WIR sind die Zukunft!

Schüler schreiben mit Kreide gegen den NaziaufmarschAm Freitag den 03.06. fand in Dortmund die Kundgebung „WIR sind die Zukunft“ der
BSV Dortmund statt. Die Kundgebung war gut besucht und richtete sich gegen den „Tag der deutschen Zukunft“, einem Naziaufmarsch am 04.06. in Dortmund. Es wurden Workshops zum Thema Rassismus, zur Dortmunder Naziszene, dem „Demo-Einmaleins“ und den Spiegelbarrikaden, die bei den Gegenaktionen am 04.06 eingesetzt worden sind, gehalten.
Das Dortmunder Landesvorstandsmitglied Collin Hauke hielt dabei für den Landesvorstand folgende Rede:

Morgen, am 4. Juni, wollen tausende Neofaschisten durch Dortmund ziehen. Ihr Ziel ist es, an diesem Tag ihre rassistische und faschistische Hetze zu verbreiten.
Wir erleben in Deutschland zurzeit ein Wiedererstarken der politischen Rechten in ihren verschiedenen Erscheinungsformen: Von der AfD, die mittlerweile als drittstärkste Kraft in den Bundestag einziehen könnte bis zu den Parteien „Die Rechte“ und der „Der III. Weg“, die offen nationalsozialistisch und faschistisch auftreten und rechten Terror verüben. Sie sitzen in Parlamenten, veranstalten Aufmärsche und bedrohen Migrantinnen und Migranten, LGBTIQ* und andere ihnen verhasste Menschengruppen. Morgen wollen sie diese Hetze vor die Türen der Dortmunder und Dortmunderinnen tragen, ihnen ihren Hass als Lösung für die in der Bundesrepublik herrschenden politischen Probleme präsentieren. Durch martialisches und herrisches Auftreten soll in alter, faschistischer Manier eingeschüchtert werden. Mittels Hetzpropaganda, dumpfem Rechtsrock und dem Schüren von Unwahrheiten und Ängsten wollen sie für ihre abartige Sache werben.

Der Ort des Aufmarsches ist bewusst gewählt. In Dortmund existiert eine gefährliche und organisierte Naziszene, die sich vorrangig in Dorstfeld befindet. Von dort aus operieren sie in ganz Dortmund und dem Umland. Sie bedrohen Antifaschistinnen und Antifaschisten, sie verbreiten ihre widerwärtige Ideologie und organisieren Aufmärsche. Im Internet verbreiten sie ihre Hassbotschaften und verkaufen zudem Waffen und Nazipropaganda in ganz Deutschland. In Dortmund stehen zudem die Chancen gut, dass ihr Aufmarsch mit allen polizeilichen Mitteln geschützt und durchgesetzt wird. Dies ist zu verurteilen, denn wir Schülerinnen und Schüler haben ein Interesse daran, dass Nazisaufmärsche verhindert werden.

Die Dortmunder Nazisszene zeigt deutlich den Charakter des Faschismus, nämlich die Unterdrückung sämtlicher demokratischer und emanzipatorischer Bewegungen. Durch Terror und Furcht sollen diese emanzipatorischen Bewegungen eingeschüchtert und zerschlagen werden. Dies dürfen wir nicht zulassen! Wir lassen uns von Faschisten nicht einschüchtern! Es sind die Organisationen und Vereinigungen der Faschisten, die zerschlagen gehören!
Der Rechtsradikalismus ist in Deutschland auf dem Vormarsch. Er zeichnet sich aber nicht nur durch brennende Asylbewerberheime aus, sondern auch durch die immer größer werdende Einflussnahme von Rechtspopulisten auf die Politik. Sowohl auf Kommunal- wie Landtags- wie Bundesebene agieren sie und verschieben durch ihre Forderungen den politischen Diskurs nach Rechts. Forderungen wie das Schließen von Grenzen, diskriminierende und entwürdigende Gesetze für Geflüchtete und ähnliches wird von der herrschenden Politik umgesetzt in ihrem Bestreben, ihre Stellungen zu wahren.

