Stellungnahme: Schulsozialarbeit wichtiger Bestandteil des Schullebens

ResolutionViele Schüler*innen kennen es – Ärger mit den Eltern, Probleme in der Klasse, Überforderung im Unterricht oder Prüfungsangst überschatten alles Positive. Die Schule entwickelt sich für viele Kinder und Jugendliche immer weiter zu einem Lebensraum, der natürlicherweise auch Probleme mit sich bringt. Die Normalität dessen ist allgemein bekannt, trotzdem ist die Schulzeit ein besonders elementarer Teil des Erwachsenwerdens. Und dieser Prozess erfordert individuelle Förderung und Unterstützung für jede*n einzelne*n Schüler*in.
Wie können wir also erreichen, dass den Schüler*innen neben fachlichem Wissen aus dem Unterricht auch eine Anlaufstelle bei Problemen geboten wird?
Die Landesschüler*innenvertretung NRW fordert- auch im Zuge der Kampagne „WIR sind mehr wert – Kostenlose Bildung für alle!“ einen weitreichenden Ausbau der Stellen für Schulsozialarbeiter*innen an NRWs Schulen. Die Sozialarbeit ist ein elementarer und tragender Grundpfeiler für das schulische Zusammenleben. Ansprechpartner*innen für Schüler*innen dürfen nicht nur aus dem jeweiligen Lehrer*innenkollegium stammen. Das ist besonders dadurch begründet, dass Lehrer*innen in den wenigsten Fällen die richtige Ausbildung vorweisen können und infolgedessen in vielen Situationen nicht in dem Maße als Vertrauenspersonen geeignet sind, wie Sozialpädagog*innen das wären. Viele Gründe sprechen also für eine Erweiterung des sozialpädagogischen Angebots:

Alle Schüler*innen sind individuell und verschieden. Sie haben unterschiedliche familiäre und kulturelle Hintergründe, verschiedene Interessen und eine eigene Lebensweise. Das kann auch ein Grund für Konflikte sein. Es ist also immens wichtig, dass jede*r Schüler*in persönliche Unterstützung bekommt, wenn diese benötigt wird. Dabei gilt der Grundsatz: Lehrer*innen schaffen das nicht allein! Der (strukturelle) Lehrkräftemangel (vgl. Stellungnahme zum (strukturellen) Lehrkräftemangel) ist ebenso ein Grund dafür wie die Belastung im Unterricht selbst und in der Vor- und Nachbereitung dessen. Es ist also an der Zeit, den Schulen flächendeckend qualifiziertes Personal zur Verfügung zu stellen.
Beim Aufeinandertreffen größerer und kleinerer Gruppen von Menschen, wie zum Beispiel Schulklassen und Arbeitsgemeinschaften, ist es außerdem immer möglich, dass persönliche Differenzen entstehen, die in Mobbing und Diskriminierung enden können. Schüler*innen werden ausgeschlossen, beleidigt und in ihrer Würde verletzt. Prävention ist der effektivste Weg, dem entgegenzuwirken, schon von Beginn an. Und die Sozialarbeit ist eine wichtige Form der Präventionsarbeit. Schule ist ein Ort des Zusammenlebens. Und um dieses Zusammenleben angenehm und produktiv gestalten zu können, müssen die Schüler*innen bei ihrer Entwicklung und ihren Konflikten durch Fachpersonal unterstützt werden.
Außerdem leben wir in einer Zeit, in der diskriminierende Organisationen und Parteien immer mehr Zulauf bekommen. Auch Jugendliche sympathisieren mit solchen Bündnissen. Das lässt sich unter anderem darauf zurückführen, dass ihnen der Anschluss an gleichaltrige Bezugspersonen, auch in der Schule, fehlt. Die Schule ist überfordert, die Klassengemeinschaft ist nicht ausgeprägt – ein scheinbarer Ausweg aus dem Gefühl des Alleinseins ist die Teilhabe an rechten Bewegungen. Auch dagegen können Sozialarbeiter*innen etwas tun.
Schüler*innen, insbesondere im jüngeren Alter, brauchen ebenso wie ihre Lehrer*innen Unterstützung beim Aufbau der Klassengemeinschaft. Zusammenhalt ist wichtig, um den Schüler*innen Sicherheit zu geben.
Die Forderung der Landesschüler*innenvertretung NRW ist also, mindestens zwei unbefristete Vollzeitstellen an allen Schulen des Landes zu garantieren. Dabei soll darauf geachtet werden, dass die Stellen durch eine männliche und eine weibliche Person besetzt werden. Wenn die Schüler*innenzahl einer Schule auf über 300 Lernende ansteigt, soll der betreffenden Schule pro angefangenen 300 Schüler*innen eine weitere Stelle zugesprochen werden, damit eine ausreichende individuelle Förderung auch bei größeren Schulen sichergestellt werden kann. Es soll wieder darauf geachtet werden, dass die Stellen gleichmäßig an weibliche sowie männliche Schulsozialarbeiter*innen vergeben werden.
Die LSV NRW hat sich darüber hinaus Gedanken über die konkrete Ausgestaltung der Schulsozialarbeit gemacht und fordert neben dem Ausbau der Stellenbesetzung, dass Schulen den Sozialarbeiter*innen und Schüler*innen geeignete und angemessene Räumlichkeiten im Schulgebäude zur Verfügung stellen müssen. Vertrauen ist für die Sozialarbeit unbedingt von Nöten. Die Lernenden sollen sich trauen, die Ansprechpersonen um Rat zu fragen. Das geht nur, wenn die Räume dementsprechend platziert sind.
Abschließend lohnt es sich, noch einmal auf die aktuelle Situation in den Schulen zu schauen: Laut Untersuchungen des Landesprogramms „Bildung und Gesundheit NRW“ wird bundesweit jede*r siebte bis elfte Schüler*in im Alter von 9 bis 20 Jahren gemobbt ( Link). Laut dem Ministerium für Schule und Weiterbildung sind 942 Schulsozialarbeiter*innen im Landesdienst an Schulen in Nordrhein-Westfalen angestellt. Die LSV NRW betont, dass die Kosten für die Schulsozialarbeit allein das Land NRW tragen soll. Damit wird deutlich, was die Schüler*innen erreichen möchten: Finanzielle Unterstützung durch das Land Nordrhein-Westfalen zur Gestaltung des Schullebens, also auch der Beschäftigung von Sozialarbeiter*innen.
Wir als Landesschüler*innenvertretung NRW möchten die Unterfinanzierung des Bildungssystems nicht weiter hinnehmen, sondern um Unterstützung bei unserem Anliegen bitten, denn:
Es gibt nur eins, was auf Dauer teurer ist als Bildung, keine Bildung.
(John F. Kennedy)

Die an den Landtag NRW gerichtete Petition kann online unterzeichnet werden unter petition.lsvnrw.de, mehr Infos zur Thematik finden sich unter Bildungsfinanzierung.

Wir sind mehr wert!

falt-unter-smallSo lautet der Titel unserer Kampagne gegen die chronische Unterfinanzierung des Bildungssystems. Es fehlt an allen Ecken: Zu wenig Lehrer*innen, zu wenig Schulsozialarbeit, marode Schulgebäude, schlechte Ausstattung, vielerorts gibt es nicht einmal spezielle ÖPNV-Tickets für Schüler*innen.
Mehr Infos zum Thema und unseren Forderungen sind zu finden in unserem
Faltblatt (pdf, 799kB), das auch kostenfrei bestellt werden kann.