öffentlichkeit getragen, das bisher bestehende Schulnotensystem durch individuelle Beratungen und Beurteilungen in Textform zu ersetzen. Die Landesschüler*innenvertretung NRW (LSV NRW), Interessenvertretung der etwa 2,6 Millionen Schüler*innen des Landes, unterstützt diese Forderung. Sie fordert eine Abschaffung der abstrakten und subjektiven Ziffernoten und setzt auf mehr persönliche Unterstützung bei der Erkennung von Stärken und Schwächen.

Seit vielen Jahren wird über die Sinnhaftigkeit von Bewertungssystemen in der Schule diskutiert. Dabei steht häufig die Ungerechtigkeit des Ziffernsystems für Leistungsbeurteilungen im Vordergrund. Eine langjährige Forderung der LSV NRW ist es daher, das Bewertungssystem zu reformieren und die individuellen Stärken und Schwächen der einzelnen Schüler*innen stärker zu fokussieren.

„Abstrakte und subjektive Bewertungen sind für niemanden förderlich! Noten verkörpern eben genau das und sind seit langer Zeit veraltet. Zensuren gehören abgeschafft!” kommentiert Luca Samlidis, Mitglied im Vorstand der LSV NRW, die Diskussion. Dabei unterstreicht er, dass den Lehrer*innen kein Vorwurf gemacht werden soll. Auch Lehrende seien Menschen, die Fehler machen und das liege insbesondere an der Struktur von Noten. Wissenschaftliche Studien belegen beispielsweise, dass Klausuren von leistungsstärkeren Schüler*innen, unabhängig vom Inhalt, tendenziell positiver bewertet werden, als die schwächerer Schüler*innen.

Der Landesschüler*innenvertretung zufolge sprechen einige, insbesondere pädagogische, Argumente gegen eine Bewertung durch Noten. Der Vorstand nennt beispielsweise die Schaffung eines Wettbewerbs zwischen den Schüler*innen, der den immensen Leistungsdruck, der ohnehin besteht, nur verstärkt. Laut einer Forsa-Umfrage führen schlechtere Noten außerdem in 41 Prozent der Haushalte zu Ärger.

Die weitere Beschreibung der momentanen Situation durch die Schüler*innenvertreter*innen ist erschreckend. Es herrsche, natürlich von der Schule und dem Alter abhängig, eine starke Demotivation durch Noten. Diese Demotivation führe zu einem eher ineffizienten Lernverhalten, das wiederum von vielen Seiten negativ sanktioniert würde. „Schüler*innen erleiden Nervenzusammenbrüche und müssen mit kontinuierlichem Stress leben. Das ist nicht akzeptabel und darüber hinaus geht die Motivation zum Lernen verloren”, erklärt Collin Hauke, ebenfalls Mitglied im Vorstand der LSV, die Konsequenzen des bisherigen Systems. Die Interessenvertretung kritisiert außerdem, dass das vermittelte Wissen schon nach kurzer Zeit nicht mehr im Kopf bleibe. „Wer weiß denn noch, was er in der Schule alles gelernt hat?” fragt Luca Samlidis. Dass die wenigsten Menschen sich noch an viele Inhalte erinnern können, liege auch an mangelndem Interesse, das unter anderem durch den Leistungsdruck zustande komme. Außerdem werde nur noch gelernt, um gute Noten und einen guten Abschluss zu bekommen, die Eigenmotivation ginge dadurch immer mehr verloren.

Die Schüler*innen fordern, dass mehr auf Freiwilligkeit beim Lernen gebaut werden sollte. „Dann bleibt das Gelernte auch im Kopf” äußert sich der Vorstand. Konkret stellt sich die Landesschüler*innenvertretung vor, dass Schüler*innen nach jedem thematischen Sinnabschnitt in der Schule eine individuelle Erläuterung zu ihren Stärken und Schwächen bekommen. Dies soll in Gesprächen geschehen, in dem bis zu fünf Schüler*innen gemeinsam beraten werden. Individuelle Beurteilungen in Textform seien um ein Vielfaches aussagekräftiger als subjektive Ziffernoten.

Die LSV NRW nennt im selben Zuge, dass die Machbarkeit dieses Systems stark von der Finanzierung der Schulen abhänge. Seit Jahren würden mehr Lehrer*innen für kleinere Klassenstärken gefordert. Die Schüler*innen meinen: „Wenn wir dahin kommen, werden alle individuell gefördert und können das Beste aus sich machen. Wir unterstützen also die Vorsitzende der GEW und fordern die flächendeckende Abschaffung von Schulnoten.”

Wir sind mehr wert!

falt-unter-smallSo lautet der Titel unserer Kampagne gegen die chronische Unterfinanzierung des Bildungssystems. Es fehlt an allen Ecken: Zu wenig Lehrer*innen, zu wenig Schulsozialarbeit, marode Schulgebäude, schlechte Ausstattung, vielerorts gibt es nicht einmal spezielle ÖPNV-Tickets für Schüler*innen.
Mehr Infos zum Thema und unseren Forderungen sind zu finden in unserem
Faltblatt (pdf, 799kB), das auch kostenfrei bestellt werden kann.