Stellungnahme zur Digitalisierung des Bildungssystems

Landesschüler*innenvertretung fordert Ausbau der digitalen Infrastruktur an Schulen

Unsere Umwelt wird zunehmend digitalisiert, ob es sich um die zunehmende Verbreitung der sozialen Netzwerke handelt oder die Möglichkeit, alles online zu bestellen: Unser Leben spielt sich immer mehr in der digitalen Welt und im Internet ab. Das Internet ermöglicht es, an jede Information zu gelangen, die wir uns wünschen.
Leider ist es unserem Schulsystem nicht gelungen, diesen Wandel zu vollziehen. Noch immer regieren in den Klassenräumen die Tageslichtprojektoren (auch Overhead-Projektoren, kurz OHP genannt), welche schon zur Schulzeit unserer Eltern und Großeltern weit verbreitet waren. Was für viele Schüler*innen anderer Nationen unmöglich klingt, ist leider Alltag in unserem Schulsystem.

Andere Länder zeigen, dass die Verwendung von neuen Medien im Unterricht große Vorteile bei der Darstellung der Lerninhalte aufweist: eine interaktive Tafel ermöglicht es den Lehrer*innen, die Informationen für Schüler*innen gerecht darzustellen, sodass gänzlich neue und fortschrittliche Unterrichtsmethoden möglich sind. Deshalb fordert die LSV NRW, dass in jedem Klassenraum ein Beamer, eine Dokumentenkamera und ein Whiteboard vorhanden sein müssen. Dafür sind weitreichende Investitionen in die IT-Infrastruktur der Schulen notwendig, denn wenn der angeschlossene Computer zu langsam ist oder das Internet nur unzuverlässig funktioniert, wird die Digitalisierung des Schulsystems nicht funktionieren und zu Frustration bei den Beteiligten führen.
Neben der verbesserten Darstellung von Lehrinhalten bietet die Digitalisierung weitere Möglichkeiten. Durch die Verwendung von digitalen Schulbüchern ab der Oberstufe würde nicht nur der Unterricht deutlich fortschrittlicher gestaltet werden können, den Schüler*innen würde nebenbei noch das Tragen der schweren Schultasche erspart bleiben. Schulbücher aus den 70er Jahren gehörten so der Vergangenheit an, denn die Informationen wären immer aktuell verfügbar.
Die Verfügbarkeit aller Informationen birgt allerdings auch Risiken, da zunehmend auch falsche Informationen im Internet verbreitet werden. Den Schüler*innen muss ein verantwortungsvoller Umgang mit Internetquellen gezeigt werden.
Durch den regelmäßigen Umgang mit neuen Medien würden die Schüler*innen auch gleichzeitig auf die Anforderungen im späteren Leben vorbereitet – Universität, Ausbildung und Arbeitswelt verlangen immer häufiger den sicheren Umgang mit Office-Programmen und die Fähigkeit, Vorträge mit Hilfe von digitalen Präsentationen zu halten. Die Digitalisierung hätte demnach den positiven Nebeneffekt, dass die Schüler*innen besser auf ihr späteres Leben vorbereitet würden.
Da das Internet heutzutage schon einen großen Einfluss auf den Schulalltag hat und somit einen wichtigen Bestandteil der Bildung darstellt ist es umso wichtiger, dass jede*r Schüler*in die kostenlose Möglichkeit erhält, auf digitale Medien zuzugreifen. Ansonsten würden die Vorteile der Nutzung digitaler Medien einigen Personengruppen vorbehalten bleiben, welche die finanziellen Mittel für die benötigten Geräte haben.
Ein Ausbau der Infrastruktur ist allerdings kein Allheilmittel für eine gelungene Digitalisierung, denn was nützt der schnellste Computer, wenn nicht das notwendige Know-How für eine Bedienung vorhanden ist? Aus diesem Grund sind verpflichtende Fortbildungen für Lehrer*innen nötig, in denen die neuen Medien als Möglichkeit zur besseren Veranschauung von Lehrinhalten präsentiert werden. Außerdem fordert die LSV NRW, dass schon während des Lehramtsstudium und dem Referendariat ein größerer Fokus auf die Verwendung von neuen Medien zur Vermittlung von Lehrinhalten gelegt wird.
Damit  auch in der Anonymität des Internets ein respektvoller Umgang herrscht müssen sowohl Schüler*innen als auch Lehrer*innen für die Gefahren und Risiken der Digitalisierung sensibilisiert werden. Es muss deutlich gemacht werden, welche Konsequenzen das Verbreiten bestimmter Informationen in sozialen Netzwerken haben kann. Dies kann beispielsweise durch eine Unterrichtsreihe zum Thema Cybermobbing umgesetzt werden. Desweiteren wird eine Fachstelle benötigt, bei der Betroffene von Cybermobbing schnell Hilfe erhalten können. Auch würde der (von uns, der LSV NRW geforderte) Ausbau der Schulsozialarbeiter*innenstellen auf mindestens zwei Vollzeitstellen pro Schule die Problematiken weitaus entschärfen, da das Miteinander unter den Schüler*innen verbessert wird.
Problematisch ist außerdem, dass der Bund in den nächsten Jahren eine Investition von mehreren Milliarden Euro in die digitale Infrastruktur investieren will, der sonstige Zustand der Schulen und die Probleme bei der Bereitstellung von genügend Lehrer*innen und Sozialarbeiter*innen aber bei den Investitionen vernachlässigt wird. So könnte es zu der absurden Situation kommen, dass eine schwer sanierungsbedürftige Schule mit starkem Lehrer*innenmangel dafür plötzlich über Smartboards und andere teure Technik verfügt. Eine Investition in den baulichen Zustand oder die Aufstockung der Lehrer*innenstellen wäre in solchen Situationen sicherlich sinnvoller.
So nötig die Digitalisierung auch ist, sie ist kein Allheilmittel für unser Bildungssystem. Die Art des Lernens gehört generell reformiert, damit der Unterricht fortschrittlich und individuell auf die*den Schüler*in angepasst wird. Digitale Medien sind in diesem Reformprozess eine tolle Unterstützung, aber man darf sich nicht vortäuschen lassen, dass einzig der Einsatz digitaler Medien den Unterricht reformiert. Dazu müssen noch viele weitere Schritte in die Wege geleitet werden.

Wir sind mehr wert!

falt-unter-smallSo lautet der Titel unserer Kampagne gegen die chronische Unterfinanzierung des Bildungssystems. Es fehlt an allen Ecken: Zu wenig Lehrer*innen, zu wenig Schulsozialarbeit, marode Schulgebäude, schlechte Ausstattung, vielerorts gibt es nicht einmal spezielle ÖPNV-Tickets für Schüler*innen.
Mehr Infos zum Thema und unseren Forderungen sind zu finden in unserem
Faltblatt (pdf, 799kB), das auch kostenfrei bestellt werden kann.