Expertentreffen zu „Schule“ ohne Schüler*innen

Endlich geht es voran. Die schulpolitische Diskussion bekommt immer mehr Aufwind und das seit der vergangenen Landtagswahl zweitrangig gewordene Thema rund um das Turbo-Abitur G8 wird wieder aktuell. Gut so!
Es besteht dringender Handlungsbedarf und es wird Zeit, dass sich etwas in NRW tut. Welche Maßnahmen in welcher Form ergriffen werden, liegt nun bei allen am Schulleben Beteiligten. Auch den Schüler*innen – die zu einer wichtigen Anhörung nicht eingeladen wurden!

Die Landesschüler*innenvertretung (LSV) NRW positioniert sich bereits seit vielen Jahren gegen jede Form der Schulzeitverkürzung, also in besonderem Maße das G8-System. Es wird immer deutlicher, dass die achtjährige Gymnasialzeit kaum Vorteile mit sich bringt – die Schüler*innen in den Schulen haben mit einem noch weiter gestiegenen Leistungsdruck zu kämpfen, kommen aus den Klausurenphasen nicht mehr
heraus und können den Lernstoff so gut wie überhaupt nicht verinnerlichen. Die Notwendigkeit dieses „Bulimie-Lernens“ wird von der
LSV NRW vehement kritisiert.
Nun scheint Nordrhein-Westfalen einen (längst überfälligen) Schritt in die richtige Richtung zu gehen. Dabei ist auch zentral, wann der längst entschiedene Wechsel zum G9-Abitur vollzogen wird. Gespräche und Diskussionen mit Beteiligten bleiben da nicht aus.

Die Westfälische Rundschau (WR) titelte am 8. November 2017 „Experten warnen vor überhasteter Rückkehr zu G9“ und nahm auf eine
Zusammentreffen von „Gewerkschaften, Kommunen, Schuldirektoren und Teile der Elternschaft“ in Form einer Anhörung des Schulausschusses Bezug. Ein Termin, der ohne das Wissen der landesweiten und anerkannten Interessenvertretung der Schüler*innen stattfand.
Es ist nicht hinnehmbar, dass alle Akteur*innen des Schullebens an einem Tisch sitzen und die rechtlich legitimierte Vertretung der Lernenden kein Stück mit einbezogen wird.
Die LSV NRW kritisiert das Vorgehen aufs Schärfste und fordert die Organisator*innen der Veranstaltung zu einer Stellungnahme auf. Die
Sicht der Schüler*innen, die tagtäglich mit den Folgen von G8 zu kämpfen haben, ist für die richtige Beurteilung der Situation keinesfalls zu ersetzen. Dieser Missstand muss dringendst und schnell behoben werden.
In NRW besuchen zurzeit fast eine halbe Million Schüler*innen ein Gymnasium, sind also unmittelbar von der Umstellung betroffen. Wie kann
es sein, dass diese Gruppe in einer möglicherweise wegweisenden Zusammenkunft von Vertreter*innen aller Beteiligten nicht eingeladen wird? Hoffentlich sagt das nichts über die Wichtigkeit der Schüler*innen aus.

Die LSV NRW hätte gerne auch im Gespräch deutlich gemacht, dass eine schulbezogene Wahlmöglichkeit zwischen G8 und G9 für die Schüler*innen
eine schlechte Option ist. Eine Wahlfreiheit für jede*n einzelne*n Schüler*in sieht da (bei vorheriger Absprache zwischen allen Beteiligten und einer durchdachten Konzeption) anders aus. Langfristig sollte das Ziel sein, nicht mehr in Kategorien von G8 und G9 zu denken. Das Land muss hin zu einer individuellen Lösung für den*die einzelne*n Schüler*in. Leider war die Darlegung dessen auf Gesprächsebene nicht
möglich.

Wir sind mehr wert!

falt-unter-smallSo lautet der Titel unserer Kampagne gegen die chronische Unterfinanzierung des Bildungssystems. Es fehlt an allen Ecken: Zu wenig Lehrer*innen, zu wenig Schulsozialarbeit, marode Schulgebäude, schlechte Ausstattung, vielerorts gibt es nicht einmal spezielle ÖPNV-Tickets für Schüler*innen.
Mehr Infos zum Thema und unseren Forderungen sind zu finden in unserem
Faltblatt (pdf, 799kB), das auch kostenfrei bestellt werden kann.