Stellungnahme: Finanzierung von Inklusion

Seit der Einführung der UN-Behindertenrechtskonvention im Jahr 2006 haben Kinder mit Behinderung das Recht auf eine inklusive Schulbildung. Die Eltern von Kindern mit Behinderung haben das Recht zu entscheiden, ob sie Ihr Kind auf eine Regelschule oder eine Sonderschule schicken. Doch wurde an dieser Stelle wirklich weiter gedacht? Die Realität zeigt uns: Nein, denn wenn man sich “Inklusion” an Nordrhein-Westfalens Schulen einmal genauer ansieht, fällt sofort auf, dass an vielen Stellen Geld fehlt!

Für Inklusion fehlt vor allem das Personal
Die Sonderpädagog*innen, welche in der Regel von den umliegenden Sonderschulen, an denen sie angestellt sind, für die Unterrichtsbegleitung zu den inklusiven Regelschulen pendeln, sind komplett überlastet und haben keine Möglichkeit das zu leisten, was sie leisten müssten. Laut einer Umfrage der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) fehlen rund 7000 Sonderpädagog*innenstellen. So berichtet die Westfälische Rundschau, dass ein*e Sonderpädagog*in teilweise nur für eine Zeit von 10 Wochenstunden im Unterricht anwesend sei. Dies sieht die Landesschüler*innenvertretung NRW als deutlich unzureichend an. “Nicht zuletzt weil die Klassenstärke, auch in Inklusiven Klassen, noch immer viel zu hoch ist, muss deutlich mehr Personal eingesetzt werden, um Inklusion möglich zu machen”, betonen sie. Daher fordern die Interessenvertreter*innen, genügend Stellen zu schaffen, damit in jeder Stunde einer inklusiven Klasse ein Sonderpädagoge oder einer Sonderpädagogin anwesend sein können.

Eine Individuelle Förderung aller Schüler*innen, welche das Schulgesetz NRW verlangt, sei in ihren Augen nur durch die Verkleinerung der Klassenstärke und zwei Lehrer*innen in einer Klasse möglich. Unabdingbar sind in diesem Zusammenhang laut der LSV auch die Inklusionshelfer*innen: “Besonders Schüler*innen, welche zuvor auf einer Sonderschule waren, müssen bedingungslos Inklusionshelfer*innen zur Seite gestellt bekommen, damit sie sich in das Leben der Regelschule einfinden können, diese muss das Land ausreichend finanzieren.”

Die Gebäude sind unzureichend ausgestattet: Ein Inklusiver Schulalltag ist nur schwer möglich!

“Es ist äußerst wichtig, dass Kinder mit Behinderung die Chance bekommen, dort zu lernen, wo sie später auch in der Gesellschaft leben sollen: Mitten unter uns. Doch die meisten Schulgebäude, sind unzureichend ausgestattet und lassen die Inklusion scheitern”, sagt der Vorstand der LSV NRW. “Inklusion muss in der Gesellschaft eine Selbstverständlichkeit werden. Die Schule, die unsere Kinder auf das Leben in dieser Gesellschaft vorbereitet, muss dabei eine Vorbildfunktion einnehmen.”

Das heißt, dass alle Schulen in NRW inklusiv werden müssen. Daher kritisiert die LSV ebenfalls, dass von der aktuellen Landesregierung die dringend nötigen Umbauten der Schulgebäude nicht ausreichend finanziert werden.
Oftmals seien Räume für einige Schüler*innen nicht zu erreichen: So könnten an manchen Schulen Kinder, die im Rollstuhl sitzen, die naturwissenschaftlichen Fachräume nicht besuchen. Dadurch müsse der Unterricht im Klassenraum stattfinden, der aber nicht für Naturwissenschaften ausgestattet sei.

Damit das Lernen in heterogenen Lerngruppen möglich ist, ist der Aus- und Umbau der Räumlichkeiten daher zwingend notwendig. Laut einer Umfrage des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE) sagen 20% der Befragten Lehrer*innen, das Hauptproblem bei der Inklusion seien aktuell fehlende und unzureichend ausgestattete Räumlichkeiten. Der größte Teil der Befragten gab an, dass es an Personal und Fortbildungsmöglichkeiten mangele, welche dringend finanziert werden müssten. Nicht zuletzt muss für die individuelle Förderung ein besseres Raumangebot vorhanden sein, welches die Lerngruppen nutzen können, um miteinander leben und lernen zu können.

Dafür gehen die Schüler*innen auf die Straße
Da die Finanzierung von Inklusion bei der Kampagne der LSV NRW eine große Rolle spielt, sind auch diese Forderungen bestandteil der Demonstration am 6. Mai um 12 Uhr am Düsseldorfer Hauptbahnhof. Alle Bürger*innen NRW’s sind laut der Landesschüler*innenvertretung herzlich willkommen: “Wir müssen gemeinsam laut werden um gegen die Unterfinanzierung ein Zeichen zu setzen”, lautet die Devise.

Wir sind mehr wert!

falt-unter-smallSo lautet der Titel unserer Kampagne gegen die chronische Unterfinanzierung des Bildungssystems. Es fehlt an allen Ecken: Zu wenig Lehrer*innen, zu wenig Schulsozialarbeit, marode Schulgebäude, schlechte Ausstattung, vielerorts gibt es nicht einmal spezielle ÖPNV-Tickets für Schüler*innen.
Mehr Infos zum Thema und unseren Forderungen sind zu finden in unserem
Faltblatt (pdf, 799kB), das auch kostenfrei bestellt werden kann.