Kein Fußbreit dem Faschismus!

AntifaschismusDer 8. Mai ist ein Tag mit einer besonderen Bedeutung, die in Deutschland selbst allerdings viel zu kurz kommt. Heute ist der Tag, an dem in Frankreich, Russland und auch in anderen Teilen der Welt der Sieg über den deutschen Faschismus gefeiert wird. Der 8. Mai ist ein Tag der Erinnerung, der Andacht, der Trauer, aber nicht zuletzt auch ein Tag der Freude. An ihm wurde das Leid für Millionen von Menschen beendet. Heute sollten wir uns an unsere Geschichte und unser antifaschistisches Erbe erinnern. Sie sollen uns zum Handeln bewegen, den Faschismus samt seiner Wurzeln zu vernichten und offensiv, wie auch aktiv gegen ihn vorzugehen. Wir dürfen uns nicht in Zaudern und Verdrängung vor der neuen faschistischen Gefahr in Deutschland flüchten, sondern haben die Pflicht, uns zu bilden und diese Gefahr im Keim zu ersticken.

Der Faschismus in Deutschland ist schon längst kein Thema mehr nur für den Geschichtsunterricht. Brennende Asylbewerberheime, marodierende Neonazis, die Jagd auf Migrant*innen machen, und rassistische Bewegungen wie Pegida sind ein Ausdruck des wachsenden Rechtsradikalismus in Deutschland. Schon längst sitzen Vertreter dieser menschenverachtenden Ideologie in Parlamenten und fungieren als Sprachrohr der radikalen Rechten in Deutschland. Sie nutzen die derzeitigen sozialen Missstände, um gegen Menschengruppen, sei es aufgrund ihrer Ethnie, ihrer sexuellen Orientierung, ihrer Religion oder anderer Vorwände, zu hetzen und der Bevölkerung ihren Hass als Lösung für eben jene Misstände vorzusetzen.

Der Faschismus in der Moderne
Dabei sind heutige Faschisten nicht mehr leicht erkennbar. Ihre abscheuliche Fratze verbirgt sich oft hinter einer demokratischen Maske. Mit Anteilnahme am politischen Tagesgeschehen und patriotischem Gehabe wird bei der Bevölkerung Vertrauen erzeugt, ihnen ginge es um die Zukunft des Landes und der hier geborenen Menschen. Angeblich dienen die dumpfen Parolen und der Rechtsradikalismus dazu, sich gegen das politische Establishment “aufzulehnen”. Die NationalistInnen stellen sich als “heimatverbunden” und “familienfreundlich” dar, um junge Menschen in ihren Bann zu ziehen. Ihnen wird ein Kampf der Kulturen, ein Kampf um das eigene Land suggeriert, bei dem sie als Angehörige ihres “Kulturkreises” gegen Fremde ins Feld ziehen müssten. Die Zuwanderung von Menschen wird als “Invasion” dargestellt, gegen die sich die “Volksgemeinschaft” wehren müsse, und von ihnen entschieden abgelehnt. Menschen besäßen demnach einen natürlichen “Lebensraum”, wo sie hingehören. Die eigene Kultur, oder vielmehr das, was darunter oft fälschlich verstanden wird, wird als überlegen empfunden. Andere Kulturen werden aus chauvinistischem Standpunkt abwertend betrachtet und auf einzelne Bestandteile und Klischees reduziert. An die Stelle von Völkerfreundschaft tritt der erbarmungslose Hass gegen “fremde” Menschen, die bis zu ihrem Tod von den Faschisten gehetzt werden.

