Kein Werben fürs Sterben

Bild: Schule ohne BundeswehrAnlässlich einer Konferenz des Nato-Zentrums für Luftwaffen-Kompetenz zum Thema „Strategische Kommunikation“, bei der weit über 200 hochrangige Nato-Militärs, Politiker und Rüstungsindustrielle ab dem 23.11. in darüber berieten, wie sie die ihrer Ansicht nach mangelhafte Unterstützung der Bevölkerung für militärische Operationen steigern können, fand am vergangenen Wochenende in Essen eine Gegenkonferenz statt, die von einem breiten Bündnis getragen wurde.
Bezug nehmend auf die gezielte Anwerbung von SchülerInnen für den Dienst an der Waffe hat die LSV NRW dort das folgende Grußwort gehalten:

Diese Konferenz der NATO hat neben der militaristischen Propaganda und der Manipulation der öffentlichen Meinung auch zum Zweck, uns Schülerinnen und Schüler zu rekrutieren und in ihre Kriegsmaschinerie zu führen. Dabei ist es schon Praxis, dass Jugendoffiziere an unsere Schulen kommen, um uns die großartigen Möglichkeiten der Bundeswehr vorzubeten.
Studium, Ausbildung und Karriere, all das können wir Schülerinnen und Schüler bei der Bundeswehr wahrnehmen. Wer nicht die nötigen Mittel für ein Studium besitzt, wer keine Aussicht auf eine Ausbildungsstelle hat oder wem die Vergütung während der Ausbildung zu gering ist, dem legen Jugendoffiziere nahe, zur Bundeswehr zu gehen, um so einem prekären Lebensstandard zu entgehen. Dabei sollten alle Menschen die Chance auf ein finanziell abgesichertes Studium oder eine angemessene Ausbildungstelle haben. So wird verhindert, dass die Bundeswehr sich als „Retter in der Not“ darstellt. Wer zivil studieren oder zu einem gerechten Lohn arbeiten will, soll dies können!
Bei den Vorträgen der Jugendoffiziere werden zudem die Gefahren, die auf einen Soldaten oder eine Soldatin beim Dienst an der Waffe lauern, bewusst verheimlicht, denn die Schülerschaft würde ja misstrauisch werden, wenn sie erführe, dass die Bundeswehr nicht nur dazu da ist, romantische Lagerfeuer bei Berghütten oder coole Beachpartys zu machen, so wie es die Bundeswehr in ihrem BRAVO Werbeclip “Beach oder Berg” dargestellt hat.
Die Bundeswehr ist nunmal kein Arbeitgeber wie jeder Andere. Sie ist keine Firma. Sie ist eine Armee und die NATO ein Militärbündnis, in dem die Bundeswehr ein Teil ist. Eine Armee besteht zu keinem anderen Zweck als dem Krieg zu führen, und nicht dem, zu bilden. Die Gelder aber, die in der Bundeswehr verschwendet werden, unter anderem für sinnloses und unbrauchbares Kriegsgerät, sind der Bildung nicht zugänglich. Während also für Rüstungsprojekte Geld vorhanden ist und man sowieso ein Ohr für die Rüstungsindustrie hat, leiden wir Schülerinnen und Schüler unter der Unterfinanzierung unserer Bildung. Marode Schulgebäude , veraltetes Lernmaterial, Unterbesetzung der LehrerInnenschaft, und so weiter und so fort. All dies sind reale und alltägliche Probleme im deutschen Schulalltag.
Wir sollen zum Frieden erzogen werden, das ist ein Bildungsauftrag des Landes NRW. Aus unserer Geschichte und ihren zahlreichen dunklen Kapiteln können und müssen wir dies entnehmen. Warum kommen die Vertreter des Krieges aber immer noch in unsere Schulen? Wie passt die Begeisterung für ein Leben im Militär zu einer Erziehung zum Frieden? Wer eine humanistische Bildung fordert, eine, die den Menschen aufklärt und emanzipiert, der muss zwangsläufig das Militär und seine Interessen aus den Schulen aussperren! Jugendoffiziere, die eine Begeisterung für den Dienst an der Waffe erzeugen, können nicht gleichzeitig gegen die Gräuel des Krieges sprechen, denn Waffen tragen diese Gräuel mit und in sich. Vollkommen verzerrend werben sie für eine Karriere mit Zukunft. Doch wie sieht diese Zukunft aus? Töten, Verletzungen, Verstümmelung, seelische Belastung und Missachtung der eigenen Würde gehören zum angeblichen “Berufsalltag”. Und wer garantiert, dass diese Karriere nicht mit 25 im Zinksarg endet? Wer die Bundeswehr als einen ganz normalen Arbeitgeber darstellt, verschweigt all dies. Wer glaubt, die Bundeswehr sei zum Brunnenbauen und zur Herrstellung der Ordnung in sogenannten „failed states“ zuständig, der irrt. Sie ist für die Sicherung politischer und militärischer Interessen im Ausland zuständig. Das wird bewusst verschwiegen, auch wenn es in den verteidigungspolitischen Richtlinien steht. Soldaten und Soldatinnen sollen es nunmal nicht interessieren, dass und wofür sie ihre Leben – und das Leben anderer – aufs Spiel setzen, Hauptsache, sie tun es.
Die Bundeswehr und die NATO lösen keine Konflikte, sie schaffen sie erst. Säbelrasselnd steht die NATO vor den Grenzen Russlands. Wie man dem Aufruf der NATO-Konferenz entnehmen kann sogar bereit zum nuklearen Krieg! Für Diplomatie und Versöhnung ist mal wieder keine Zeit. Und nun sollen also Offiziere der Bundeswehr an Schulen kommen und über „internationale Sicherheitspolitik“ „informieren“. Diese Konflikte kann keine Armee dieser Welt lösen, das schaffen nur Lehrerinnen und Lehrer in Schulen. Bildung sollte die Antwort auf die Probleme dieser Welt sein und nicht Krieg. Letztlich aber kann Bildung nur ohne Militarismus gelingen.

