Ostermarsch 2016

Schüler zeigen Transparent gegen Krieg
Wie bereits in vergangenen Jahren nahm die LSV NRW auch in diesem Jahr als Teil des „Jugendblocks“ am traditionellen Düsseldorfer Ostermarsch teil.
In diesem Rahmen wurde von Landesvorstandsmitglied Collin Hauke für die LSV NRW folgende Rede gehalten:

Die Menschheit sollte mittlerweile aus ihrer Vergangenheit gelernt haben und die Idee vom Krieg als „bloße Fortführung der Politik mit anderen Mitteln“, wie es Clausewitz formulierte, sollte dieser Vergangenheit angehören und auf die Müllhalde der Geschichte verbannt sein. Doch immer noch bestimmt diese Vorstellung sämtliches politisches Handeln und hat in jüngster Vergangenheit eine Katastrophe nach der anderen heraufbeschworen. Die Tradition des Militärs tut dabei ihre Sache. Sie durchdringt die Gesellschaft, wo sie nur kann, und führt auch schon Minderjährige in ihre Reihen. Gleichgültig wie man zur Bundeswehr steht: Die Anwerbung von Jugendlichen, die noch nicht ihr 18. Lebensjahr vollendet haben, stellt einen Verstoß gegen die Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen dar.

Noch immer lässt die Politik zu, dass die Bundeswehr in Schulen, die allen Schülerinnen und Schülern ein neutrales friedliches Umfeld schaffen sollten, für den „Dienst an der Waffe“ wirbt. In den Nordrhein-Westfälischen Schulen geschieht dieses Werben offen und unkritisch. Dass zum Beispiel Friedensinitiativen wie der DFG-VK zu solchen Veranstaltungen eingeladen werden, steht oft nicht zur Debatte. Bei Auftritten der Bundeswehr an Schulen wird eindeutig gegen den Beutelsbacher Konsens verstoßen, der festlegt, dass die Schulen nicht unkritisch und einseitig über Themen wie z.B. „internationale Sicherheitspolitik“, die bei Seminaren der Bundeswehr thematisiert werden, berichten dürfen. Schülerinnen und Schüler haben ein Recht darauf, sich ein differenziertes Bild zu machen, das nicht nicht nur auf der Propaganda der Bundeswehr beruht. Weiterhin darf sich die Bundeswehr nicht als hipper, junger Arbeitgeber darstellen, der, wie in seinen Werbefilmen propagiert, abends Beachpartys veranstaltet, sondern sie muss als das auftreten, was sie ist: Eine Armee. Eine Armee, in der man für die Interessen des deutschen Staates und der deutschen Wirtschaft, wie es den verteidigungspolitischen Richtlinien zu entnehmen ist, tötet. Eine Armee, in der man die eigene Gesundheit und die anderer riskiert, in der man fremde Länder bereist, um diese in Schutt und Asche zu legen, in der man gedemütigt wird und in seiner Meinungsfreiheit beschränkt wird. Nicht zu vergessen die psychische Belastung, die man erleidet. Allein im Jahr 2014 sind 1697 Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr in Einsätzen an der Posttraumatischen Belastungsstörung erkrankt. So etwas wird bei Bundeswehrauftritten in Schulen eher verdrängt.

Es wird um Menschen getrauert, die im Dienst für ihr Land gestorben sind, aber nicht um diejenigen Menschen, die von eben jenen Armeen und Staaten grausam ermordet worden sind, wie zum Beispiel die unzähligen Zivilistinnen und Zivilisten, die durch den Lauftangriff des deutschen Obersts Klein am 4. September 2009 umkamen.

Durch vorangegangene Kriege wurde ein weltweiter Terror hervorgebracht, der zu einer Gefahr geworden ist, die nicht nur ganz weit weg geschieht, wo wir sie nicht wahrnehmen wollen, sondern nun auch uns erreicht hat. Doch wir haben nicht lernen wollen, wir zündeln weiter in diesen Gebieten und nennen es Krieg gegen den Terror. Deutschland profitiert von diesem Krieg gegen den Terror. Unsere Kriegsindustrie boomt. So sehr, dass uns die Folgen unserer Exporte wenig kümmern, selbst wenn sie Menschen zur Flucht zwingen und ganze Nationen im Chaos versinken. Wir exportieren weiter, auch an Tyranneien wie Saudi-Arabien, die sich vom so genannten IS nur darin unterscheiden, dass sie uns unsere Waffen abkaufen, und paktieren mit Staaten, die über Menschenrechte hinweg sehen und sogar den Widerstand gegen den IS bekämpfen, wie z.B die Türkei.
Derzeit ist die Welt in heller Aufregung und Sorge.
Der Anschlag in Brüssel hat viele Menschen verletzt und getötet. Der so genannte Islamische Staat, der sich zum Anschlag bekennt, stellt eine Gefahr für Millionen Menschen im nahen Osten dar. Seine reaktionären Horden verschleppen, vergewaltigen und morden blutrünstig unschuldige Menschen für ihr Ziel eines Gottesstaates, der auf den Grundfesten der Verachtung vor dem Menschen gebaut ist. Den IS jedoch mit den Mitteln zu zerstören, mit denen seine Entstehung begünstigt wurde, nämlich durch militärische Interventionen, wird keine Abhilfe bringen. Auch dürfen wir uns nicht dazu verleiten lassen, unsere Mitmenschen zu verdächtigen und zu hassen. Wir lassen uns nicht anhand unserer Herkunft spalten! Unsere Antwort auf den Terror soll lauten: Freiheit, Gleichheit und Solidarität!

Die Weltgesellschaft, immer hin und her gerissen zwischen wirtschaftlichen Krisen, militärischen Konflikten und dem Streben nach Vorherrschaft, bedarf mehr denn je einer an ihre Wurzel gehenden Umstrukturierung. Kein Krieg vermag den internationalen Terror aufzuhalten. Kein Krieg vermag es, Jugendlichen eine Perspektive und Zukunft zu verleihen. Im Gegenteil, der Krieg raubt ihnen eben diese. Wir stehen in der Pflicht die Erziehung zum Frieden nicht nur als eine Floskel zu betrachten. Wir müssen sie Ernst nehmen und umsetzen, die gegenwärtigen Zeiten machen sie nötiger denn je. Bildung und Emanzipation können sich nur in einer aufgeklärten, demokratischen und friedliebenden Gesellschaft vollziehen. Es liegt an uns sie umzusetzen und eben jene Gesellschaft zu erschaffen!

Durch all unsere Erkenntnisse, sei es der Wissenschaft, der Philosophie oder der sonstigen Gebiete des menschlichen Wissens, sollten wir mittlerweile in der Lage sein, den Krieg zu ächten und nie wieder in Betracht zu ziehen. Nie wieder sollen AbiturientInnen in den Krieg ziehen und für immer vergessen sein! Nie wieder sollen Mütter und Väter ihre gefallenen Kinder beweinen müssen! Nie wieder soll das Völkerband im rohen Krieg zerreißen! Stärker denn je lautet unsere Parole: Nie wieder Krieg!

Schöne Bilder vom Düsseldorfer Ostermarsch gibt es z.B. von Karl-Reiner Engels auf flickr: Zur Flickr-Galerie