Längst versuchen sie an Schulen Einfluss zu gewinnen. So sitzen bereits Vertreterinnen und Vertreter rassistischer Parteien in Schulausschüssen von Land und Kommune und bestimmen dort die Schul- und Bildungspolitik mit. Die Rassisten zeichnen sich in ihren Ansichten zur Bildungspolitik dadurch aus, dass sie anscheinend im 19. Jahrhundert stecken geblieben sind. Frontalunterricht, Leistungsdruck und der Ausbau des dreigliedrigen und selektiven Schulsystems stehen auf ihrer Agenda, um uns Schülerinnen und Schüler unkritisch und gehörig zu machen. Des Weiteren wird, nach dem bildungspolitischen Programm der AfD NRW, die Sexualerziehung der Vielfalt, also die Aufklärung von Schülerinnen und Schüler über die Vielfältigkeit sexueller Orientierungen, Geschlechter und Sexualkrankheiten, abgelehnt. Stattdessen soll nur über Schwangerschaft und klassische Geschlechterrollen informiert werden. Ihren Nationalismus will die AfD den Schülerinnen und Schülern ebenfalls eintrichtern, indem sie im Geschichtsunterricht über die glorreiche Vergangenheit des deutschen Volkes lernen sollen. Der Holocaust und die Zeit des Nationalsozialismus werden dabei ausgeblendet und als „Unglücksjahre“ tituliert. Dies allein stellt eine Verharmlosung des deutschen Faschismus dar. Der erste und allen anderen vorrausgehende Auftrag der Erziehung ist, das Auschwitz nie wieder sein darf! Das ist der Grund, warum sich in Schulen so intensiv mit dem Holocaust und der Shoah auseinandergestzt werden muss!

Weiterhin versuchen faschistische Organisationen, direkt an Schulen Einfluss zu gewinnen, um Schülerinnen und Schüler für sich zu rekrutieren. Durch Hasspamphlete, Informationsstände und Rechtsrock-CDs sollen Schülerinnen und Schüler mit der Nazi-Ideologie infiziert werden. Ihr Auftreten hat sich dabei gewandelt, der klassische Nazi von früher mit Glatze, Springerstiefeln und Bomberjacke kommt heute seltener vor. Sie versuchen Jugendkultur zu kopieren, um uns Jugendliche anzulocken. Ihre Rekrutierungsversuche gilt es zu verhindern!

Schon einmal hat diese Seuche ganze Länder in Not gestürzt und verwüstet. Städte gingen in Flammen auf, Landstriche wurden zu Mondlanschaften und Millionen von Menschen wurden industriell vernichtet. Wir, die Jugend, sind in der Pflicht, uns immerwährend unserer Geschichte zu erinnern und uns dem Faschismus entgegenzustellen! Wenn die Faschisten morgen und in Zukunft versuchen wollen, ihre Tyrannei erneut aufleben zu lassen, dann werden wir dies zu verhindern wissen. Unsere Stärken in diesem Kampf sind die Freiheit, die Gleichheit und die Solidarität. Diese Tugenden und Ideale sind unser Garant im Kampf gegen den Faschismus.

Wir wollen in einer Gesellschaft aufwachsen, in der es nicht entscheidend ist, wie du aussiehst oder wo du herkommst. Wir wollen miteinander leben und für eine bessere Zukunft arbeiten. Eine, in der die Menschheit frei von Ausbeutung, Krieg und Krise ist. In der sie ihre Geschicke selbst bestimmt. Eine Zukunft, in der kein Mensch Verfolgung und Unterdrückung aufgrund von Hautfarbe, Geschlecht, sexueller Orientierung oder anderen Kriterien zu fürchten hat. Wir wollen eine Zukunft, in der jeder Mensch in Würde in einer Gesellschaft leben kann, die frei, friedlich, gerecht und solidarisch ist. Diese Zukunft und diese Gesellschaft stehen im Widerspruch zur faschistischen Gesellschaft, denn das innerste Wesen des Faschismus sind Krieg, Elend, Zerstörung, Sklaverei und Tod! Die Nazis fürchten um die Zukunft Deutschlands. Sie wollen unter diesem Vorwand den Faschismus in Deutschland erneut errichten. Uns allen muss klar werden, dass die Zukunft niemals „deutsch“ sein kann, das wäre eine Farce, sie kann nur international sein! Es lebe das geschwisterliche Vertrauen der Völker zueinander!

Wenn „Die Rechte“, „Der III. Weg“ und andere Neonazis morgen aufmarschieren wollen, so ist es unsere Aufgabe dies zu verhindern. Dies sind wir allen Opfern des Faschismus schuldig. Es liegt an uns, der Jugend, den Schülerinnen und Schülern, diese Aufgabe wahrzunehmen und zu bewerkstelligen. Wir werden es nicht zulassen, dass sie an unsere Schulen kommen und durch unsere Städte ziehen. Dortmund ist unsere Stadt! Und sie wird unsere Stadt bleiben! Wenn sie durch diese Straßen ziehen wollen, dann werden sie auf unseren Widerstand stoßen! Wenn sie in unseren Stadtteilen aufmarschieren wollen, dann werden wir sie stoppen! Überall in Dortmund wird morgen die Losung heißen: ES WIRD KEIN DURCHKOMMEN GEBEN! NO PASARAN!
Es liegt an uns allen, den Nazis den morgigen Tag zu einem Desaster zu machen. Also, lasst es uns so machen. Ca ira!

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