Der Hass richtet sich aber nicht nur gegen Migrant*innen, sondern auch gegen Menschen mit Behinderungen. Sie wurden im so genannten “Dritten Reich” – aber auch schon im Kaiserreich – als “nicht lebenswert” betrachtet und unfruchtbar gemacht oder der “Euthanasie” im T4-Programm zugeführt. Diese Denkweise setzt sich auch bei Neo-Faschisten fort, die im “Kampf ums Dasein” einen Grund finden, unschuldige Menschen systematisch zu verfolgen, ihre Sterilisation zu fordern oder sie sogar zu töten.
Im Faschismus ist die Familie die “Keimzelle der Nation”. Das bedeutet, sie ist die kleinste Einheit der Nation und das Fundament des faschistischen Staates. In ihr drückt sich die gesellschaftliche Realität aus: Frauen werden als Gebärmaschinen betrachtet, deren einziger Sinn und Zweck es ist, Nachwuchs zu gebären und diesen aufzuziehen. Dementsprechend ist das bestehende Geschlechter-Ungleichgewicht im Faschismus radikaler und letztlich ein wichtiger Bestandteil. Das Patriarchat wird gestärkt und jeglicher emanzipatorischen Bewegung soll das Rückgrat gebrochen werden. Männer sollen “stark” sein und Frauen möglichst “schwach”. Der Faschismus lebt von diesem starken Maskulinismus, der eng mit Aggressivität verbunden ist. So mündet die faschistische Gesellschaft auch in uneingeschränkten Militarismus. Die Hauptaufgabe der Volksgemeinschaft sei es demnach, andere Völker und Länder zu besiegen und zu erobern. Dazu sollen alle möglichen Ressourcen des Staates mobilisiert werden, egal ob materiell oder in Form von “Menschenmaterial”. Die Männer sollen schon als Kinder, als Schüler, auf den Krieg vorbereitet werden. Sie sollen sich mit dem Töten, dem blinden Gehorsam und der Bereitschaft, für die Tyrannei zu sterben, anfreunden. Es soll ein totaler Krieg vorbereitet werden, um einen Expansionsdrang zu stillen, der an seinem Größenwahn Zusammenbrechen und letztlich auch seinen Urheber unter Trümmern begraben wird.
Faschisten machen die Demokratie als Hauptgrund für Missstände verantwortlich. Als vermeintliche Lösung soll eine Herrschaft einer angeblichen “Elite” etabliert und gefestigt werden, die die vollkommene Kontrolle über die Politik besitzt. Sie verfügt zudem über nahezu das gesamte Eigentum, welches sie versuchen durch Zwangsarbeit und Unterdrückung zu vergrößern. Der Glaube an die “Volksgemeinschaft”, in der angeblich alle “Volksgenossen” gleich sind, egal ob sie privelegiert sind oder nicht, soll die Klassenunterschiede verschleiern. Und der Glaube daran, eine “Schicksalgemeinschaft” zu sein, verdeckt, dass nun der Staat über das Schicksal entscheidet. Der Preis für diese vermeintliche Gemeinschaft? – Freiheit, Gleichheit und Selbstbestimmung werden restlos beseitigt.
Gezielt wird mit kruden Verschwörungstheorien Angst erzeugt, seien es zum Beispiel antisemitische Mythen wie die “jüdisch-bolschewistische Weltverschwörung” oder ein angeblich von den Demokrat*innen geplanter “Volkstod”, mit dem Ziel, das deutsche Volk auszurotten. Dass das nicht der Wahrheit entspricht, wird verdrängt, denn es bietet eine einfachere Erklärung für komplexe Probleme, als kritisch nachzudenken und wissenschaftlich vorzugehen.

Faschismus an der Schule
Die Schule sollte ein Ort der Demokratie sein, an dem Schüler*innen gemeinsam lernen und im Geiste des Friedens und der Demokratie erzogen und gebildet werden. Dennoch versuchen neo-faschistische Gruppierungen, an Schulen gezielt Einfluss zu nehmen. Sie verteilen auf oder vor Schulhöfen CDs mit Rechtsrock, eröffnen Stände vor Schulen und werben großflächig für ihr menschenverachtendes Gedankengut. Eine Möglichkeit, dem entgegen zu wirken, bietet die Initiative “Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage”, die Schüler*innen ermöglicht, sich gegen Rassismus einzusetzen und sich über Rassismus wie auch Faschismus aufzuklären. Die LSV NRW empfiehlt allen Schulen, sich dieser Initiative anzuschließen.

Selbst in den SV-Strukturen wird versucht, Schüler*innen zu beeinflussen. Anhänger und Mitglieder rassistischer Parteien und Organisationen benutzen SV-Strukturen als Sprachrohr für sich und verkaufen sich den Schüler*innen dort als jung und modern, um so neuen Nachwuchs zu rekrutieren oder einfach die SV politisch zu beeinflussen. Auch wird versucht, über Parlamente Einfluss auf die Schulpolitik zu nehmen. Die AFD Sachsen-Anhalt erklärt beispielsweise, dass sich der Geschichtsunterricht “einseitig auf zwölf Unglücksjahre unserer Geschichte” konzentrieren würde. Dies an sich stellt eine Relativierung und Verharmlosung des Faschismus dar, der hier als “Unglück” tituliert wird. Es zeugt von einer unglaublichen Ignoranz, wie sich hier angebliche Demokraten über unsere Geschichte äußern. Durch die Präsenz in Schulausschüssen können rassistische und faschistische Gruppierungen Schulpolitik maßgeblich mitbestimmen und so ihr Weltbild auch direkt in Schulen tragen. Uns sollte bewusst sein, dass dieses Weltbild und ihre Politik im Gegensatz zu unseren Interessen stehen und bekämpft werden müssen!