Die Weltgesellschaft, immer hin und hergerissen von wirtschaftlichen Krisen, militärischen Konflikten und dem Streben nach Vorherrschaft, bedarf einer an ihre Wurzel gehende Umstrukturierung. Diese Umstrukturierung wird niemals durch die NATO erfolgen. Nur durch Bildung ist dies möglich. Und diese Umstrukturierung ist in letzter Zeit nötiger denn je. Millionen Menschen sind durch die Zerstörung ihrer Existenzgrundlage dazu gezwungen, vor Hunger, Armut und Krieg zu fliehen und dabei ihre Heimat zu verlassen. Die NATO trägt daran Mitschuld durch militärische Interventionen und jahrelange Destabilisierung jener Regionen. Die Generäle sollten sich lieber einmal darüber Gedanken machen,warum Menschen flüchten müssen, anstatt die Kriege von morgen zu planen. Die Militarisierung unserer Gesellschaft schreitet in einem bedrohlichen Tempo voran. Ein Punkt der NATO-Konferenz ist die Bekämpfung der Kriegsverdrossenheit in den NATO-Ländern. Die Schülerinnen und Schüler sollen kriegstauglich gemacht werden. Wer sich gegen Krieg als Mittel der Politik ausspricht, ist ein Hochverräter in den Augen der Militaristen. Wer dem Militär die Bildung und Erziehung überlässt, begeht Hochverrat am Frieden! Wir, die Schülerinnen und Schüler, haben die Pflicht den Frieden zu verteidigen und jeden kommenden Krieg unmöglich zu machen. Aus diesem Grund werden wir uns gegen die wachsende Militarisierung der deutschen Gesellschaft stellen, die in unseren Augen eine ernste Gefahr für die Weltbevölkerung darstellt. Daher sagen wir Schülerinnen und Schüler euch:
Wir wollen keinen Krieg! Wir wollen Frieden, wir wollen die Demokratie und wir wollen leben!

Wir sind mehr wert!

falt-unter-smallSo lautet der Titel unserer Kampagne gegen die chronische Unterfinanzierung des Bildungssystems. Es fehlt an allen Ecken: Zu wenig Lehrer*innen, zu wenig Schulsozialarbeit, marode Schulgebäude, schlechte Ausstattung, vielerorts gibt es nicht einmal spezielle ÖPNV-Tickets für Schüler*innen.
Mehr Infos zum Thema und unseren Forderungen sind zu finden in unserem
Faltblatt (pdf, 799kB), das auch kostenfrei bestellt werden kann.