Endlich: Löhrmann übernimmt Forderungen der LSV NRW

In der jahrelang anhaltenden Diskussion um die Schulzeitverkürzung schockte die Schulministerin Sylvia Löhrmann, sonst so eiserne Vertreterin des G8-Abiturs, gleichsam Eltern- und Lehrer*innenverbände, als sie kürzlich von ihrem Wunsch nach einer flexiblen Schulzeit sprach – zunächst an Gymnasien, perspektivisch dann an allen Schulformen. Offenbar hat sie in den Wahlkampfmodus umgeschaltet und geht deshalb endlich auf die Forderungen der bedeutenden Mehrheit der Schüler*innen und Eltern ein. Vermutlich allerdings nur aus wahltaktischen Gründen – es ist zu befürchten, dass nach der Wahl wieder die alten Argumente für G8 herausgekramt werden.

Für die Landesschüler*innenvertretung NRW (LSV NRW) ist die Forderung nach einer Flexibilisierung der individuellen Schulzeit nichts Neues. Schon vor der Einführung von G8 lehnte sie als Interessenvertretung der rund 2,6 Millionen Schüler*innen NRWs Konzepte zur Verkürzung der Schulzeit ab. Gegen den Widerstand des Schulministeriums und dessen Ministerin brachte die NRW-weite Schüler*nnenvertretung dies beispielsweise in den Jahren 2013 und 2014 mit der Kampagne “Gute Nacht G8!” zum Ausdruck.

Als Alternativlösung zu G8 fordert die LSV NRW allerdings keine einfache Rückkehr zu G9, sondern strebt eine individuelle Regulierung der Schulzeit an, die sich jenseits der beiden meistens diskutierten Möglichkeiten von acht oder neun Jahren bewegt – ähnlich wie Frau Löhrmann nach ihrem neuesten Sinneswandel. Dies muss selbstverständlich mit einem gut ausgearbeiteten Konzept zur individuellen Förderung der einzelnen Schüler*innen einhergehen.

Auch für den letztgenannten Punkt hat die LSV schon eine Idee: Gemeinsam mit Schüler*innen aus ganz NRW haben wir in den vergangenen Jahren das Konzept der Inklusiven Ganztags-Gesamtschule (IGGS) entwickelt, das das Prinzip des ganztägigen und inklusiven Lernens mit einer individuellen Schulzeit verknüpft.

Neu ist das Prinzip des individuellen Lernens für die Schüler*innenvertreter*innen also nicht, sondern nur, die eigenen Forderungen nach vielen Jahren des Dagegenhaltens aus dem Mund der Schulministerin zu hören.
Mit Hinweis auf die aktuell laufende Kampagne der LSV NRW “Wir sind mehr wert – Kostenlose Bildung für alle!”, die sich gegen all die Missstände unseres chronisch unterfinanzierten Bildungssystems stellt, macht die LSV als Schüler*innenvertreter*innen klar: Wer es ernst meint mit einer grundlegenden Verbesserung des Schulsystems, muss mehr personelle und finanzielle Ressourcen zur Verfügung stellen! Denn eine konkrete Umsetzung der individualisierten Schulzeit benötigt mehr als leere Worte, sondern vor allem einen Stopp des Sparkurses im Bildungssektor.

Echte Veränderungen im Schulsystem sind dringend notwendig, um der Forderung nach einer individuellen Schulzeit gerecht zu werden und darüber hinaus langfristig eine Schule für alle zu erreichen, welche die Interessenvertretung als Ersatz für das mehrgliedrige Schulsystem fordert. Nur so kann dem Bedürfnis der Schüler*innen nach einem nachhaltigen Bildungssystem, das nicht von Selektion und Leistungsdruck, sondern von individueller Förderung und persönlicher Entfaltung geprägt ist, Rechnung getragen werden.

Dass Frau Ministerin Löhrmann auf einmal ähnliche Forderungen und Überlegungen in den Mund nimmt, ist zwar ein erster Schritt in die richtige Richtung. Allerdings fordert die LSV NRW die Ministerin auf, Farbe zu bekennen: G8 ist gescheitert – ohne wenn und aber!

Für weitere Beratung in bildungspolitischen Fragen steht die Landesschüler*innenvertretung laut eigenen Angaben jederzeit gerne zur Verfügung.

Pressekontakt:
Landessekretariat der LSV NRW
Telefon: 0211-330 703
E-Mail: info{ät}lsvnrw.de

Wir sind mehr wert!

falt-unter-smallSo lautet der Titel unserer Kampagne gegen die chronische Unterfinanzierung des Bildungssystems. Es fehlt an allen Ecken: Zu wenig Lehrer*innen, zu wenig Schulsozialarbeit, marode Schulgebäude, schlechte Ausstattung, vielerorts gibt es nicht einmal spezielle ÖPNV-Tickets für Schüler*innen.
Mehr Infos zum Thema und unseren Forderungen sind zu finden in unserem
Faltblatt (pdf, 799kB), das auch kostenfrei bestellt werden kann.