Beispiele für rassistische und faschistische Organisationen
Die “AfD” ist eine Partei, die zur Zeit hohe Umfragewerte erreicht und realistische Chancen besitzt, in den Landtag in NRW einzuziehen. Sie ist nicht direkt faschistisch, aber eine klar rassistische und demokratiefeindliche Partei, deren nordrheinwestfälischer Landesverband in seinen schulpolitischen Ansichten gegen Grundsätze der LSV NRW steht und arbeitet.
Die Partei selbst zeichnet sich bei ihren UnterstützerInnen durch ihr bürgerliches Milieu aus. Sie unterscheidet Geflüchtete in nützliche und unnütze, die dann nach Ermessen dieser PatriotInnen durch die menschenunwürdige Bestrafung der Abschiebung zurück in ihre durch Armut und Krieg gebeutelten Heimatländer geschickt werden sollen. Sie setzt sich für eine Renaissance des deutschen Nationalismus ein, der von politischen Missständen und ihren Ursachen ablenken soll. Ihre Jugendorganisation ist die “Junge Alternative”.
Eine weitere gefährliche und nicht zu unterschätzende Partei ist weiterhin die NPD, die zwar seit Jahren derbe Verluste bei Landtagswahlen einfährt, aber dennoch in vielen Stadträten sitzt und dort finanzielle Mittel bezieht, die direkt in die rechte Szene wandern. Seit den 60er Jahren existiert sie nun und steht für dumpfe, rechte Parolen, Geschichtsrevisionismus und Neo-Nazismus. Ihre Jugendorganisation sind die “Jungen Nationaldemokraten”.
“DIE RECHTE” ist eine Partei, die aus der “Deutschen Volksunion” hervorgegangen ist und die zumindest in einigen Orten, gerade in Dortmund, eine ernstzunehmende Gefahr darstellt. Sie sitzt nicht nur im Parlament und benutzt dieses, um ihren Rassismus und Antisemitismus zur Schau zu stellen, sondern sie versucht auch durch Demonstrationen und Propaganda, gerade junge Menschen für sich zu gewinnen.
Aber es gibt nicht nur deutsche neonazistische oder faschistische Bewegungen und Parteien: Die “Grauen Wölfe” sind die Mitglieder einer faschistischen, türkischen Organisation, der Partei MHP (Partei der Nationalistischen Bewegung). Sie zeichnen sich durch ihre Feindschaft gegenüber Kurd*innen und Alevite*innen aus, die sie verfolgen und bedrohen. Zu erkennen sind sie an ihrem “Wolfsgruß”.
In vielen Orten gibt es lokale rechte Kameradschaften, Burschenschaften und andere rechtsradikale und faschistische Gruppierungen. Ihnen allen gemeinsam ist ihre rassistische Ideologie, ihr Nationalismus und ihre Demokratiefeindlichkeit, an denen man sie gut erkennen kann.

Die Wurzeln des Faschismus reichen tief

Max Horkheimer fand die passenden Worte: ”Wer vom Kapitalismus nicht sprechen will, der soll vom Faschismus schweigen!”. Uns muss bewusst werden, dass der Faschismus und seine Strömungen nur ein Produkt unserer Gesellschaft sind und ihre Ursachen dementsprechend in unserer Gesellschaft liegen. Die bestehenden kapitalistischen Eigentumsverhältnisse sind genauso wie mangelndes Wissen über unsere Geschichte und rassistische Vorurteile Gründe für das Erstarken der faschistischen Organisationen. Gegen sie muss vorgegangen werden, um eine Welt in Frieden und Freiheit zu erschaffen, wie es der Schwur von Buchenwald besagt.

Unser gegenwärtiges Verständnis von Bildung, nämlich als Erwerb von Zertifikaten und Zeugnissen, vermag es nicht, das Wiedererstarken rassistischer und faschistischer Bewegungen zu stoppen oder einzudämmen. Um der faschistischen Ideologie weitestgehend Einhalt zu gebieten, muss die Schule inklusiv gestaltet werden. Eine Schule, in der alle Menschen egal welcher Herkunft, ob körperlich oder geistig beeinträchtigt oder welchen Alters gemeinsam aufwachsen und sich fortbilden können. Die inklusive Ganztagsgesamtschule, eine Schule fernab von Vorurteilen, Selektion und Ausschluss, würde helfen, Menschen zu bilden, die sich zur Demokratie bekennen und sich als mündige und emanzipierte Mitglieder einer freien, gerechten, friedlichen und solidarischen Gesellschaft betrachten und dementsprechend handeln.

Das innerste Wesen des Faschismus ist Krieg, Zerstörung, Elend, Sklaverei und Tod. Nie wieder dürfen wir zulassen, dass diese Seuche durch die Welt zieht und ganze Länder in Schutt und Asche legt. Nie wieder dürfen wir zulassen, dass Menschen aufgrund ihrer Herkunft, Hautfarbe oder religiöser Zugehörigkeit verfolgt, entwürdigt und ermordet werden. “Dass Auschwitz nie wieder sei” ist einer der elementarsten und wichtigsten Bildungsaufträge, nach dem alle Schüler*innen erzogen werden müssen. Die Liebe zur Freiheit, zur Gleichheit und zur Solidarität sollte allen Schüler*innen vermittelt werden. Diese Prinzipien sind unsere Stärke und Garant gegen den Faschismus.
Es ist der 8. Mai 2016, heute jährt sich die Kapitulation des Nazi-Regimes zum 71. mal. Mag uns dieser Tag gebührend in Erinnerung bleiben. Wir haben die Pflicht, niemals zu vergessen und immer wachsam und bereit zu sein, gegen Militarismus, Rassismus und Faschismus aktiv vorzugehen. Es liegt an uns, Nazis und Faschisten dort zu entgegnen und zu blockieren, wo sie auftauchen! Die LSV NRW setzt sich gezielt gegen jede Art des Rassismus und Faschismus ein.
“Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung. Der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel.”

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